Zweibrücken
Irish Summer Nights: „Hände oben lassen!“
Schon beim ersten Lied von O’Reilly’s and the Paddyhats sind viele aus dem Strandkorb aufgesprungen und tanzen. Es ist die irische Musik, gespickt mit Violine, Trommeln und viel E-Gitarre, die mitreißt. Gut, das hält ja auch warm.
„Yes! Zweibrücken, Wahnsinn. Es ist wirklich Wahnsinn zu sehen, wie ihr ausrastet“, meint Frontsänger Franz Wüstenberg. Heute Abend gehe es um ganz viel Lebensfreude, „hier könnt ihr ausrasten.“ Die Band macht einem das mit ihrer sprühenden Ausgelassenheit ganz leicht. Einige Lieder wie „Come on, Boys“ beginnen ganz seicht mit einem Fiddle-Solo (Mia Callaghan). Dann fächern sie sich auf, werden rockiger und mitreißender. Diese Art des Spannungsaufbaus macht richtig gute Laune und hat eine anstachelnde Wirkung auf die rund 450 Zuschauer. Die gehen richtig ab.
Einzigartiges Klanggefecht
Die Fiddle (ähnlich der Violine), die E-Gitarre (Jan Philipp Nau) und der Bass (Tom O’Shaughnessy) ergeben ein einzigartiges Klanggeflecht. „In Irland sagt man nicht Prost, sondern …“ – „Sláinte!“, rufen einige Zuschauer. Nicht nur daran merkt man, dass echte Irland-Fans auf dem Flugplatz weilen. Sie sind es, die dem Abend Atmosphäre verleihen. Fast das ganze Konzert von drei Stunden tanzen, springen und feiern sie, was das Zeug hält.
Die Paddyhats zeigen bei „We All Know“ Schilder mit dem Songtext. Viele singen mit. „Zweibrücken ist nicht so das sicherste Pflaster. Deswegen wäre es ganz gut, wenn ihr in unsere Gang kommt“, meint der Sänger. Die Aufnahmeprüfung besteht im Händeschwingen – nach links und rechts. „Nein, Hände oben lassen, das ist hier ein Workout!“, ruft Wüstenberg.
Lange Pause vertreibt die gute Stimmung
45 Minuten haben die Paddyhats gespielt und werden mit tosendem Applaus verabschiedet. Was folgt, sind 30 quälende Minuten Pause, und das, obwohl der Umbau nur einen Bruchteil der Zeit in Anspruch nahm. Die Pause zieht sich und geht auf die Stimmung. Fiddlers Green hätte die Energie ihrer Vorband aufgreifen können, hätten mit ihr wie auf einer Welle reiten können.
Als Nebel auf der Bühne wallt, atmet man erleichtert auf. Die ersten Töne des irischen Volkslieds „Whiskey in the Jar“ sind wesentlich härter, basslastig und rhythmisch rasant. Haben die Paddyhats gezündelt, veranstalten Fiddlers Green einen wahren Funkenflug. Vielleicht können die den kalten Wind aufwärmen, der um die Strandkörbe weht.
Funkenregen aus der Trommel
Der Rock, gepaart mit Violine (Tobias Heindl), kommt bombenmäßig an. Die Kunst ist es, die rhythmisch oft ähnlichen Grundmelodien und –rhythmen nicht gleichförmig rüberzubringen. Das schafft die Band, die letztes Jahr ihr 30-jähriges Bestehen feierte, mit Leichtigkeit. Ab und zu streut sie ein paar Balladen ein. Hervorragend ist das kurze Violinensolo zur Melodie von „You Raise Me Up“. Dann setzt die Trommel ein, das nächste Solo folgt. Frank Jooss schreit, ein Funkenregen sprüht aus seiner Trommel. Und nein, das ist keine Metapher.
„Wunderbar, was hier für Verrenkungen in den Strandkörben möglich sind“, freut sich Frontsänger Ralf Albers. Ein auf Irisch getrimmtes „Bella ciao“ verleiht dem Konzert sogar kurzzeitigen Pop-Charakter. Die irischen Instrumente, wie die Bouzouki, sorgen für den landestypischen Charakter.
Fiddlers Green singt auf Deutsch
Ihr eigenes Lied, „Land in Sicht“, singen sie auf Deutsch. Der optimistischen Stimmung wegen entstand das Lied, das reich ist an Corona-Metaphern. „In der Kombüse fault das Brot, wir sind gefangen auf hoher See, doch es ist Land in Sicht.“
Man fühlt sich wie auf einem Schiff, wahlweise darf’s auch mal ein Pub sein. Oder Becher. Die benutzt Fiddlers Green zum Cup-Song: Die Jungs jonglieren mit Bechern und erzeugen klopfend den Rhythmus zu „Wellerman“. Ein originelles und vielseitiges Konzert mit viel Interaktion, bei dem die Fans die eigentlichen Stars waren.