Kino Filmfestival Venedig: Die Filme der Hollywoodstars lassen aufhorchen
Bei der US-Gangsterkomödie „Wolfs“ von Jon Watts (42, er drehte die letzten drei Spider-Man-Filme) steht und fällt alles mit George Clooney und Brad Pitt. Die beiden werfen sich coole Dialoge und Blicke zu – und in einem der schönsten Momente zücken sie gleichzeitig ihre Brillen, weil sie sonst eine wichtige Adresse nicht lesen können. Die beiden spielen zwei Ausputzer, die Leichen beseitigen und Konkurrenten sind. Blöderweise werden sie beide zur selben Leiche in einem Hotel gerufen – und müssen miteinander auskommen, was bei zwei Herren mit enormem Ego allein schon komisch ist. Im weiteren Verlauf entdecken sie unerwartete Drogen, die sie ebenso loswerden müssen wie die Leiche, die irgendwann keine mehr ist, sondern ein junger Mann, der halbnackt durch New York läuft, verfolgt wird und schließlich von den beiden Ausputzern sogar protegiert wird.
Zwischen Kammerspiel und wilder Actionjagd ist alles drin in diesem Buddyfilm, der auch starke Nachtbilder hat – aber auch einen großen Schönheitsfehler: Die inzwischen ergrauten Superstars tragen Bärte, was sie noch älter wirken lässt, und bis sie endlich das zeigen, was ihr Charisma ausmacht, ihr unwiderstehliches Lächeln, muss man mehr als 100 Minuten warten. (Apple, TV, voraussichtlich ab 19. September im Kino).
Noch mal Amerika: Nicht heute, sondern in den 80ern: Weil dem jungen Neonazi Bob in Idaho die rechtsterroristische antisemitische Organisation Aryan Nations (Arische Nationen) nicht radikal genug ist, gründet er seine eigene Gruppe, „The Order“. Das sind zwar nur ein Dutzend Männer, aber die überfallen Banken, kaufen mit dem Geld ein, beginnen Leute umzubringen und haben der US-Regierung den Kampf angesagt. Hier ist Jude Law der Star, der FBI-Mann, der immer näher an Bob und seine Truppe herankommt, nachdem sie gerade einen jüdischen Radiomoderator getötet haben.
Was die Radikalität und Brutalität von Bob und anderer junger Männer angeht, liefert der Wettbewerbsfilm „The Order“ des Australiers Justin Kurzel (50) einen Schock nach dem anderen. Das Schlimme an diesem harten, spannenden Thriller ist, dass er leider sehr nah auch an der heutigen Realität in den USA ist, das gilt auch für zögerliche FBI-Agenten und die Parolen der Erstürmer des Capitols vom 6. Januar 2021. (Noch kein deutscher Kinostart).
Noch mal Amerika: Romy, der erfolgreichen Geschäftsführerin einer großen Firma, einer glückliche Familienfrau mit Mann und zwei Kindern, ist offenbar so langweilig, dass sie sich auf eine Affäre mit einem jungen Praktikanten einlässt, der sie mit seinen Blicken einfängt. Schlimmer noch: sie unterwirft sich anfangs zögerlich, dann gerne seinen sexuellen Wünschen. Der Wettbewerbsfilm „Babygirl“ ist über weite Strecken ein erotischer Thriller, allerdings ein eher müder, was nicht an Nicole Kidman liegt, die nackt (wenn es denn echt ist) immer noch top aussieht, aber in anderen Filmen des Genres wie Kubricks „Eyes Wide Shut“ einfach besser war, in einer überzeugenderen Story.
Erst als sie dahinterkommt, dass der Praktikant auch mit einer jungen aufstrebenden Angestellten ihrer Firma ins Bett geht, kommt ein bisschen Schwung – und Wut bei Romy auf. Doch das hilft nichts, wenn die Sache auffliegt, könnte sie ihren Job verlieren, zumal die andere Frau auch auf sie zugeht und befördert werden will. Den Film hat eine Frau erdacht, die Holländerin Halina Reijn (48), das merkt zwar auch, weil alles aus weiblicher Perspektive erzählt wird, aber dass es inzwischen #MeToo gab, sieht man erst an dem nicht ganz unerwarteten Ende. (Kinostart: 16. Januar 2025)