Zweibrücken RHEINPFALZ Plus Artikel Dorndorf-Gewerbepark ist Geschichte

Immer noch werden Räume angepriesen, obwohl ab Januar Schluss ist mit dem Dorndorf-Gewerbepark.
Immer noch werden Räume angepriesen, obwohl ab Januar Schluss ist mit dem Dorndorf-Gewerbepark.

Zum 31. Dezember ist Schluss, danach wird es keinen Dorndorf-Gewerbepark mehr geben. Die letzten Mieter sind am Ausziehen. Was dann mit der ehemaligen Schuhfabrik passiert, steht in den Sternen. Wird sie einfach vergammeln?

Der Dorndorf-Gebäudekomplex in Niederauerbach gehört der Firma Rieker Immobilien, die in Tuttlingen ihren Sitz hat. „Ja, bis Jahresende sollen alle Mieter draußen sein“, bestätigt Stefan Sinzinger von Rieker Immobilien auf Anfrage. Zu den Gründen und eventuellen Plänen für eine anschließende Nutzung der Gebäude und des Geländes gibt er keine Auskunft. „Dazu äußern wir uns derzeit nicht.“

Auch die Stadt tappt im Dunkeln. „Nach unserer Kenntnis hat Rieker Immobilien bisher nicht die Absicht, den Dorndorf-Gewerbepark weiter zu vermieten oder zu verkaufen“, sagt Stadtsprecher Jens John auf Anfrage. Bekannt sei nur, dass der Gewerbepark zum Jahresende komplett leer sein soll. Aktuell gebe es dort nur noch wenige Mieter, die meisten seien schon umgezogen. John: „Die Stadt würde es begrüßen, wenn der Dorndorf-Gewerbepark wieder einer Nutzung zugeführt würde.“ Denn in Zweibrücken gebe es einen großen Bedarf an Gewerbeflächen aller Art.

Nach unseren Informationen hat die Entscheidung von Rieker, den Gewerbepark aufzugeben, mit Streitigkeiten mit der Stadt zu tun, bei denen es unter anderem um Brandschutzauflagen geht, die das Unternehmen so nicht umsetzen will. Auch erlaubt die Stadt offenbar das Vermieten eines Wohnhauses nicht, das auf dem Gelände und somit auf einer gewerblich genutzten Fläche steht. Nun soll die frühere Schuhfabrik stillgelegt werden, aber nicht abgerissen – zu teuer, heißt es hinter vorgehaltener Hand.

Mieter vor den Kopf gestoßen

„Mir hat Rieker im Frühjahr gekündigt, danach habe ich nichts mehr von denen gehört. Mein letzter Stand war, dass am 31. Dezember alles abgeschlossen wird und es danach nur noch Sicherungsmaßnahmen in den leeren Gebäuden gibt. Das weiß ich aber nur vom Hörensagen“, erklärt der jahrelange Mieter Urban Evin, der im Gewerbepark Bürostühle vermarktet. Und: „Wir alle hier waren überrascht und vor den Kopf gestoßen von den plötzlichen Kündigungen.“ Inzwischen habe er neue Räume gefunden, so Evin.

Ein weiterer Betroffener ist Markus Semar von der Firma Semtron, der viele Jahre 1200 Quadratmeter im Dorndorf-Gewerbepark gemietet hatte. Auch er äußerte Unmut über seinen Noch-Vermieter, der ihm im März ohne jegliche weitere Informationen gekündigt habe. „Für mich ist der Umzug ein Riesending, ich war der größte Mieter hier, und muss nun gucken, dass ich bis Jahresende alles rausbringe, was zu meiner Firma gehört“, sagt Semar. Der Geschäftsmann hat die gegenüberliegende Tennishalle gekauft und baut diese nach eigenen Worten derzeit um.

Semtron zieht in die Tennishalle gegenüber

Semar wäre lieber im Dorndorf geblieben, wie er sagt, habe auch angeboten, Teile der alten Schuhfabrik zu kaufen, unter anderem den Parkplatz vor der früheren Diskothek, der auch Rieker gehöre. „Darauf ist aber keiner eingegangen“, so Semar. Die Tennishalle habe nicht Rieker gehört, sie habe er kaufen können. Das Vorgehen von Rieker Immobilien könne er nicht nachvollziehen. Kurz vor den Kündigungen habe Rieker noch mal richtig Geld in die Hand genommen, um alles picobello herzurichten. „Und dann so was“, kann Semar nur den Kopf schütteln.

An Interessenten habe es nie gemangelt, so Semar. Nach dem Abriss der alten Parkbrauerei etwa seien viele Bandproben- und Lagerräume gesucht worden. Semar: „Auf diese Anfragen kam Rieker aber auch nie zurück.“

Einst als Vorzeigeprojekt gefeiert

Alles in allem wurde der Dorndorf-Gewerbepark keine 20 Jahre alt. Dabei galt er lange als Vorzeigeprojekt. Nachdem Dorndorf die Schuhproduktion in Niederauerbach eingestellt hatte, verkündete Rieker Immobilien Ende 2004, das fünfgeschossige Gebäude mit den rund 20.000 Quadratmeter Nutzfläche als Gewerbepark zu vermarkten. Dafür wollte sie rund eine Million Euro investieren. 2005 ging das Projekt an den Start, drei Jahre später berichtete die RHEINPFALZ, dass der Gewerbepark stetig wachse, es dort 45 Gewerbetreibende gebe und knapp 300 Arbeitsplätze.

Neben ein paar dauerhaften Mietern zogen im Lauf der Jahre auch viele Gewerbetreibende ein und wieder aus, darunter ein Musikcafé, eine Kunstschule, ein Tattooladen, ein Nagelstudio, Heilpraktiker, eine Praxis für chinesische Massage und ein Wollhandel, um nur einige zu nennen. Ein Kunsthandwerker hatte dort anfangs sein Atelier, er zog später um in die alte Parkbrauerei, die er dann auch wieder verlassen musste, als diese abgerissen wurde. „Es wird einem mit Kleingewerbe wirklich nicht leicht gemacht hier in Zweibrücken“, kommentierte ein weiterer von den aktuellen Kündigungen im Dorndorfgebäude betroffener Mieter.

Das Musikcafé Maxx ist schon vor langer Zeit ausgezogen.
Das Musikcafé Maxx ist schon vor langer Zeit ausgezogen.
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