Zweibrücken
Die Gemeindeschwester plus kommt
Die Weichen für die Rückkehr der Gemeindeschwester sind laut Rathaussprecher Jens John nun gestellt. Anfang April hatte der Stadtrat auf Antrag der SPD-Fraktion einstimmig beschlossen, die Stadtverwaltung damit zu beauftragen, beim rheinland-pfälzischen Sozialministerium einen Antrag für die „Gemeindeschwester plus“ zu stellen. Jetzt, einen Monat später, wurde das Gesuch in Mainz positiv beschieden. In der Modellphase des Projekts 2015 hatte sich Zweibrücken schon einmal beworben, damals aber keinen Zuschlag erhalten.
Laut Ministerium kommt die heutige Gemeindeschwester zu Menschen über 80, die noch keinen Pflegebedarf haben, aber bei verschiedenen Alltagsaufgaben Hilfe benötigen oder nur mit jemandem sprechen möchten. Sie besucht die Senioren, wenn diese das wünschen, berät sie und vermittelt Unterstützungsangebote. Für die Senioren ist der Dienst kostenlos; finanziert wird das Projekt „Gemeindeschwester plus“ mit anderthalb Stellen vom Land sowie den Krankenkassen und Krankenkassenverbänden.
Diakonisse in der Kinderschule Niederauerbach
An Gemeindeschwestern – Diakonissen genannt – kann man sich im Ortsteil Niederauerbach noch sehr gut erinnern. Allerdings, so betonen die heute 90-jährige Marianne Sutter und Ingrid Kaiser, hatten diese damals ganz andere Aufgaben: Sie versorgten die Niederauerbacher in erster Linie medizinisch. „Sie haben das gemacht, was heute die Sozialstation macht“, weiß Marianne Sutter. „Die Gemeindeschwester durfte Spritzen geben, Verbände wechseln und anlegen, Salben auftragen. Oft im Auftrag von Doktor Maue, der bei uns im Dorf seine Praxis hatte“, erinnert sich Ingrid Kaiser an die Gemeindeschwester Anna. Doch nicht nur das: Eine moralische Institution sei sie gewesen, immer zu einer Ermahnung bereit, im Dorf bekannt und beliebt.
Eine weitere Diakonisse wirkte im Kindergarten. „Das hieß bei uns Kinderschule, und Gemeindeschwester Johanna war die Kinderschultante“, berichtet Marianne Sutter von ihrer Zeit im Kindergarten vor nahezu 90 Jahren. Heute nennt sich die Kinderschule in Niederauerbach Kindertagesstätte Vogelnest, sie befindet sich aber immer noch an derselben Stelle. Bei Ingrid Kaiser kümmerte sich 20 Jahre später Tante Paula um eine Heerschar von Kindern – und das ganztags, aber ohne Mittagessen, wie Kaiser erzählt: „Zum Mittagessen gingen wir nach Hause, kamen dann später wieder und verbrachten den Nachmittag im Kindergarten.“ Dass die Gemeindeschwestern vor Ort über dem Kindergarten wohnten, erlebten die beiden als positiv, weil dies für Bindung zu den Bürgern sorgte. Doch dann hätten sich die Schwestern verabschieden müssen und „niemand kam nach“, sagt Kaiser.