FUSSBALL
In Halle läuft es gut für den Ixheimer Julian Derstroff
Ost-Derby zwischen dem Halleschen FC am 12. Dezember und dem Tabellenführer der Dritten Liga, Dynamo Dresden: Mittendrin der Zweibrücker Julian-Maurice Derstroff, der seinen HFC in der siebten Minute mit einer Energieleistung in Führung schoss. Am Ende konnte der frühere Bundesliga-Profi des 1. FC Kaiserslautern die 1:3-Heimniederlage aber nicht verhindern. Am nächsten Spieltag, dem vorletzten vor Weihnachten, war er bei Türkgücü München aber gleich wieder mit zwei Toren am 3:0-Sieg beteiligt. Und beim Drittliga-Re-Start diesen Samstag erzielte er Halles Tor beim 1:1 in Wiesbaden.
Den Eltern dankbar
Der aus Zweibrücken-Ixheim stammende Mittelfeldspieler begann im Alter von acht Jahren mit dem Fußballspielen an der Römerstraße beim SV Ixheim. Noch als E-Jugendlicher hatte Derstroffs Mutter eine Idee, die für die Fußballkarriere ihres Sohnes wie ein Katalysator wirken sollte. „Meine Mutter hat mich bei einem Talenttag beim 1. FC Kaiserslautern angemeldet. Ich bin dankbar, dass mir meine Eltern es ermöglicht haben, anschließend beim FCK in der Jugend zu spielen“, sagt Julian Derstroff.
Bei Roten Teufeln geformt
In der Jugend der Roten Teufel entwickelte er sich zur Stammkraft, erreichte mit der U19-Mannschaft gar das Finale um die deutsche Meisterschaft. In einer Mannschaft mit den heutigen Profis Dominique Heintz (SC Freiburg), Willi Orban (RB Leipzig) und Jean Zimmer (noch Fortuna Düsseldorf, eventuell bald wieder beim FCK) kam Derstroff als Stürmer zum Einsatz.
Debüt gegen Bayern München
„Eine Woche nach dem Endspiel bin ich dann mit den Profis ins Trainingslager gefahren“, erzählt Derstroff von seinem steilen Aufstieg. Eine Verletzung stoppte ihn zwar vorerst, doch im Februar 2012 feierte Derstroff dann doch seine Premiere im Bundesliga-Oberhaus – gleich gegen den FC Bayern München. „Das war schon cool. Man träumt als junger Spieler immer davon, einmal für seinen Heimatverein als Profi auszulaufen“, fügt der Mittelfeldspieler an.
Traumtor in Leverkusen
Es folgten fast wöchentlich weitere Einsätze. Ein Höhepunkt war sicher sein bis heute einziges Bundesliga-Tor im Spiel bei Bayer Leverkusen. Kurz vor der Halbzeit hatte Derstroff die Führung von Stefan Kießling mit einem Treffer Marke „Tor des Monats“ ausgeglichen.
Es folgten in der Saison 2012/13 weitere Einsätze in der Zweiten Bundesliga für die Lauterer. In dieser Zeit kickte er beim FCK unter den Trainern Marco Kurz, Krassimir Balakow und Franco Foda. Der ganz große Durchbruch gelang dem Ixheimer jedoch nicht.
Ziel: Wieder Zweite Liga
Er wechselte im Sommer 2013 zu Borussia Dortmund II, später dann zum FSV Mainz 05 II. „Das waren keine verlorenen Jahre. Beim BVB hatte ich viel Verletzungspech und auch das Pfeiffersche Drüsenfieber“, erzählt Derstroff, der eine Vielzahl von Einsätzen in der Dritten Liga absolvierte. In Dortmund trainierte er auch unter Jürgen Klopp, der heute den FC Liverpool erfolgreich coacht. „Die Saison in Mainz war dann überragend“, sagt Derstroff rückblickend über die Spielrunde, die ihm den Weg zurück in die Zweite Bundesliga ebnete. Nach 35 Spielen und zwölf Treffern für den FSV Mainz 05 II in der Saison 2015/16 wechselte der fünfmalige U20-Nationalspieler (ein Treffer) zum damaligen Zweitligisten SV Sandhausen.
In Regensburg wenig gespielt
Im ersten Jahr beim SVS kam Derstroff nach vielen Verletzungsproblemen auf nur zehn Einsätze, in der darauffolgenden Saison auf 18 Spiele. „Das war mir trotzdem zu wenig. Ich hatte dann gute Gespräche mit Jahn Regensburg geführt“, erklärt der 28-Jährige. Bei den Bayern lief es dann nicht gut: insgesamt nur 15 Einsätze in zwei Spielzeiten. „Ich habe leider weniger gespielt, als ich mir das vorgestellt hatte“, sagt Derstroff dazu.
Seit August 2020 ist der Südwestpfälzer richtig angekommen. Beim Halleschen FC kam er, abgesehen von einer Partie, bisher stets zum Einsatz. „Es ist alles sehr positiv hier. Der HFC hat sich sehr um mich bemüht. Das Konzept hat gepasst. Der Verein will auch in die Zweite Bundesliga“, sagt Derstroff, der angibt, auch andere Angebote gehabt zu haben. „Ich wollte aber einfach regelmäßig spielen und auf dem Platz stehen.“
Ein bisschen Pfalz-Sehnsucht
Dritte Liga in Halle, während der Heimatverein in Kaiserslautern in der gleichen Liga spielt? „Es hat sich nichts ergeben. Da gab es keine Gespräche mit dem FCK“, verdeutlicht Derstroff, der in Zweibrücken an der Berufsbildenden Schule (BBS, die heutige Ignaz-Roth-Schule) sein Fachabitur ablegte. Er ist froh, beim HFC zu sein, ist Führungsspieler und Teil des Spielerrats. „Ich fühle mich schon in der Position, auch mal anzupacken und die Mannschaft zu führen.“ In der laufenden Runde hat er schon sechsmal für sein Team getroffen, das derzeit Tabellenachter ist, und dazu drei Vorlagen gegeben.
Bald auch Student
Dennoch ziehe es ihn auch mal nach Hause, selbst wenn die fußballerische Heimat inzwischen im Osten liegt. „An Weihnachten habe ich in den letzten Jahren immer meine Freunde, Familie und natürlich auch meinen Bruder Florian in Zweibrücken gesehen.“ Jetzt an Weihnachten war das wegen des Coronavirus schwierig. Er vermisst die Pfalz schon ein wenig, auch wenn er in Halle eine zweite Heimat gefunden hat, der er noch lange treu bleiben will.
„Ich will zurück in die Zweite Bundesliga und eine erfolgreiche Saison spielen“, fügt Derstroff an, der sich nach Abschluss seiner Fußballer-Laufbahn durchaus eine Trainerkarriere vorstellen kann. „Ob das dann im Profibereich ist? Mal schauen. Im Frühjahr will ich erst mal ein Studium als zweites Standbein beginnen.“