Inklusiver Sport RHEINPFALZ Plus Artikel Bottenbacherin Sabrina Brestel arbeitet gerne als Kontaktknüpfer und Ratgeber

Sabrina Brestel ist aus Bottenbach Inklusionslotsin für die Südwestpfalz.
Sabrina Brestel ist aus Bottenbach Inklusionslotsin für die Südwestpfalz.

Bei den Paralympics in Paris kämpften rund 4400 Sportler mit Beeinträchtigungen um Medaillen. Wenn solche Menschen in der Südwestpfalz einen Sportverein suchen, helfen ihnen zwei Inklusionslotsinnen.

Die 37-jährige Sabrina Brestel ist mit Leib und Seele Inklusionslotsin. Seit dem 1. März 2023 geht die Bottenbacherin der Aufgabe in Form eines Minijobs mit 37 Stunden im Monat nach. „Die beiden Männer, die das vorher gemacht haben, haben aufgehört. Da habe ich mich beworben“, erzählt die Mutter von zwei Töchtern (sechs und drei Jahre alt). Seitdem ist sie als Inklusionslotsin viele Kilometer im Auto unterwegs, „aber das macht mir nichts aus, es macht ja viel Spaß“. Dennoch war sie froh, als für die große Region Süd- und Südwestpfalz, die von Zweibrücken über Pirmasens bis Landau reicht, die 20-jährige Lea Brusius am 1. August als Partnerin dazustieß. Die junge Frau aus Veitsrodt im Landkreis Birkenfeld studiert in Landau Sonderpädagogik und Sport. „Wir haben da extra jemand aus der Südpfalz gesucht, damit wir das mit der Zeit räumlich vielleicht besser unter uns aufteilen können“, sagt Sabrina Brestel dazu.

Oft im Duo unterwegs: die Inklusionslotsinnen Lea Brusius (links) und Sabrina Brestel.
Oft im Duo unterwegs: die Inklusionslotsinnen Lea Brusius (links) und Sabrina Brestel.

Berührungspunkte

Brestel, die im normalen Leben in Teilzeit in Pirmasens arbeitet, hatte schon früh Berührungspunkte zum Thema Inklusion. Viele Familienmitglieder arbeiten ebenfalls mit behinderten Menschen. Früher hat sie selbst in Waldfischbach Handball gespielt (ihre ältere Tochter spielt auch beim TV Thaleischweiler), inzwischen hat sie in Bottenbach die inklusive Tanzgruppe „Tanzperlen“ aus der Taufe gehoben. „Wir sind 22 Leute querbeet durch alle Altersklassen. Ein beeinträchtigtes Mädchen ist auch dabei. Wir machen Showtanz, Zumba, tanzen mit Leuchtstäben, Bändern oder Blacklight. Und üben immer montags eine Stunde und treten an der Fasnacht, beim Feuerwehrfest oder auch mal bei einem Firmenjubiläum auf“, erzählt Brestel. Und erst kürzlich gab es ganz neue Kostüme für die Truppe.

Milana Schedler (18, links) ist selbst gehandicapt. Sie macht bei der DLRG Contwig eine Ausbildung zum Rettungsschwimmer und hil
Milana Schedler (18, links) ist selbst gehandicapt. Sie macht bei der DLRG Contwig eine Ausbildung zum Rettungsschwimmer und hilft beim Training.

Für ihr Tanzprojekt haben die „Tanzperlen“ sogar auch schon eine „INpuls-Prämie“ erhalten. Die konnte Brestel als Inklusionslotsin in diesem Fall quasi an sich selbst überreichen. Aber auch andere Vereine in der Südwestpfalz sind schon in den Genuss der mit dieser Prämie verbundenen 500 Euro. Wie die VB und die VT Zweibrücken für ihre gemeinsame inklusive Eltern-Kind-Turnstunde (donnerstags, 17 bis 18 Uhr, Hofenfels-Gymnasium) oder die DLRG-Ortsgruppe Contwig mit ihren „Piraten“, die immer mittwochs ab 18 Uhr im Hofenfels-Schwimmbad in See stechen.

Der Fußballverein FC Höhfröschen mit dem Vorsitzenden Heinrich Klein (Zweiter von links) bekommt von der Inklusionslotsin Sabrin
Der Fußballverein FC Höhfröschen mit dem Vorsitzenden Heinrich Klein (Zweiter von links) bekommt von der Inklusionslotsin Sabrina Brestel für die Region Südwestpfalz (links) eine INpuls-Prämie von 500 Euro für die Inklusion von beeinträchtigten Sportlern. Einer wie Justin Fischer (Dritter von links, daneben von links Andreas Lehrach, Michelle Sollbach, Lindon Dinaj), der bei der SG Höhfröschen/Rieschweiler III in der C-Klasse im Tor steht.

