Abseits
Aus Bosnien direkt ins „Löwen“-Tor
Fans, die am Samstag zum Drittliga-Handballspiel des SV 64 Zweibrücken gegen den VfL Günzburg kamen und beim Warmmachen in Richtung Zweibrücker Tor schauten, dürften sich verwundert die Augen gerieben haben: Zwischen den Pfosten der „Löwen“ stand Marko Ivankovic. Der Torwart, mit dem die Zweibrücker 2020 in die Dritte Liga aufgestiegen waren und sich ein Jahr später für den DHB-Pokal qualifiziert hatten. Der Keeper, dessen Vertrag im November in beiderseitigem Einvernehmen zwischen Verein und Spieler aufgelöst worden war. Ivankovic litt zu diesem Zeitpunkt an schwerer Gürtelrose, wollte damals nach Hause nach Bosnien, um sich auszukurieren.
„Wir haben den Vertrag aufgelöst, aber Markos Pass war ja noch bei uns“, erzählt SV-Vorstandsmitglied Steffen Gillner, der in der vergangenen Woche Kontakt zu dem 29-Jährigen aufgenommen hatte. Hintergrund war, dass Stammtorwart Alexander Dörr erkrankt ist, auch in der zweiten Mannschaft ein Torhüter erkrankt fehlte. Und mit nur einem Torhüter in das wichtige Spiel gegen den Abstieg zu gehen, „war für uns nicht vorstellbar“, sagt Gillner.
Ivankovic bleibt noch für ein weiteres Spiel
Weil Ivankovics Pass also noch beim SV lag, rief er den Keeper an, schilderte die Notlage der Zweibrücker. Es wurde überlegt, wie ein Einsatz bewerkstelligt werden könnte. Ivankovic bat um eine kurze Bedenkzeit, „und sagte nach kurzer Zeit zu“, erzählt Gillner, wie es zum schnellen Einsatz des Torhüters kam. Ivankovic setzte sich in seiner bosnischen Heimat kurzerhand in den Flieger und kam in die Westpfalz.
Gegen Günzburg ließ er seine Klasse immer mal wieder aufblitzen. Von der Mannschaft wurde das gut aufgenommen. Alle eint der Wille, den SV 64 in der Dritten Liga zu halten. Weil unklar ist, ob Alexander Dörr bis zum Spiel gegen den HSC Coburg II am Samstag rechtzeitig wieder fit ist, wurde vereinbart, dass Ivankovic auch für dieses Spiel noch in Zweibrücken bleibt, sagt Gillner. An der gemeinsamen Erfolgsgeschichte können der SV 64 und Ivankovic also noch ein bisschen weiterschreiben.
Ein Hoch auf breit aufgestellte Kader
Corona hat auch in der Sportwelt weiter vieles im Griff. „Es ist wahrscheinlich wie bei vielen anderen Mannschaften auch, dass sie einige Ausfälle wegen Corona haben“, sagte zum Beispiel Daniel Preuß, Trainer der SG Rieschweiler II, der über eine mäßige Vorbereitung vor dem Start in die Abstiegsrunde der Bezirksliga klagte. Mit ihm schlugen etliche Trainer noch vor dem ersten Spielwochenende in die gleiche Kerbe. Viele Spiele wurden dann auch an diesem Spieltag wieder abgesagt. Es drohen, auch mit Blick auf die hohen Infektionszahlen, ständig veränderte Aufstellungen und Trainingseinheiten, die viele Teams nicht in voller Mannschaftsstärke bestreiten können.
Ob die Saison so sportlich ein gutes Ende findet, ist fraglich. Es werden überall Spieler fehlen; wenn aber auf Schlüsselspieler verzichtet werden muss, wird es schwierig. „Ein Spieler startet nach einer Infektion wieder bei null, wie am Anfang einer Vorbereitung“, urteilt Co-Trainer Dennis Hirt (TSC Zweibrücken). Wohl dem, der da einen breit aufgestellten Kader hat. Das können aber nicht alle Amateurvereine von sich behaupten.
Höherklassigkeit ist ein Thema für Preuß
„Wir haben einen guten Trainer, den wollen wir auch erst mal behalten“, sagt Vorstandsmitglied Daniel Preuß, zugleich auch Zweitmannschaftstrainer bei der SG Rieschweiler. Gefragt nach einem möglichen Engagement in einer höheren Klasse, antwortet Preuß etwas ungewöhnlich. „Wir wollen doch einen guten Trainer“, sagt er lachend. „Natürlich ist es mein Ziel, mal höherklassig zu trainieren“, fügt er an und möchte selbstredend am liebsten bei der SG Rieschweiler an der Seitenlinie stehen. Jetzt will er aber erst mal Patrick Hildebrandt noch lange als Coach an der „Dicken Eiche“ wissen.
Mörsbach guckt wieder in die Röhre
Groß war die Freude, dass der TTC Nünschweiler mal in Mörsbach ein Heimspiel austrägt. Denn Oberliga-Tischtennis der Herren, das gibt es inzwischen selten zu sehen in Zweibrücken. Mehr als die 1. Pfalzliga, in der der TTC Riedelberg spielt, gibt es im Ausgabegebiet nicht. Die weite Reise aus dem Westwaldkreis in die Westpfalz wollte Grenzau, das tags zuvor die Meisterschaft eintütete, mit einem ersatzgeschwächten Team aber wohl nicht mehr antreten. Schade drum, es hätte den zahlreichen Jugendlichen in Mörsbach sicher gefallen, ehemalige Bundesliga-Spieler hier aufschlagen zu sehen.
Damit machten es die Grenzauer im Übrigen einem anderen ehemaligen Weltklasseathlet nach. Denn Ex-Doppel-Weltmeister Steffen Fetzner hatte sich vor einigen Jahren mal zu einem Training in Mörsbach angekündigt. Gekommen ist er bis heute nicht, ließ die damals bereits zum Training angereisten Akteure in der Halle stehen.
Es soll wohl nicht sein mit Mörsbach und hochklassigem Tischtennis. Zumindest sportlich ist der SVM aber ganz nah dran, in die oberste Verbandsspielklasse, die 1. Pfalzliga, aufzusteigen.
Dass Sie diese Woche immer die richtigen Spieler zur Hand haben, wünschen Andrea Daum und Benjamin Haag