Zweibrücken Die Nachfahren des Kaltschmieds

Aus Tengler wurde Dängler und schließlich Dingler. Zur Familie gehörten Ritter und Gelehrte – und ein Maschinenbauer, der es zu
Aus Tengler wurde Dängler und schließlich Dingler. Zur Familie gehörten Ritter und Gelehrte – und ein Maschinenbauer, der es zu Weltruhm brachte. Nach Christian Nikolaus Dingler ist die Dinglerstraße benannt.

Bevor der Name Dingler im 19. Jahrhundert im Maschinenbau Weltruhm erlangte, hatte er bereits in seiner Verschriftlichung einen weiten Weg beschritten. Die Familie Dingler stammt nachweislich aus dem Ort Dachtl bei Calw. Dort lebte 1568 der Kaltschmied und Urvater der Familie, Hanns Tengler. Der Berufsstand des Kaltschmieds wurde Tengler genannt.

Im Laufe der Zeit wurde aus dem Familiennamen Tengler der Name Dängler und schließlich Dingler. Unter welchem Namen und wann genau die Nachfahren des Kaltschmieds aus Dachtl nach Zweibrücken kamen, ist nicht belegt. Ein Nachfolger der Familie Tengler ist der 1802 in Zweibrücken geborene Mechanikus Christian Nikolaus Dingler, der 1827 in Zweibrücken ein Unternehmen gründet, das in kurzer Zeit in ganz Europa in Fachkreisen einen hohen Bekanntheitsgrad erreichte. Auf den Weltausstellungen 1869 in Paris und 1973 in Wien erhielt das Unternehmen höchste Auszeichnungen. Neben der Produktion von Öl- und Schneidemühlen stellte das Unternehmen Buchdruckpressen her. Die Kniehebelpresse, die in der Geschichte der Buchdruckkunst als „Dinglerpresse“ Geschichte geschrieben hat, kann heute im Deutschen Museum in München bestaunt werden. Mit der „Dinglerpresse“ begann der Aufstieg des Unternehmens zu einem bedeutenden Maschinenbauer in Europa. Die Produktpalette wurde unter dem Firmengründer, der 1858 in Zweibrücken starb, ständig erweitert und die Stückzahlen der ausgelieferten Maschinen vergrößert. Bis zum Jahre 1899 lieferte das Werk, das 1897 in eine Aktiengesellschaft umgewandelt worden war, über 4400 Dampfmaschinen aus. Im Jahre 1909 wurde das Werk vergrößert und für den Bau von Großmaschinen ausgerüstet. Gebaut wurden danach unter anderem 50 Hochöfen und 90 Gasreinigungsanlagen. Mit einem Stahlwerk wurde der Standort Zweibrücken, an dem während des Ersten Weltkriegs Rüstungsgüter hergestellt wurden, 1916 erweitert. Nach der Erweiterung durch das Zweigwerk Bierbach wurde 1926 die Produktpalette um den Bereich Straßenbaumaschinen ausgebaut. Ab 1935 nimmt das Unternehmen infolge der nationalsozialistischen Wirtschaftsführung eine stetige Aufwärtsentwicklung. Die Werksanlage, in der zwischen 1939 und 1945 auch Rüstungsgüter hergestellt wurden, wurde 1945 durch Fliegerbomben stark beschädigt und danach wieder aufgebaut. 1950 wurde die Firma von der DEMAG übernommen. Danach folgten Übernahmen durch Mannesmann und Terex. Heute werden auf dem Werksgelände der ehemaligen Dinglerwerke Kräne produziert, unter anderem im Jahre 2009 der größte Mobilkran der Welt. An den Gründer des Unternehmens, das zweifellos zu den Pionieren der Industrialisierung Deutschlands gehörte, erinnert die Dinglerstraße zwischen Homburger Straße und Hofenfelsstraße. Der Zweibrücker Linie der Familie Dingler entstammen auch zwei Persönlichkeiten, die nicht im Maschinenbau tätig waren. Der 1803 in Zweibrücken geborene Johann Gottfried Dingler und dessen 1846 geborener Sohn Hermann Dingler. Der Vater war Jurist und wurde 1849 zum Appellationsgerichtsrat am Appellationsgericht in Zweibrücken ernannt, von 1863 bis 1874 war er Mitglied des bayrischen Landtags. Er erhielt den königlich-bayrischen Verdienstorden vom Heiligen Michael 1. Klasse und wurde zum Ritter geadelt. Sein Sohn Hermann wurde Mediziner und Botaniker. Als Arzt war er Bahn- und Militärarzt in türkischen Diensten in Bithynien, Acco und Adrianopel (heute Edirne). Danach lehrte er Botanik an der Forstlichen Hochschule in Aschaffenburg, deren Sammlungen er zu einem Museum ausbaute.

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