Saarbrücken RHEINPFALZ Plus Artikel Gediegener HipHop im E-Werk

Jan Delay dirigiert sein Saarbrücker Publikum.
Jan Delay dirigiert sein Saarbrücker Publikum.

Jan Delay vor dem Saarbrücker E-Werk. Der Hamburger gibt seit fast drei Jahrzehnten seinen Fans, was sie hören wollen. Er ist ein Garant für ausgelassene Partys.

Norddeutsche gelten gemeinhin als kühl und unnahbar. Wer sich aber erst einmal mit einem angefreundet hat, was mitunter viel Zeit beanspruchen kann, wird sein Leben lang davon profitieren. Denn der Norden ist loyal. So auch der Hamburger Jan Delay, der seit fast drei Jahrzehnten seinen Fans gibt, was sie hören wollen und Garant für ausgelassene Partys ist. So auch am Donnerstag beim Open Air vor dem Saarbrücker E-Werk.

Wann haben Sie Jan Delay zum ersten Mal gehört? Auf einem Festival, tanzend im Publikum vor einem Typ im durchgeschwitzten Maßanzug mit einer grandiosen Band im Rücken? Im Radio, als Nena plötzlich nach Reggae und deutsche Popmusik auf einmal unfassbar cool klang? Oder schon in den 1990er Jahren auf irgendeiner Hiphop-Jam zwischen München und Itzehoe, als einige Überzeugungstäter das Fundament legten für das, was deutsche Popkultur heute ist?

Gepflegter Beat seit gut drei Jahrzehnten

Irgendwie, irgendwo, irgendwann wird es gewesen sein. Ihren persönlichen Jan-Moment haben wohl alle, die in den letzten gut 30 Jahren einen gepflegten Beat zu schätzen gelernt haben und deshalb auch am Donnerstag zum Open Air vor dem Saarbrücker E-Werk gekommen sind. Ob Rap-Nerd, „Rabe-Socke“-Fan oder Gen-Z. Nur wenige haben den Hiphop in diesem Land so geprägt wie Jan Delay. Und er hat sich konsequent weiterentwickelt, von Album zu Album. Fünf Solo-Platten. Vier Live-Alben. Und unzählige Shows, vom Jugendzentrum bis zu Rock am Ring.

Einen Rückblick präsentiert Jan Delay dem Publikum an diesem Abend an der Saar. Wie auf seinem jüngsten Album „Forever Jan (25 Jahre Jan Delay)“ gibt es auch live seine größten Hits – eine musikalische Einheit bei aller stilistischen Diversität. Jan Phillip Eißfeldt a.k.a. Jan Delay hat einen langen Marsch durch die Genres hinter sich: Zuerst Hiphop mit den Beginnern, dann mit der Sam Ragga Band im Rücken Reggae und Dance-Hall. Seit 1999 ist der Chefstyler mit der nasalen Stimme bei Funk und Pop angelangt. Seine verschiedenen musikalischen Konzepte haben bisher alle funktioniert, was nicht zuletzt an Delays schlauen Texten und seinen Entertainer-Qualitäten liegt.

Muntere Tanzparty

Auf seinen Alben und bei Konzerten tritt Delay seit 2006 gemeinsam mit der Funk-Band Disko No. 1 auf, die zu den besten Livebands Deutschlands gehört und mit der auch der Saarbrücker Gig zu einer munteren Tanzparty wird. Gemeinsam schöpfen sie aus mehreren Jahrzehnten Musikgeschichte und bringen Einflüsse aus Pop, Disco, Funk, Rock, Elektro, Ska, Reggae, Soul und Hiphop zusammen.

Jan Delay ist eine Ikone des deutschen Pop. Er hat ganze Generationen inspiriert, auf ihr Raverherz zu hören. Vor allem aber ist er immer Fan geblieben. Die Beats, der Bass: Da ist Delay in seinem Element. Er hat diese Leidenschaft stets sehr direkt in seine eigenen Projekte überführt, mit denen er seine originäre Form von Tanzmusik kreiert und sich selbst eine neue Karriere schenkt hat. Oder ob er all seine Einflüsse – den Rap und den Reggae, den Funk und den Soul, Udo Lindenberg und Dr. Dre – zusammenwarf und einfach drauflos vibete: Jan Delay hat neues Feuer entfacht, das auch auf das Saarbrücker Publikum übergesprungen ist.

Alles, was das Publikum erwartet

Er singt und lässt von seiner Band all das spielen, was die Konzertbesucher erwarten von „Wassermann“ bis „Disko“, von „Sie kann nicht tanzen“ bis „Oh Jonny“. Dazu „Irgendwie, irgendwo, irgendwann“ von Nena, das bei Jan Delay der Pop-Plattheit entrissen und charmant in ein Reggae-Kostüm gekleidet wird. Und immer wieder sind es die Anleihen bei anderen Künstlern, die Delay zuweilen unmerklich in seine Musik einbaut wie die 80er-Jahre-Nummer „Last Night a DJ saved my Life“ von Indeep.

Auf der Bühne waren an diesem Abend Hamburger unter sich: Mirko Alexander Bogojevi, besser bekannt unter seinem Künstlernamen Das Bo und mit der Band Fünf Sterne deluxe erfolgreich, legte kräftig vor – unter anderem mit seinem Hit „Türlich, Türlich“. Da Bogojevi auch über große Entertainerqualitäten verfügt, hätte die Show von Jan Delay und Disko No.1 nicht besser eingeleitet werden können als von dessen altem Wegbegleitern, der im Lied „Fresh“ auf gemeinsame Zeiten zurückblickt: „Samsemilia, Jan Delay, Styles Davis, Hamburg City Baby. Oh mein Gott, es ist ein erhabener Moment. Es ist Magie, es ist drüber. Ich sag’, wir waren mal Stars, Digger. Doch heute sind wir Superstars. Damals war der Lohn noch schlecht. Dafür gab es gutes Gras. Wir hingen im Basement ab. Jeden Tag und jede Nacht. Wer hätte je gedacht. Dass wir jemals solche Karriere machen.“

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