Die Wochenend-Meinung RHEINPFALZ Plus Artikel In Ungarn Arzt werden – gute Idee, aber nicht die Lösung

Ein Viertel der Hausärzte in der Südwestpfalz könnte direkt in Ruhestand gehen.
Ein Viertel der Hausärzte in der Südwestpfalz könnte direkt in Ruhestand gehen.

Den Ärztemangel behebt man nicht dadurch, dass man junge Leute zum Studium ins Ausland schickt.

Jeder siebte Hausarzt in der Südwestpfalz ist über 70. Zählt man die ab 65 dazu, könnte ein Viertel der Hausärzte direkt in Ruhestand gehen. Und die meisten Hausärzte – fast jeder Dritte – sind zwischen 60 und 65, also kurz vorm Aufhören. Diese Zahlen haben die Städte und Landkreise in der Westpfalz so alarmiert, dass sie jetzt selbst etwas gegen den Ärztemangel tun möchten – obwohl das gar nicht ihre Aufgabe ist. Das zeigt, wie angespannt die Lage ist.

Es ist toll, dass von Zweibrücken bis Bad Kreuznach alle an einem Strang ziehen. Es ist ein gute Sache, wenn Studenten im Ausland Erfahrung sammeln. Die Idee, jungen Leuten die Studiengebühren zu bezahlen, wenn sie danach mindestens drei Jahre als Arzt in der Region arbeiten, hat ihren Charme.

Nicht der Weisheit letzter Schluss

Aber das kann nicht der Weisheit letzter Schluss sein! Es kann nicht sein, dass wir unser Ärztemangel-Problem lösen müssen, indem wir junge Leute nach Ungarn schicken, damit sie in fünf Jahren bei uns als Arzt arbeiten und sich vielleicht nach drei Jahren wieder vom Acker machen.

Wenn immer mehr Menschen einen Hausarzt in der Nähe brauchen, es aber immer weniger davon gibt, dann haben wir ein großes Problem. Die Wurzel des Übels liegt aber nicht darin, dass zu wenig junge Leute im Ausland Medizin studieren. Die ländlichen Gebiete sind weniger attraktiv. Hausarzt ist nicht unbedingt der Traumjob eines frischgebackenen Medizinstudenten. Es gibt zu wenig Studienplätze, und für manche geeignete Kandidaten sind sie sowieso unerreichbar.

Die Politik ist gefragt

Die Städte und Dörfer können dafür sorgen, dass die Menschen gerne in unserer Region leben. Aber vor allem die Gesundheitspolitik muss sich ändern. Für die jungen Ärzte muss es attraktiv sein, als Allgemeinmediziner auf dem Land zu arbeiten. Da können neue Modelle helfen, es muss ja nicht jeder Arzt gleich eine eigene Praxis eröffnen.

Auch beim Studium muss es Veränderungen geben. Wenn – wie in anderen Berufen – mehr Ärzte in Teilzeit arbeiten möchten, muss es mehr Studienplätze geben. Man muss sich aber auch Gedanken über den Numerus clausus machen. Ist der wirklich noch das geeignete Mittel zur Auswahl von Studenten? Soll die Note in Religion und Sport am Ende wirklich eine größere Rolle spielen als die Frage, ob jemand ein guter Arzt wäre?

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