Zweibrücken
Abhol- und Bringdienste sichern die Weihnachtsgeschenke auf den letzten Drücker
Einer der Händler mit Abhol- und Bringservice ist Karl-Heinz Müller vom gleichnamigen Musikhaus. Die Geschäftsnummer hat er auf sein Handy umgeleitet, dadurch ist er nahezu rund um die Uhr erreichbar. „Natürlich nicht nachts, aber schon auch außerhalb der Geschäftszeiten“, sagt er. Gerade bereitet er eine Gitarre vor, die er einem Kunden nach Hause bringt. Bezahlung und Auslieferung gehen dabei kontaktlos über die Bühne. Dies gilt auch, wenn Leute etwas bestellen und die Ware am Laden abholen. Da die Kunden nicht ins Geschäft dürfen, können sie „leider nichts ausprobieren oder vergleichen“, sagt Müllers Lebensgefährtin Martina Schreiber. Seit dem Lockdown liefert Müller nahezu täglich Waren in Zweibrücken und Umgebung aus – auch wenn dabei nicht alle Wünsche erfüllt werden können. So fahre er wegen eines Notenheftes für 1,50 Euro beispielsweise nicht nach Hornbach, und auch die ungeplante Auslieferung eines Flügels funktioniert derzeit nicht. Geplante und bestellte Ware wird aber ausgeliefert. „Flügel mit Schleife, der Rest ohne“, sagt Müller und lacht. Das Schaufenster ist zudem reichhaltiger dekoriert als sonst. „Kunden können auch ein Foto von etwas im Fenster schicken, wir reservieren das und sie können es abholen kommen“, erzählt Schreiber.
Per Telefon, Nachrichtendienst Whatsapp oder auch per E-Mail können Kunden bei Sandra Cleemann Spiel- oder Schreibwaren bestellen, am Geschäft abholen oder nach Hause bringen lassen. An der Eingangstür hat Cleemann eine Art Verkaufsschalter eingerichtet. Um Abstand zu halten, nutzt sie das selbstgebaute Werkzeug eines Freundes, das aus ein einer an einem Besenstiel befestigten Gemüseschale besteht. „Da kommt das Geld rein, und darin ist dann auch das Wechselgeld“, schildert sie, als ein Kunde nach einen bestellten Mähdrescher abholen möchte. Das Spielzeug bekommt er in Sternenpapier eingepackt auf die Theke gelegt. Trotz Corona versucht sie, optimistisch in die Zukunft zu blicken. „Was soll ich mich ärgern, es ist, wie es ist“, sagt sie. In Victors Genussladen hat sie gerade 40 süße kleine Aufmerksamkeiten bestellt für die Kundschaft. „Der muss auch leben“, hält sie den Solidargedanken der Einzelhändler hoch. Und auch den Kunden will sie etwas Gutes tun, denn die hätten ihrem Laden vertraut mit den Weihnachtsgeschenken. „Die letzten drei Tage vor dem Fest sind traditionell die stärksten“ hofft sie auf einen guten Umsatz.
„Click and collect“, also anklicken und einsammeln, nennt Michaela Schieler-Kokot vom Juwelier und Uhrmacher Schiko in der Fußgängerzone ihr Konzept während des Lockdowns. Mit Ausnahme von Trauringen funktioniere der Verkauf auf diese Weise ganz gut, meint sie. Die Kundschaft schaue sich die Waren im Schaufenster an, meldet sich dann telefonisch. Mittels Videotelefonie übers Mobiltelefon führt sie Kunden auch durch den Laden oder präsentiert das eine oder andere Schmuckstück von allen Seiten. Die Beratung ist so kontaktlos möglich. Bei der Abholung empfängt Schieler-Kokot die Kunden am Schalter am Eingang mit Plexiglasscheibe und einer Klingel. Die meisten Kunden holen ihre Waren ab, obgleich Schiko auch einen Lieferservice anbietet. „Was wir im Haus haben oder auf die schnelle produzieren können, liefern wir noch aus, aber am 24. Dezember haben wir geschlossen“, sagt die gelernte Goldschmiedin. Selbst Unikate könne man derzeit anfertigen lassen. Die Goldschmiedin klärt mit den Kunden die Arbeitsschritte dann mit Hilfe von Whatsapp, schickt entsprechende Fotos und Videos. Die Angebote würden gut angenommen. Schieler-Kokot hat aber beobachtet, dass ältere Kunden damit eher Schwierigkeiten haben, nicht im Laden einkaufen zu können.
Handyvideos nutzt Nachbarin Silke Kuppens in ihrer Modeboutique nicht. Doch auch sie beteiligt sich an der Initiative „Zweibrücken bringt’s“, die von Gemeinsamhandel und Stadtmarketing auf die Beine gestellt wurde. „Wir können zeigen, dass wir noch da sind, auch wenn die Ladengeschäfte geschlossen bleiben müssen.“ Den Umsatzausfall des Weihnachtsgeschäfts könne das zwar nicht ausgleichen, es zeige aber, dass man sich nicht unterkriegen lasse. Im März 2019 eröffnete die ausgebildete Grundschullehrerin ihren Laden Fashion Citystyle. Binnen so kurzer Zeit schaffe man es als Einzelhändler nicht, so große Rücklagen zu bilden, um auf einen Lockdown vorbereitet zu sein – derzeit fehle die wichtige Laufkundschaft. Kuppens liefert auch aus, meist sind dies aber Geschenkgutscheine. Kundinnen bestellten auch Kleidung, dann auch mal in mehreren Größen, um diese zu Hause in Ruhe anprobieren zu können.