Zweibrücker Mundart
„Je mehr Leid do ware, desto besser war’s geween“
„Obs dess mol widder gewwe duud, dassma hinnerher saan kann: Es war mol widder geschdobbdevoll geween? Es wär kenner meh rinn gang! Wie schunn so ofd gesaad!“ Gerade hatte man in der RHEINPFALZ gelesen, wie schön es auch für die Mitglieder der Stadtkapelle ist, vor vollbesetztem Saal zu spielen. Wie häufig kam es auch bei anderen Ereignissen auf die Schar der Beobachter oder Zuhörer an: Waren es bei der Wahlversammlung mit Konrad Adenauer damals an der Festhalle mehr Leute, als bei der Kundgebung mit Willy Brandt am Rathaus? Nicht allein für die Parteileute war das wichtig, weil sie danach schon ihre eigene „Hochrechnung“ aufstellen konnten. „Bis eniwwer zum Pörringer hann die Leid geschdann, in de Saarlandschdross is kenner meh durchkomm!“
Beim Jubiläum „50 Jahre Wiederaufbau der Festhalle“ wurde mehrfach auf dieses Ereignis verwiesen. Auch wurde dabei, wie schon so oft, daran erinnert, dass der Kanzler auf die Gefahr aus dem Osten hingewiesen hat. Die Einen sagen dann gerne „Do hadder die Cundwicher gemennd“! Während jüngst erst der Ur-Auerbacher Willi Richter vermutete: „Do kann de Adenauer nur uns gemennd hann!“ Ein Beweis mehr, dass dieses Ereignis längst noch nicht vergessen ist, nicht allein der Menschenmenge wegen.
Sie sidze in de Beem uff de Äschd
Ältere erinnern gerne daran, wie der 1. FC Kaiserslautern auf dem VB-Platz am Hornbach gegen „Zweebrigge“ antrat, „un die Leid sogar in de Beem uff de Äschd gesidzd hann“. Als es die ersten Grasbahnrennen auf der Rennwiese gab, war es oft nicht anders: Da waren keine Lücken drumherum, jeder Platz wurde gebraucht. Fotos von Radrennen durch die Stadt („Domols noch middem Maue vun Schopp!“) zeigen: Die Zuschauer standen gedrängt am Straßenrand, „die Kleene vorne odder uff de Schuldere vum Babbe“. Nicht anders war es bei der 600-Jahrfeier, als Zweibrücken seine Stadtgründung feierte: „Uff jedem Trimmergrundstück“, die es damals noch zahlreich gab, saßen oder standen die Beobachter, damit ihnen nur ja nichts vom großen Festzug entgeht. „Gummo, die Rosekeenichin in de Kutsch, guck doch!“ Wie oft hatten wir spaßeshalber gesagt „Vor lauder Leid hasche ke Mensche gesien“, manchmal sogar nur, um andere zu ärgern, die selbst nicht bei der Veranstaltung dabei gewesen waren.
„E paarmol haddmer enner uf die Zewe gedrehd!“
„Viel Leit“, das war vor allem beim Turnerjahrmarkt der VTZ wichtig und nicht selten wurde geklagt: „E paarmol haddmer enner uf die Zewe gedrehd!“ Natürlich wurde auch in den letzten vierzig Jahren stets auf die Anzahl der Besucher des Stadtfestes geschaut. Waren wieder einige Tausend Gäste zusätzlich gekommen und damit auch mehr verkauftes Bier (nur geschätzt) als im Jahr zuvor? Wie gut für die Vereine, für den SV 64 und die VTZ, wenn beim Handball-Lokalkampf in der Westpfalzhalle auch der letzte Stehplatz gebraucht wurde – keiner meckerte, alle wollten doch dabei sein.
Nicht anders war es doch, wenn „die vum Hornbach“, gegen „die vum Wattwillerberch“, VB gegen TSC, antraten: Auf welchem Sportplatz gab es die meisten Zuschauer? Sagten wir früher so gerne: „Die ganz Korona war do!“ und dachten dabei an den Besuch der Verwandten. So gilt heute „Weje Corona hann ned meh erinngekennd!“ Die andauernde Pandemie lässt leider keine Besuchermassen mehr zu. Nun gilt das Bedauern denjenigen, die nicht zur Veranstaltung gehen konnten, um „live“ dabei zu sein, wie lange Jahre gewohnt. „Hoffe ma doch, dasses mol widder werd!“