Fussball
Das halten regionale Trainer davon: Fifa will am Kopf verletzte Spieler besser schützen
Im Fußball wird, gerade im Luftkampf bei Kopfbällen, oft mit harten Bandagen gekämpft. Da kommt schon mal der Ellenbogen zum Einsatz. Platzwunden, Gehirnerschütterungen oder unglückliche Stürze können die Folge sein. Ähnlich erging es Bundesliga-Spieler Christoph Kramer (Borussia Mönchengladbach) im Finale der Weltmeisterschaft 2014 gegen Argentinien, als er von der Schulter eines Gegenspielers mit voller Wucht am Kopf getroffen wurde. Völlig benommen spielte er noch Minuten weiter, bis er noch vor der Pause ausgewechselt wurde, wodurch Bundestrainer Jogi Löw früh im Spiel eine Wechseloption verloren ging.
Solche Szenarien gehören möglicherweise bald der Vergangenheit an. Bei der Klub-Weltmeisterschaft in Katar, bei der am Donnerstag im Finale der FC Bayern München gegen Tigres UANL aus Mexiko den Nachfolger des FC Liverpool sucht, ist zum Schutz der Spieler im Falle einer Kopfverletzung eine zusätzliche Auswechslung erlaubt. Demnach sind bei dem Turnier fünf normale Auswechslungen drin – plus eine weitere im Fall einer Kopfverletzung.
Monatelang beraten Experten
„Bei tatsächlichen oder vermuteten Gehirnerschütterungen kommt das Verfahren erstmals bei einem internationalen Wettbewerb zur Anwendung“, hieß es dazu im Vorfeld seitens des Dachverbandes.
Das für die Regeln im Weltfußball zuständige Gremium International Football Association Board (IFAB) hatte sich darauf verständigt, dass betroffene Spieler bei einer Gehirnerschütterung nicht mehr weiterspielen dürfen, ihr Team aber keinen numerischen Nachteil erleiden soll, falls alle Wechselmöglichkeiten ausgeschöpft sind. Die Testphase ist laut den Regelhütern das Ergebnis monatelanger Beratungen mit Medizinern, Teamärzten, Spielervertretern, Trainern, Organisatoren, Schiedsrichtern und Regel-Experten.
Ob die neue Regel überhaupt Anwendung finden wird, wird sich nach der Testphase erweisen. In einer ersten Variante soll bei Verdacht auf eine Gehirnerschütterung pro Mannschaft ein zusätzlicher Wechsel möglich sein, der nicht auf das ursprüngliche Kontingent angerechnet wird. Eine zweite Ausarbeitung sieht vor, das unter den genannten Umständen pro Mannschaft zwei zusätzliche Auswechslungen möglich sind. Jedes Mal bekommt dann auch das gegnerische Team eine weitere Wechselmöglichkeit. Das soll sportliche Nachteile ausgleichen und einen Regel-Missbrauch unattraktiver machen. „Diese Regelung, wenn beide wechseln dürfen, ist deutlich fairer“, findet Franz-Josef Kolb, Leiter Sport- und Spielbetrieb des Südwestdeutschen Fußball-Verbandes (SWFV).
SWFV erneut als Vorreiter für neue Regel?
Die Ligen sollen nun in einer Testphase die Regeländerung ausprobieren. Die Entscheidung für eine Auswechslung sollen nicht die Schiedsrichter treffen. Auch eine neutrale medizinische Person soll es nicht geben, da das so nicht für Profis und Amateure umsetzbar ist. Die Wechsel-Entscheidung soll laut IFAB vielmehr bei der jeweiligen Mannschaft liegen. „Wir haben schon zuletzt den Vorreiter gespielt. Dass ein Landesverband vier Auswechselspieler in einem Ligaspiel zulässt, das gibt es sonst nirgends“, sagt Kolb. „Wir hatten damals den Hintergedanken, dass es egal ist, ob ein Spiel im Pokalmodus ausgetragen wird, wo beim DFB ja vier Auswechselspieler möglich sind.“
Aber ist die jetzt angedachte Regelung auch bei den Amateurklubs anwendbar? Die Trainer der Region haben dazu unterschiedliche Meinungen. „Das ist sicher keine schlechte Regel. Manchmal meint man als Trainer, man müsste einen Spieler auf dem Feld lassen. Wenn man dann so eine Möglichkeit hat, wäre das wohl besser für alle“, sagt Christian Meier, Trainer des A-Klassisten TuS Maßweiler. „Aber wer soll eine Gehirnerschütterung im Amateurbereich denn beurteilen?“, gibt Meier zu bedenken. Er würde die Regelung gerne auf alle schweren Verletzungen ausgeweitet sehen, da sie sonst zu wacklig sei.
Geteiltes Echo bei regionalen Trainern
„Ich finde die Regel nicht gut. Ich halte auch nichts von noch mehr Auswechselspielern“, sagt dagegen Michael Müller, Teammanager des Landesligisten SG VB Zweibrücken/SV Ixheim, der die klassische Regelung bevorzugt. „Solche Verletzungen muss man mal in Kauf nehmen, auch wenn man in Unterzahl weiterspielen muss.“
Anders hingegen sieht es Max Blum, Trainer des SV Palatia Contwig. „Ich bin generell für mehr Wechsel. Die vier Wechsel sind gut, fünf wären noch besser“, unterstreicht Blum. Täuschungsversuchen könne durch eine generelle Regelausweitung ein Riegel vorgeschoben werden. „Da spielt auch der Fair-Play-Gedanke eine Rolle, man kann viel tricksen. Aber ein Beinbruch oder ein Kreuzbandriss wäre sicher ein Grund für einen weiteren Wechsel“, fügt Blum an. „Klar, so etwas könnte ausgenutzt werden“, glaubt auch Stambachs Jana Sefrin. Die Landesliga-Spielerin verweist darauf, dass der Schaden eines Teams nicht zum Vorteil des anderen werden sollte und plädiert daher für den weiteren Wechsel.