Zweibrücken
Frisch renoviertes Cinema Europa öffnet nach der Corona-Pause als eines der letzten Kinos im Land
Dass es so lange gedauert hat, hängt nicht an den Spendern mit Desinfizierungsmittel für die Besucher und auch nicht am Hygienekonzept. Das war ein Klacks. Aber seit Mai wird im Kino renoviert. „Die Zeit eines Lockdowns kommt hoffentlich nicht wieder, wir haben sie genutzt, um sämtliche Kinosäle, Böden und Foyer, neu zu machen. Das Haus ist über 20 Jahre alt, es war nötig zu renovieren“, sagte Annette Schwarz. Eröffnet wurde das Cinema Europa am 7. Januar 1999.
Nach Corona sind die Hygienestandards anders. Der Teppichböden zwischen den Reihen in den vier Kinosälen wurde herausgerissen und durch Vinylboden ersetzt, alle Sessel kamen raus. Es sah aus wie im Rohbau. „Teppich ist nicht mehr zeitgemäß, das kann man aus Hygienegründen nicht mehr machen“, erklärt Schwarz. Die neuen Böden sind walnussfarben, „wir wollten eine Art Wohnzimmercharakter herauszuholen“.
Die neuen, etwas breiteren Sessel in Kino eins und vier sind in der Farbe Bordeau gehalten, in Saal zwei und drei dunkelblau. Neu sind ein verlängerter Treppenaufgang bis in die Loge in Kino zwei, in Kino zwei und vier gibt es einen zusätzlichen Gang. All das führt dazu, dass es weniger Plätze gibt: 547 statt 668. Saal eins hat jetzt noch 212 Sessel (-24), Saal zwei 142 (-39), Saal drei 108 (-32) und Saal vier 85 (-26). Man wollte komplett auf Komfort setzen, so die Kinobesitzerin.
Beim Bauen gibt es immer Hindernisse, in Corona-Zeiten noch mehr, diese Erfahrung musste Annette Schwarz machen. Während die anderen Kinos in Deutschland spätestens am 1. Juli wieder öffneten, war das in Zweibrücken nicht möglich, weil die bestellten Sessel und Böden und anderen Teile nicht kamen. „Lieferschwierigkeiten an allen Ecken“, sagt Schwarz nur.
Wie viel die Renovierung gekostet hat, verrät sie nicht, aber sie lobt die Filmförderungsanstalt (FFA), die Umbau, Modernisierung und Hygienekonzepte der Kinos förderte. Wenn man weiß, dass allein ein Kinostuhl locker 300 bis 400 Euro kostet, ist klar, dass sich die Renovierung im sechsstelligen Bereich bewegt, die FFA zahlt maximal die Hälfte (höchstens 350.000 Euro), aber höchstens 30 Prozent als Zuschuss, den Rest als zinsloses Darlehen.
Doch Annette Schwarz, eine Kinofrau durch und durch (ihre Mutter betrieb das Autokino Ramstein), blickt nun erwartungsfroh in die Zukunft. Kann das Haus doch jetzt mit der von Science-Fiction-Fans schon lange herbeigesehnten Neuverfilmung von „Dune“ über die Machtspiele auf einem Wüstenplaneten eröffnen, ein Film mit großer Ausstattung und vielen Effekten, 155 Minuten lang, der allein schon vom Thema her eine große Leinwand braucht. Aber: „Wir müssen die Leute von der Couch holen“, wiederholt sie die große Aufgabe der Kinos nach dem Lockdown. Dazu kommt: „Uns geht es wie der Gastronomie, wir haben Personalprobleme, 50 Prozent der Leute sind weg, wir müssen ein neues Team aufbauen, es ist schon eine Herausforderung.“ Neue Mitarbeiter werden gesucht, „aber nur Geimpfte“, stellt die Chefin klar und lacht.
Für die Kinobesucher dagegen gilt – wie überall im Kultur- und Veranstaltungsbereich: Geimpft oder genesen oder getestet muss man sein (3G-Regel). Außerdem geht es nach der Schachbrettbelegung: Neben jeden Sitzplatz (oder nach zusammen gekauften Plätzen bei jeder Gruppe) muss ein Platz in jeder Richtung freibleiben. Die Karten muss man aber nicht online kaufen, man kann wie früher an die Kinokasse kommen. Das Plätzefreihalten übernimmt dann das Kartensystem automatisch. Man kann sich mit der Luca-App einloggen („die haben wir so programmiert, dass man automatisch ausgeloggt wird, wenn man wieder 100 Meter vom Kino entfernt ist“) oder Anwesenheitszettel ausfüllen.
Die Kartenpreise wurden leicht erhöht: erste Vorstellung am Tag 8,50 Euro (bis elf Jahre sieben Euro), zweite Vorstellung neun Euro (7,50 Euro, Hauptvorstellung zehn Euro, Loge elf Euro, „sonst sind wir familientauglich geblieben“, betont Schwarz.
„Wir denken, es ist für die Zukunft des Kinos wichtig, dass wir uns den Anforderungen stellen, ein Kino einfach nur auf- und zuschließen, funktioniert nicht nicht mehr.“ Trotz vieler Veränderungen sind ein paar vertraute Dinge geblieben: Kasse und Theke sind noch da, wo sie vorher waren, das Café auch. Nur eins fehlt noch: Heute kommen die Toilettentüren ...
Vorpremiere
- „Dune“, (Regie: Denis Villeneuve, mit Timothée Chalamet, Rebecca Ferguson, Charlotte Rampling), Mittwoch, 17 und 20 Uhr, Kino eins und zwei, Karten: 11,50 und 12,50 Euro (Loge).
- Ab Donnerstag wird in allen Säle gespielt, volles Programm mit neuen Filmen.