Pferdesport
Comeback von Top-Dressurpferd Sezuan im Zweibrücker Landgestüt
Bei dem Dunkelbraunen handelte es sich um Sezuan. Das 13-jährige dänische Warmblut wurde dreimal Weltmeister der jungen Dressurpferde: 2014, 2015 und 2016. Sezuan war das erste Pferd überhaupt, dem das gelang. Der Hengst gehört der Familie Kohl (Kohlpharma) und ist im Gestüt Peterhof in Perl-Borg bei Merzig zu Hause. Er avancierte zum gefragten Vererber. Viele seiner Nachkommen sind hoch erfolgreich im Sport. Sezuans Karriere als Turnierpferd endete am 23. September 2017 in Darmstadt-Kranichstein, als er mit seiner Ausbilderin Dorothee Schneider einen Prix St. Georges und eine Intermediaire I gewann. Seither wurde der Hengst auf keinem Turnierplatz mehr gesehen.
Bis zum Samstag. Fünf Jahre, zwei Monate und eine Kastration nach seinem letzten Start kam Sezuan durch das Tor. Auf der Tribüne saßen außergewöhnlich viele Zuschauer. Reiter und Züchter wollten sich den 13-Jährigen anschauen. Dass Sezuan über fünf Jahre von der Bildfläche verschwunden war, hat viele Kenner verwundert. Dass er 2020 kastriert wurde – kurz vorher war er in Dänemark noch als Hengst des Jahres ausgezeichnet worden –, war erst 2022 bekannt geworden.
Acht Minuten Mucksmäuschenstille in der Halle
Sascha Schulz, der Bereiter des Gestüts Peterhof, sattelte den Schwarzbraunen. Es wurde mucksmäuschenstill in der Reithalle. Die Präsenz des Pferdes, die Ausstrahlung und die Galoppade sind immer noch imponierend. Rund acht Minuten lang ruhten alle Augen auf dem Gespann, das sich durch die Aufgaben des Prix St. Georges tanzte. Nicht alles lief rund, aber besser als beim Rest der Konkurrenz. 70,7 Prozent aller Punkte bedeuteten den Sieg.
„Ich war auch ein bisschen nervös“, erzählte Sascha Schulz hinterher. „Dass ich so ein Pferd vorstellen darf, das so viele Reiter kennen, das ist schon etwas Besonderes“, sagte der 50-jährige Luxemburger. Die Leistung seines vierbeinigen Stars bewertete er mit „sehr gut“. Und ergänzte: „In der Abreitehalle war er noch besser als im Prüfungsviereck.“ Schulz ist beeindruckt vom Vermögen des Pferdes. „Das sind Wahnsinnsbewegungen, das war ein gewaltig positives Gefühl“, schwärmte er. Am Ende ließ Sezuan ein wenig nach. „Vielleicht habe ich beim Abreiten zu viel gemacht“, grübelte Schulz, der viel arbeiten musste: „Nach so einer langen Pause muss man erst erfühlen, wie viele Hilfen gibt man, ist das zu viel, ist das zu wenig.“
Schlichter Pausengrund: Besitzerin wollte Sezuan reiten
Ulrike Lautemann, Trainerin auf dem Gestüt Peterhof, erklärte im RHEINPFALZ-Gespräch die lange Pause: „Er ist nicht aufgetreten, weil seine Besitzerin ihn geritten hat. Sie wollte nicht, dass er mit einem Turnierreiter an den Wochenenden unterwegs ist.“ Dass Sezuan jetzt Wallach und nicht mehr Hengst ist, habe dem Pferd gutgetan. „Er hatte sich immer abgeschafft, sah im Frühjahr mager aus. Für das Pferd war das die richtige Entscheidung. Er hat jetzt nicht mehr den Auftrag, Hengst zu sein. Er ist runder und ruhiger geworden“, ergänzte Lautemann.
Im Schatten des Sezuan-Comebacks stand eine andere tolle Leistung. Die 31-jährige Kim Pfeiffer vom Wiesbadener RFC gewann mit ihrem zwölfjährigen Hengst Ferdinand die beiden Drei-Sterne-Prüfungen. „Am Samstag war es ein kleines bisschen harmonischer, am Sonntag im Kurz-Grand-Prix hatte er mehr Ausdruck. Klar geht es noch besser, aber das macht er schon super“, zeigte sie sich zufrieden mit ihrem Abschneiden. In Zweibrücken ist sie gerne, „für die Pferde ist es hier schön zu reiten“. Und aus einem weiteren Grund hat es ihr besonders gut gefallen: Am Sonntag erhielt sie als Ehrenpreis eine Perlenkette eines Zweibrücker Juweliers.