Niederauerbach Die Niederauerbacher sind stolz auf ihr Dorf

Vor 60 Jahren entstand das Wohngebiet Sechsmorgen an der John-F.-Kennedy-Straße, die hier hinter der Dorndorf-Fabrik im Vordergr
Vor 60 Jahren entstand das Wohngebiet Sechsmorgen an der John-F.-Kennedy-Straße, die hier hinter der Dorndorf-Fabrik im Vordergrund zu sehen ist.

„Glei, wannse aus Zweebrigge erauskomme, de erschde Ord, dess is Auerbach!“ Das sagte eine betagte Auerbacherin zu ihrem Tischnachbarn im damals neuen Altenheim der Arbeiterwohlfahrt. Wo „dieses Auerbach“ denn liege, von dem sie stets erzähle, hatte er sie gerade gefragt. Eine solche präzise Ortsangabe hatte auch der zuhörende Besucher noch nicht gehört. Aber es stimmt: Der Stadtteil Niederauerbach gehört zwar seit Jahrzehnten zu Zweibrücken, doch auf „ihr Dorf“ sind die Auerbacher bis heute stets stolz geblieben.

Als die Stadtbusse noch Anhänger hatten

Darauf weist auch der aktuelle Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Niederauerbacher Vereine, Thorsten Gries, anlässlich der Kerwe hin. Er erinnert daran, dass der Ort seit stolzen 1050 Jahren besteht. Ihm ist es ganz wichtig, das Engagement der „einheimischen“ Betriebe, der großen, wie Dorndorf und Ziegelei Weppler, auch das der Handwerksbetriebe, und deren Mitarbeiter anlässlich eines solchen Jubiläums zu würdigen. Auch wenn in der Vergangenheit die Auerbacher von manchen belächelt wurden, wenn von „unserer Fabrik“ die Rede war – so muss man doch anerkennen, dass es schon großartig war, wie in der Schuhfabrik Dorndorf Arbeitsplätze geschaffen wurden. Die Busse der Stadtwerke fuhren damals noch mit Anhänger, wenn sie die Stepperinnen frühmorgens zur Arbeit brachten, und der Weg vom Bahnhof Tschifflick zur Fabrik war vor Arbeitsbeginn und nach Feierabend voller Dorndorf-Mitarbeiter. Natürlich profitierte auch „die Stadt“ von diesem Wirken – aber die Auerbacher waren eben, zu Recht, besonders stolz darauf.

Wenn von den Stadtbussen die Rede ist: Dazu hat beispielsweise Ratsmitglied Rudolf Leonhardt in den Anfangsphasen Großartiges geleistet und frühzeitig Weichen gestellt. Ein gewichtiges Wort hatte auch jahrelang der Dorndorf-Betriebsratsvorsitzende Willi Bier, mitzureden, der im oft im geschätzten Naturfreundehaus für viele ein Ansprechpartner mit offenem Ohr war. Sein Rat wurde ebenso geschätzt wie das der Firmenchefs von Schuhfabrik und Ziegelei, Walter Pauli und Engelhard Weppler. Natürlich war man auch auf die Gießerei Buchholz stolz und auf Schreinereien und Installateure im Ort, auf Bäckereien und Metzgereien. Man freute sich, recht bald moderne Filialen der einheimischen Geldinstitute zu haben und hatte so ein recht reges Dorfleben.

Der Wunsch: Das Dorfleben erhalten

Auch nach Feierabend: Musikverein und Volkschor (die Namen Edmund Hoffmann und Gerd Gries waren fest im Sängerleben der ganzen Stadt etabliert) haben nach wie vor engagierte Mitglieder. Auch wenn es in den gegenwärtigen Zeiten schwer ist, Kontakte zu pflegen – noch immer bekommt das langjährige Mitglied des Obst- und Gartenbau-Vereins Niederauerbach zu seinem Geburtstag eine Glückwunschkarte, wie auch bei den anderen Vereinigungen. So wird bestätigt, dass der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft, Thorsten Gries, das dörfliche Leben aller würdigt und darum bittet, es auch erhalten zu wollen.

Natürlich ist die Niederauerbach-Kaserne deutschlandweit ein Begriff. Dazu zählt auch das Miteinander von Soldaten und Auerbachern, durch die Installation von Patenkompanien. Die frühere Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft, Marianne Sutter, hat hier manches Beispiel auch für andere Gemeinden gegeben. Dass es immer wieder Treffen früherer Soldaten in der ehemaligen Garnisonsstadt gibt, unterstreicht ihre Arbeit und die ihrer Helfer. „Die is aus Auerbach!“, so freute man sich über die internationalen Engagements der Sängerin Lotte Lehmann und war einmal mehr stolz aufs eigene Dorf. Stolz war man auch auf Jakob Hoffmann [nicht Gustav, wie in einer früheren Version des Artikels stand] und sein Scala-Kino in der Zweibrücker Innenstadt, immer waren Erfolge anderer auch ein Erfolg für die Gemeinschaft. Es gab viele Anlässe, stolz zu sein.

Wichtige Aufbauarbeit geleistet

Die Liste der Auerbacher, die im Vereinsleben wirkten, ist lang: Spontane Namen wie Albert, Hartmut und Karl Sutter, die vielfach im Ort „vernetzt“ waren, Erich Ackermann und Richard Denger vom Sportverein, der unvergessene Engelbert Lahm – und kann man an Karl Glahn vorbeigehen? Nein! Als „Worschdprofessor“ von manchen belächelt, hat er als erster Verbandsbürgermeister und leidenschaftlicher politischer Mensch für das neue Gebiet Zweibrücken-Land wichtige Aufbauarbeit geleistet. Und einmal mehr bewiesen, wie einsatzfreudig Auerbacher, ob am Arbeitsplatz im Betrieb oder auf politischer Ebene, doch sein können.

Da wäre noch eine ganze Reihe von Namen zu nennen, die es verdient haben, dass man an sie erinnert. Auf diesem Weg gilt es nun weiter zu gehen, wenn Thorsten Gries wünscht, dass die Dorfgemeinschaft auch weiterhin Helfer braucht, die sich „einbringen, damit sich auch künftig alle in unserem Heimatdorf wohlfühlen können“.

Info

Niederauerbach feiert von Samstag bis Dienstag Kerwe und 1050-Jahr-Jubiläum. Die Vereine und die Stadt laden für Samstag, 19 Uhr, zum Kerweumzug mit anschließender Kerwerede an der Alten Brauerei Grund ein. Den Umzug begleitet der Fanfarenzug Batterie Fanfare de Schweyen aus Frankreich. Ab 20 Uhr spielt die Band Short Way im Festzelt auf dem Kissel. Der Sonntag beginnt um 10 Uhr mit einem Zeltgottesdienst, bevor es ab 11 Uhr einen musikalischen Frühschoppen gibt. Um 14 Uhr lädt die Arbeitsgemeinschaft Niederauerbacher Vereine zur Jubiläumsfeier 1050 Jahre Niederauerbach ein. Im Anschluss unterhält der Musikverein Niederauerbach. Ab 19.30 Uhr übernimmt die Coles Brothers Band. De Auerbacher Bernd tritt am Montag um 11 Uhr beim Frühschoppen auf. Ab 19 Uhr spielt Stood In. In der Alten Brauerei Grund gibt es am Montag Leberknödel, am Dienstag Heringe.

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