Zweibrücken „Die Parrer hann all ke Name und Vorname gehadd“

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„Wieso duu ich dann die Fraa ned selwer kenne? Die war in de anner Klass, die had ma ned so gesien!“ Der frühere OLG-Präsident Walter Dury, der als Einheimischer in Zweibrücken doch bestens vernetzt ist, spricht, als es um Bärbel Philippi und ihr Buch „Trimmerkinner“ geht, die Vergangenheit an: „Die anner Klass!“ Das waren für Protestanten die katholischen Schüler, und „die Anderen“ gab es deshalb auch um-gekehrt. Als vor einiger Zeit an dieser Stelle der Name des überaus beliebten Kaplan Urich nicht korrekt geschrieben war, blieb es dem RHEINPFALZ-Leser Heinz Burkhardt, der als Jugendfreund und katholischer Pfadfinder natürlich genau Bescheid wusste, vorbehalten zu sagen: „Eijo, du bischd jo aa vun de anner Fakuldäd, du haschd denne Kaplan jo ned gekennd!“ Genau so war es: Als Protestant wusste man, mit welch großer Begeisterung „die annere“ zur Freizeit nach Schönau fuhren, und immer wieder wurde auf das gute Wirken von Johannes Urich hingewiesen. Umso größer die eigene Freude, als man Jahrzehnte später, als der ehemalige Generalstaatsanwalt Heinrich Gauf seine Erinnerungen vorstellte, diesen beliebten Kir-chenmann selbst kennen lernte. Wobei es den Protestanten schon etwas verwunderte, dass Urich, längst zum Speyerer Domkapitular ernannt, von seinen Buben aus der Schönauer Zeit, noch stets als „Herr Kaplan“ angesprochen wurde. Eine Auszeichnung, die ihm persönlich sehr gefiel. Pfarrer hatten ohnehin keine Namen. Wem zu Hause, nach dem Konfirmandenunterricht in der Johann-Schwebel-Kirche rausrutschte: „De Owwerlinger had gesaad…“, der hatte Glück, wenn er nicht handgreiflich korrigiert wurde: „Fa dich immer noch de Herr Dekan!“ Da er doch Heinrich Oberlinger hieß. Und die anderen Stadt-Geistlichen, Theo Kabs (erst jüngst wurde an sein segensreiches Wirken für die Alkoholkranken erinnert), Eduard Hunsicker und Jakob Kissinger, sie hießen eben „Herr Parrer“. Da man „bei de Annere“ nur einmal die Baracke an der zerstörten Heilig-Kreuz-Kirche – bei einem Krippenspiel mit der Schulklasse – betreten hatte, kannte man lange Zeit nur „denne uffem Fahrrad“: Ernst Starck. Ebenfalls später Domkapitular, fuhr er mit wehender Soutane (odder hadd dess annerschder gehees, Heinz?) und Karacho zu seinen Terminen. Natürlich freuten sich „die annere un die annere“, als die Konfessionen in der Stadt mehr und mehr aufeinander zugingen. Dekan Martin Lugenbiehl von der Alexanderskirche und sein Kollege Hans Frey von Heilig-Kreuz erklärten beim zehnjährigen Bestehen des ökumenischen Arbeitskreises: „Mir hann uns nix meh ze saan, mir sinn uns nur noch eenich!“ Der Diskussionsstoff früherer Tage war ihnen ausgegangen. Inzwischen gehört es zum Normalen, mal bei „denne in die Kerch ze gehn“ und mal bei den Anderen ein Kirchenkonzert zu besuchen. Als die über achtzigjährige Schwester von einem Veranstaltungsbesuch „in der scheene Kerch unne“ berichtete – „zum erschde Mol in meim Lewe war ich in de kadolisch Kerch“ –, gab es neben der Freude darüber auch ein Bedauern, dass dies in früheren Jahren nicht so selbstverständlich gewesen war. Wie eben heute. Wenn das künftig weiterhin klappt, dann darf auch ruhig mal der Name wegbleiben. Vielleicht sogar das Herr, wenn man anderen berichtet, was „denne ihr Parrer zu de Leid“ in der Kirche gesagt hat …

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