Zweibrücken Die unbändige Energie

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Einige der metergroßen Gemälde, die der Stilrichtung des Informel zuzurechnen sind, hängen in der Dauerausstellung der Modernen Galerie des Saarlandmuseums. Manche sind dazu zu umfangreich, wie der 15-teilige „Ätna-Zyklus“ von Gerhard Hoehme (1920-1989), ein Klassiker dieser Richtung. Zuletzt war er 2001 zu sehen, nun hat das Museum den großen Wechselpavillon ausgeräumt, um das monumentale Werk wieder einmal zu zeigen.

Die runde Platte, die in der Mitte des Raumes auf dem Boden liegt, hat einen Durchmesser von zweieinhalb Meter. Sie ist groß und grau, es könnte eine Krateröffnung des Vulkans sein, nachdem die Lava abgezogen ist und alles wieder harmlos aussieht. Ein paar kleine Steinchen liegen noch da – und seltsame Schnüre. Um dieses Werk herum sind an den vier Wänden des weiten Raumes die Gemälde aufgehängt: 14 Stück, auch dort staunt man über die seltsamen PVC-Schnüre in verschiedenen Farben. Die Schnüre sind das Pfälzische an Hoehmes Werk. Denn der 1920 in Greppin bei Bitterfeld geborene Künstler brachte sie eigenhändig in den Werkshallen der BASF in Form und färbte sie dort auch so ein, wie er es wollte. Die Schnüre sind eine Metapher. Sie erinnern an den Faden der Ariadne, an den Lebensfaden, an ein Kabel, das Energie leitet und zur Kommunikation beiträgt. Deshalb gibt es seit Ende der 60er Jahre Schnüre als reliefartige Bestandteile in seinen Gemälden und Objekten. Schnüre – allerdings weitaus dickere, als man jetzt im Saarlandmuseum sieht – hatte Hoehme auch gespannt, als er 1980 bis 1984 mehrfach am Ätna in Sizilien war und ihn quasi in einzelne Felder zerteilt, so wie er später auf jedem seiner 14 Bilder einen Ausschnitt des Vulkans zeigt. Das Faszinierende am „Ätna-Zyklus“, der 1984 fertig wurde und den die Moderne Galerie 1986 kaufte, ist die unbändige Energie, die aus den Gemälden spricht. Dick und plastisch sind die Farben aufgetragen, man glaubt, beim Vulkanausbruch dabei zu sein. Steine im Lava-Regen wirken wie kleine braune Schatten im Schnee. Manchmal fällt dichter brauner Regen, manchmal arbeiten sich gelb-züngige Schlieren auf weißem Grund vor. Egal, was er malt: Explosiv und dynamisch sind alle Arbeiten. Die Schnüre sieht man meistens erst, wenn man dicht am Bild steht: Auf dem einen Bild scheinen vier schwarze Schnüre notdürftig einen Riss zu nähen. Die gelbe Schnur, die über einem anderen Bild hängt, geht runter bis zum Boden, wo ihre Reste aufgerollt liegen – wie eine Rettungsleine, die man beim Bergsteigen benutzt. An einem anderen Bild bildet die Schnur einen Knoten und verweist auch aus dem Bild heraus auf den Boden, wo sie an einem Gegenstand festgemacht ist. All das macht aus dem auf den ersten Blick unscheinbaren „Ätna-Zyklus“ eine ungemein spannende Kunst-Erfahrung.

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