Zweibrücken RHEINPFALZ Plus Artikel Die nächste Hilfsfahrt soll direkt rein in die Ukraine führen

Barbara Aldorf mit Torsten Wolf (links) und Martin Schüler am vollbepackten Transporter kurz vor der Abfahrt in Zweibrücken.
Barbara Aldorf mit Torsten Wolf (links) und Martin Schüler am vollbepackten Transporter kurz vor der Abfahrt in Zweibrücken.

Barbara Aldorf war am 8. April für den Internationalen Bund (IB) nach Krakau aufgebrochen, um dort in einem Zentrum geflüchteten Ukrainern zu helfen. Eigentlich wollte sie uns ein Tagebuch schreiben. Doch es kam alles anders als geplant …

Ein wenig merkt man ihr die Strapazen der vergangenen Wochen noch an, an diesem Mainachmittag in ihrem Büro beim IB an der Rennwiese. Hier im Bildungszentrum ist Barbara Aldorf Pädagogische Mitarbeiterin und steckt schon wieder mitten in ihrer Arbeit: Sie hilft Menschen mit unterschiedlichsten Biografien, Fuß zu fassen in einem geregelten (Berufs-)Alltag. Zwischen eng getakteten Terminen nimmt sie sich etwas Zeit, vom Erlebten zu berichten.

Alles sei sehr gut organisiert gewesen vor Ort, wo eine polnische Stiftung des IB eine Anlaufstelle für Flüchtlinge eingerichtet hat. Dort werden in erster Linie Dinge des täglichen Bedarfs, aber auch Kleidung und andere Textilien ausgegeben. „Es war gut, dass wir gefahren sind. Und die Spenden sind auch wirklich richtig gut angekommen. Ich habe dort alles Mögliche gemacht, so wie all die anderen internationalen Helfer auch“, erzählt sie. Anpacken war angesagt: Da mussten die Warenregale immer wieder neu bestückt und sortiert, Lebensmittel wie Zucker oder Tee abgefüllt, den Geflüchteten Dinge gezeigt oder die Räumlichkeiten gereinigt werden.

Spenden rationiert

„Es war alles durchorganisiert“, berichtet sie. Der Andrang sei immens gewesen, oft hätten die Hilfesuchenden schon morgens in einer langen Schlange vor der Tür des knapp 100 Quadratmeter großen „Ladens“ gewartet. „Die Spenden müssen rationiert werden“, erzählt Barbara Aldorf, denn täglich seien rund 700 bis 1000 Menschen gekommen.

Sie hat beobachtet, dass im polnischen Krakau besonders viele Menschen unter den Geflüchteten waren, die ganz offensichtlich zuvor ein urbanes Leben in Wohlstand führten und die aufgrund dieser Voraussetzungen überhaupt die Chance hatten, bis nach Krakau zu gelangen. Etliche von ihnen, so berichtet Barbara Aldorf, die schon in vielen Krisenregionen war, seien sichtlich traumatisiert: „Manche Frauen starren einfach vor sich hin.“ Aber auch ganz arme Menschen seien ihr in dem Zentrum begegnet. Besonders bewegt hat sie eine alte Frau, die sie zum Dank umarmt hat, weil sie ihr drei Rollen Toilettenpapier gegeben hat. Die ganze Situation war so einnehmend, so fordernd, dass es undenkbar gewesen sei, Tagebuch zu schreiben. Ostern trat sie dann die Heimreise an: Krank und mit Fieber ging es 14 Stunden zurück nach Zweibrücken. „Ich dachte, es sei Corona“, so ihre erste Mutmaßung. Aber der Test war negativ und die Symptome stellten sich als Folgen einer Scharlach-Infektion heraus.

Mit dem Krankenwagen in die Ukraine

Die Menschen in Krakau haben ihre Hilfe gebraucht, doch die 50-Jährige hat einen ganz andere Mission vor Augen: Ende Mai/Anfang Juni wird sie zusammen mit Helfern aus Saarbrücken direkt in den Norden der Ukraine in die Stadt Kowel fahren – wenn es der Kriegsverlauf irgendwie zulässt. Der Ort sei ein Verkehrsknotenpunkt. Von dort aus wollen sie Verletzte und Kranke aus der nordukrainischen Stadt Kowel abholen und sie an die polnische Grenze zu bringen, von wo aus sie dann in Krankenhäuser geflogen werden können. „Der Regionalleiter Jörg Wünnenberg hat extra schon einen Krankenwagen für uns organisiert. Das ist im Augenblick gar nicht so einfach. Er konnte aber beim Roten Kreuz in Zweibrücken einen kaufen“, freut sie sich über die große Unterstützung durch ihren Arbeitgeber. Die Initiative für diese Rettungsfahrten geht auf den Saarbrücker Rechtsanwalt Alexander Solovyanchuk und dessen Bruder Bogdan zurück, die ukrainische Wurzeln haben und den gemeinnützigen Verein Help 4 Ukraine Saar gegründet haben.

Ob sie keine Angst habe, direkt ins Kriegsgebiet zu fahren? „Nein. Das kann man aber nur machen, wenn man mit Leuten unterwegs ist, die sich vor Ort auskennen.“ Welche Hilfe am dringendsten gebraucht wird: „Im Moment bräuchten wir neben Geldspenden vor allem ein großes Stromaggregat.“

Info

Der Verein ist unter www.help4ukraine-saar.de erreichbar.

„Fahr zur Hölle, Putin! “ Blick aus dem IB-Transporter auf dem Weg Richtung Krakau.
»Fahr zur Hölle, Putin! « Blick aus dem IB-Transporter auf dem Weg Richtung Krakau.
Angekommen: Zweibrücker Hilfsgüter im Krakauer „Laden“.
Angekommen: Zweibrücker Hilfsgüter im Krakauer »Laden«.
Unterwegs.
Unterwegs.
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