Zweibrücken Geheimnisvolle Sternenreise

Er blickt gelassen auf die Ausstellungsbesucher. Golden und prachtvoll, aber auf eine bestimmte Art und Weise anachronistisch wirkt der Kopf von Tut-anch-Amun auf dem Treppenabsatz der Zweibrücker Galerie Prisma. Nicht nur, weil er von der vorangegangenen Ausstellung übrig geblieben ist, sondern auch, weil er so ganz anders ist als die zeitgenössische Kunst, welche die Zweibrücker Künstlergruppe in ihrer aktuellen Ausstellung mit dem Titel „Code Five“ präsentiert.
Sie sind ebenso fleißig wie kreativ, die Mitglieder von Prisma. Denn zwei- bis dreimal im Jahr zeigen sie ihre neuesten Arbeiten. Auch dieses Mal sind vielfältige Techniken zu sehen. Malerei, Skulptur und andere, die nur schwer in eine Kategorie einzuordnen sind. Beispielsweise die verblüffende Arbeit von Jürgen Rinck. Normalerweise finden sich in den Prisma-Räumen Fotografien von den Kunstreisen des Zweibrücker Künstlers. Doch dieses Mal ist es anders. Denn mit ironischem Augenzwinkern macht er nicht nur seine feinsinnigen Beobachtungen der Welt zu Kunstwerken. Etwa, wenn er den Reifen seines Fahrrades zerschneidet, der den Weg rund um die Nordsee hinter sich gebracht hat. Es entstanden quadratische Gummistücke, die jeweils mit einer Schraube auf dem Untergrund befestigt werden. „Reliquien eines Europenners“ nennt er das aus 29 Einzelbildern bestehende Werk. Nicht minder verstörend die „Sternkarte der Kau“ vor dem Eingang der Galerie. Rinck fotografierte das mit Kaugummiresten bedeckte Pflaster aus dem Obergeschoss und entwickelte daraus eine imaginäre Sternenkarte. Mit verblüffendem Ergebnis. Neben den bekannten Kunsttechniken zeigt die Prisma-Galerie in der aktuellen Ausstellung auch Arbeiten der Schmuckdesignerin Patricia Weis aus Kaiserslautern. Natürlich eine gewisse Gratwanderung zwischen Kunst und Kunsthandwerk. Dennoch interessant, denn Weis geht in ihrem Tun noch weiter. Beispielsweise mit der Installation „Ich packe meinen Koffer für die letzte Reise…“ Aus einem alten braunen Reisekoffer hängen an dünnen Fäden auf Papier geschriebene Worte heraus. Etwa „malen“, „kein Sex“ oder „das Leben seltsam finden“. Eine durchaus amüsante Reise durch die Gefühls- und Erlebenswelt eines Menschenlebens. Eine Idee, wie man Alltagsgegenstände und Kunst zusammenbringt, findet man ganz in der Nähe der Tut-anch-Amun-Büste von Klaus Wingerter. Ein Künstler, der auch den Klangkörper einer E-Gitarre gestaltet hat, die sich im Besitz des Zweibrücker Musikers Michael Wack befindet. Eine Grundidee, die bei Prisma wohl Schule macht. Denn es werden auch Fotografien der von Klaus Mann bemalten Biergartentische gezeigt, deren Originale nur ein paar Häuser von der Galerie entfernt bestaunt werden können. Schließlich hat man in diesem Zusammenhang auch eine weitere Gastkünstlerin nach Zweibrücken geladen. Cornelia Japtok, Modedesignerin aus Riedelberg, zeigt Ihre neue Sommer-Kollektion. Ihre transparenten Stoffe und extravaganten Strickarbeiten beweisen, dass man für individuelle Mode nicht unbedingt nach Paris fahren muss. Auch sonst macht der Rundgang durch die zweigeschossige Galerie wieder Spaß. Denn die Kreativität der Künstlerinnen und Künstler schafft immer wieder neue Ideen, die durchweg handwerklich solide ihre Umsetzung finden. Etwa die abstrakten Malereien von Bärbel Grub-Hapke, die Holzskulpturen von Peter Hudlet, die Metallobjekte von Werner Gräser oder die Installation von Bettina Knerr, in der sie eine mechanische Reiseschreibmaschine mit elektronischen Bauteilen der Neuzeit kombiniert.