Ermutigung zum Sport

Eine solche Prämie hat auch schon der Fußballverein FC Höhfröschen bekommen. Dort steht Justin Fischer in der C-Klasse bei der SG Höhfröschen/Rieschweiler III im Tor – normalerweise. Zurzeit ist der 23-Jährige aus Rodalben, der gerade bei der Kimmle-Stiftung ein Praktikum im Cap-Markt in Thaleischweiler absolviert, aber verletzt und kann weder trainieren noch spielen.

„Aber genau darum geht es: Familien in Zweibrücken und Umgebung zu ermutigen, dass auch ihr beeinträchtigtes Familienmitglied Sport treiben kann. Wir Inklusionslotsen können dann helfen, Kontakte zu Vereinen herzustellen und auch zum Schnuppertraining begleiten.“ Und wie können sich Vereine einbringen? Ich habe Verständnis dafür, dass manche Menschen Berührungsängste haben“, sagt sie. „Aber leider ist dann das Ergebnis, dass Menschen mit und ohne Behinderung nicht zusammenkommen. Und somit keine Inklusion gelebt werden kann, was wiederum sehr schade ist.“

„Sitzball geht zum Beispiel immer“, verdeutlicht Brestel einen Ansatz. Für einen ukrainischen Jungen fand sie in Kaiserslautern einen Verein zum Para-Schwimmen. Und bei der DLRG Contwig hat ein Mädchen mit einer angeborenen Behinderung das bronzene Schwimmabzeichen abgelegt. „Wir wollen so viele Vereine wie möglich dazubekommen, damit viele Beeinträchtigte Sport treiben und damit am Leben und der Gesellschaft teilhaben können“, sagt Brestel und will mit ihrer Kollegin Brusius nach und nach ein Netzwerk aufbauen. So könne man bei Sportfesten zum Beispiel auf Anfrage auch einen Inklusionsstand anbieten oder einen Rollstuhl-Parcours mit einplanen. In Pirmasens soll es im Oktober auch eine inklusive Wanderung geben, da war Brestel in die Streckenplanung involviert.

Austausch der Lotsen

Mit den übrigen 13 Inklusionsloten tauscht sich die Bottenbacherin, die in Edenkoben die Übungsleiterlizenz des Südwestdeutschen Fußballverbandes für Menschen mit Einschränkung erworben hat, per Online-Meetings aus. „Wir haben aber auch regelmäßige Reflexionstreffen vor Ort“, sagt Brestel, die selbst noch einmal pro Woche in Ixheim eine Reha-Stunde gibt (Brestel lachend: „Schon ewig“) und sich einmal pro Woche in ihrem Heimatdorf Bottenbach mit Gleichgesinnten zum Walken trifft.

Stichwort : Sport-Inklusionslotsen

Das Projekt Sport-Inkusionslotsen in Rheinland-Pfalz wurde ins Leben gerufen vom Landessportbund und der Steuerungsgruppe Inklusion, bestehend aus dem Behinderten- und Rehabilitationssportverband, Special Olympics und dem Gehörlosen-Sportverband. Ziel, ist, dass alle Menschen selbstbestimmt und ohne Barrieren ihre gewünschte Sportart in den Vereinen im Land ausüben und sich gleichberechtigt im organisierten Sport einbringen können. 14 Inklusionslotsen betreuen sieben rheinland-pfälzische Regionen. Sie sind Ansprechpartner für Menschen mit und ohne Behinderungen, Vereine, Verbände und Institutionen der Behinderten- und Sozialhilfe. Für die Region Süd- und Südwestpfalz sind Sabrina Brestel (s.brestel@silo.lsbrlp.de) und Lea Brusius l.brusius@silo.lsbrlp.de) zuständig.

INpuls-Prämie

Sportvereine, die inklusive Sport- und Freizeitprojekte auf den Weg bringen, können eine Prämie beantragen. Der Verein, der eine Prämie erhält, darf mit einem Schild und in den sozialen Netzwerken damit werben. Die „INpulsgeber“ werden außerdem auf einer interaktiven Karte unter der Adresse www.inklusiver-sport-rlp.de vorgestellt. Für Sportvereine gibt es eine Prämie von 500, für Fachverbände 1000 Euro. Voraussetzung ist unter anderem, dass sich der Verein für das Thema Inklusion öffnet, einen Ansprechpartner benennt und eine öffentlichkeitswirksame Aktion ausrichtet.

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