Zweibrücken
Der erste Zweibrücker Corona-Rap: In finsteren Zeiten ordentlich scheißen
Hol die Bibel aus dem Schrank,
jetzt ist das Ende der Welt.
Alle Läden machen dicht,
jeder ist auf sich gestellt.
Die Regale sind so leer
wie das Leben von Flair.
Und ich frag mich, wo bekomm ich
jetzt Toilettenpapier her?
Ja, es sind finstere Zeiten,
willst Du ordentlich scheißen.
Und Dich nicht nach jedem Stuhlgang
noch mal neu einkleiden.
So beginnt der Rap. Wie ist „Seuche“ eigentlich entstanden? „Nicky (Nicolas Perrault, Anmerkung der Redaktion) hat einen Teil des Textes geschrieben und in Google Drive geladen, wo wir Textideen sammeln. Ich hab’ das gelesen und dann direkt auch angefangen, zu schreiben“, erklärt Christian Angel. „Meine Strophe war ziemlich schnell fertig. Quasi in 20 Minuten. Am Montagabend haben wir uns zusammengesetzt und einen Beat gebaut. Wir haben um halb neun angefangen und um zwölf, glaube ich, war der Song fertig“, beschreibt Angel, wie schnell der Song umgesetzt wurde. Die erste Strophe ist von Angel, die zweite stammt von Perrault.
Wie es sich für einen klassischen Rap gehört, vereinen sich Gottesfurcht, Gossensprache und Sozialkritik innerhalb weniger Sekunden. Ist Angel eigentlich ein gottesfürchtiger Mensch? Vielleicht sogar durch die Corona-Pandemie?
„Ich bin selbst nicht gläubig. Ursprünglich hatte ich an der Stelle im Text was mit Armageddon stehen, habe mich aber dann für die Bibel entschieden. Das hat eigentlich überhaupt keine Beziehung zu Gott, sondern eher mit ,die Welt geht unter’. Überall ist Panik, jetzt hilft nur noch Gott“, antwortet er.
Auslöser: Die leeren Regale im Supermarkt
Woher stammen seine Textideen? „Wir waren beide unabhängig voneinander innerhalb einer Stunde im Edeka einkaufen. Da haben wir die leeren Regale gesehen, die wahrscheinlich jeder in den letzten Tagen gesehen hat. Wir haben uns einfach gedacht: ,Boah, die Leute sind so bescheuert.“. Das müssen wir jetzt ein bisschen aufs Korn nehmen.“
Wie fand das Duo zueinander? Nicolas Perrault ist Berufsmusiker und in zahlreichen Projekten und Bands eingebunden. Dazu gehört die Rap-Rock-Band A Million Tiny Suns von Jerome Kuhn. Dort spielt Perrault Bass.
„Nicolas wollte sich mehr in Rap versuchen. Er hat mich angesprochen, weil ich auch an Rap interessiert bin“, erzählt Angel. Die Beats, also die Musik, baut in der Regel Perrault. Die Texte schreibt und rappt das Duo gemeinsam.
„Das funktioniert gut. Nach einem Monat hatten wir drei oder vier Songs fertig. Die haben wir im November veröffentlicht. Unter dem Namen „The Hans Yolo Experience“, so Angel. Fünf weitere Songs wurde im Februar unter dem Titel „Showdown im Shaolean Tempel“ nachgeschoben.