Zweibrücken Ehrgeiz in Sport und Politik

Watson. Nicht gerade der typisch pfälzische Name. Die Landtagskandidatin der FDP hat unverkennbar amerikanische Wurzeln, väterlicherseits zumindest. Auf die deutsche Mutter deutet ihr Vorname hin. Erika. Erika Montgomery Watson hatte eine bewegte Kindheit und nicht minder bewegte Jugendjahre, die schon früh eine gewisse Selbstständigkeit in ihr reifen ließen.
Geboren in Panama City – nein, nicht die Hauptstadt von Panama, sondern im US-Staat Florida gelegen –, ist die heute 39-Jährige in ihrer ersten Lebenshälfte über zwanzigmal umgezogen, wie sie erzählt. Aufgewachsen ist sie auf zwei Kontinenten – Amerika und Europa. Als Zivilangestellter beim US-Militär wechselten der Vater und ihre Mutter regelmäßig die Standorte – und Erika Watson mit. „Ich war als Schülerin auf sieben verschiedenen Schulen in Deutschland und den USA. Das hat meinen Werdegang als Lehrerin geprägt“, sagt sie. 1996 machte Erika Watson ihr Abitur am Zweibrücker Helmholtz-Gymnasium, das sie zwei Jahre besuchte. „Nach dem Abi wollte ich Tierärztin werden. Den Medizintest – da hatte ich mich mit Fieber hingeschleppt – habe ich aber verhauen.“ Sie machte dann ihr Hobby zum Beruf und begann in Niedersachsen, in Verden an der Aller, eine Pferdewirtausbildung, die sie 1998 in Kaiserslautern abschloss. Im Pferdesport hat Erika Watson einige Erfolge aufzuweisen. „Ich war mehrfache Saarlandmeisterin im Vielseitigkeitsreiten – im Einzel wie im Mannschaftssport – und auch Meisterin im US-Staat Washington.“ Dort wohnte sie eine Weile im Großraum Seattle und genoss den amerikanischen Freiheitsgedanken, das europäische Flair und die Kultur. Sie besitze sportlichen Ehrgeiz, habe den grünen Gürtel im Judo, aber sie verstehe Politik im Gegensatz zu einem Mitbewerber ums Landtagsmandat nicht als Kampfsport, sagt Erika Watson. Es gebe durchaus Parallelen zwischen Politik und Sport. „Man muss sich auf Partner verlassen können, man braucht Ehrgeiz, um voranzukommen, sich durchzusetzen und seine Ideen zu verwirklichen. Aber man muss auch Niederlagen einstecken können und danach wieder aufstehen.“ 1997 wurde sie im Zweibrücker Land sesshaft, lebte mit ihrem damaligen Lebenspartner, mit dem sie eine Tochter und einen Sohn hat, bis 2014 auf dem Dennoch-Hof in Hornbach („Ich habe da Traktor fahren gelernt, und wir hatten eine Schweinezucht“). 2014 kaufte sie nach der Trennung ein altes Bauernhaus in Hengstbach. Erika Watson hat in Saarbrücken und Landau Anglistik und Kunst fürs Lehramt studiert – „Die Leidenschaft zur Malerei und das Talent habe ich von meiner amerikanischen Oma“ – und unterrichtet nach fünf Jahren in Gersheim seit 2010 an der IGS in Contwig. Sie versuche immer, das Beste anzubieten, damit Schüler sich verbessern können, sagt Watson. Sie gebe ihnen mit auf den Weg, dass es lohnt, sich Ziele zu setzen. „Man darf sich da auch nicht zu schade sein für etwas, wenn man seine Ziele erreichen will. Ich habe schon Ställe ausgemistet, Spargel und Erdbeeren verkauft, aber auch in der Fasanerie und im Klosterhotel bedient.“ Zur Politik kam Erika Watson über den Vater ihres langjährigen Lebenspartners. Und der Hornbacher Bürgermeister Reiner Hohn habe sie gefördert. Beim FDP-Wahlprogramm hat sie ihren Beitrag im Bereich Bildung geleistet. Ihr Ziel sei die Chancengerechtigkeit. Wider den Akademisierungswahn – der Handwerksmeister sei genauso viel wert wie ein Master. Jeder solle seine Talente frei entfalten können.