Zweibrücken
Bülent Ceylans neue zweistündige Show vor 450 Autos ist witzig, schlüpfrig und makaber
Es ist fünf nach acht, noch sieht man den langen schwarzen Haarteppich nicht auf der Bühne. Ja, sitzen etwa die „Hoor“ nicht, wie er selbst sagen würde? Aber dann kommt er. Bülent Ceylan wird mit lautem Hupkonzert empfangen. Auch wenn er die nach Comedy hungernde Meute erst mal eine gute halbe Stunde warten lässt, bis er die ersten wirklich guten Kracher raushaut, kommt er nach und nach in Fahrt.
Müde Gags zum Auftakt
Um Viertel nach acht waren das noch Sprüche, bei denen man sich höchstens zu einem müden Lächeln hinreißen lassen konnte. Beispiel gefällig? „HOM – das Nummernschild kenn ich gar net – heißt das „homosexuell„?“ Oder: „Da vorne, da sind aber richtig viel Leute im Auto, sind das Albaner?“
Hassan un der Zitter-Ali
Witzig bleibt es, als Bülent Ceylan, der übrigens schon seit 20 Jahren auf der Bühne steht, seine verschiedenen Figuren aus dem Sack lässt. Harald, Manfred, Anneliese – alle sind sie dabei. Aber Hassan wird durch nichts und niemanden getoppt. Völlig von sich eingenommen, dabei aber hohl wie eine Bratpfanne, präsentiert er sich vor allem den Damen. „Ich bin de Hassan, und wenn ihr mich riecht, seid ihr schwanger.“ Ohne jede Scham spricht der Bülent-Hassan über seinen „sibirischen Zitteraal – Moment, ich bin jo Türk, das muss jo Zitter-Ali heiße“.
Und weil Hassan vor kurzem Vater geworden ist, haut er noch einen Rap aus dem „Rapertoire“. Darin enthalten sind unvergessliche Zeilen wie „Kuss mit Zunge und Oralverkehr, das krieg ich nimmie, seit de Hosenscheißer is hier“.
Hin und wieder schwenkt die Kamera in Richtung der Autos. Da ist wirklich einiges Sehenswertes dabei. Ganz vorne sitzen die Leute auf Campingstühlen. Überhaupt ist die Stimmung gut.
Auf dünnes Eis begibt sich der Mannheimer, als er über zwei vorbeifliegende Flugzeuge spricht. „Das sind meine Flugzeuge! Wir marschieren jetzt in Luxemburg ein!“, brüllt er mit Hitlerstimme. Makaber ist es, trotzdem begleitet Ceylan lautes Hupen. Darüber kann man sich streiten.
Auch ernste Töne schlägt er an. „Wie ihr wisst, ist mein Vater seit 2012 im Himmel. Und ihm widme ich dieses Lied.“ Berührend singt er die Ballade „Father and Son“ von Cat Stevens. Ceylan überzeugt an diesem Abend bei sechs Liedern mit einer Hammerstimme – auch Oper singt er. Zum Abschluss singt er fast eine halbe Stunde Songs wie „Engel“ von Rammstein und „Nothing Else Matters“. Bevor er „Freiheit“ anstimmt, sagt er: „Die Leute brauchen Kultur in dieser Zeit!“
Anneliese lästert
Bei eingefleischten Fans klingelt es, wenn eine Frau mit Brille und Leomuster-Handtasche was von ihrer „fleischfressenden Venusfalle“ erzählt. Das ist Anneliese, eine seiner bekanntesten Figuren. Und die lästert fleißig über ihre Freundin Gisela. „Ey, die is so dumm, die hat so viel graue Hoor krieht. Und sie mennt, es kommt davon, dass sie so viel Grauburgunder getrunke hat! Jetzt trinkt sie zum Esse nur noch e kühles Blondes.“
Die Zuschauer – oder eher, die Autos – flippen aus. Anneliese in ihrem Element. Und was, wenn die Corona-Krise weitergehen würde? Dann hätte sie ein zweites Standbein: „Ein Bestattungsunternehmen – Mit Anneliese unter die Wiese.“