Handball
27:26 – SG SV 64/VT Zweibrücken schlägt Offenbacher Gäste hauchdünn
Aus Zweibrücker Sicht war es zum Haare raufen, bestätigte SG-Trainer Klaus-Peter Weinert am Samstag nach dem Oberliga-Handballspiel gegen den TV Offenbach. Die Abschlussschwäche seines Teams hielt an, lange Zeit hätte niemand in der Zweibrücker Westpfalzhalle auf einen Heimsieg gewettet. Nach dem Schlusspfiff gingen aber enttäuschte Offenbacher zu Boden, die sich zwischenzeitlich einen Fünf-Tore-Vorsprung herausgeworfen hatten und nun mit leeren Händen dastanden. Drei Sekunden vor Spielende hämmerte Nils Wöschler den Ball zum 27:26 (9:13)-Erfolg der Zweibrücker in das Tornetz, das Minuten zuvor geflickt worden war.
„Wenn wir heute verloren hätten, wäre ich direkt nach dem Abpfiff nach Hause gefahren“, bekannte Weinert, über weite Strecken absolut nicht zufrieden mit dem Spiel seiner Mannschaft gewesen zu sein. Vor allem nicht mit dem Torabschluss. TVO-Torwart Florian Pfaffmann hatte beim Videostudium gut hingeschaut, stand fast immer da, wo die Zweibrücker Angreifer hinwarfen. 17 Chancen ließ die SG allein im ersten Spielabschnitt ungenutzt, darunter drei Strafwürfe.
Offenbacher spielt Angriffe konsequenter zu Ende
„Ich glaube, wir sind uns alle einig, dass das nicht unbedingt ein verdienter Sieg war für Zweibrücken“, sagte TVO-Trainer Tobias Job nach einer nervenaufreibenden Schlussviertelstunde und bekannte: „Dass nach dem Schlusspfiff gar kein Punkt da war, war natürlich bitter.“ Mit der Leistung des Teams, das nahezu komplett in einer Formation über 60 Minuten durchspielte, war er zufrieden: „Ich ziehe den Hut vor meiner Mannschaft.“
Auch Job erinnerte sich ans Spiel im Januar, als Offenbach schon mit sieben Toren vorne war, dann mit zwei Toren in Rückstand geriet und am Ende mit einem Tor gewann, weil Zweibrücken in 90 Sekunden drei haarsträubende Fehler fabrizierte. Es gab viele Parallelen zum Spiel damals. Der Zweibrücker Angriff hatte erneut keine Durchschlagskraft, Offenbach spielte es konsequenter zu Ende – „auch wenn wir sie oft im Zeitspiel hatten“, sagte SG-Kapitän Philipp Hammann – und führte daher verdient zur Pause. Aus dem Rückraum Andreas Benz und Lukas Klein sowie auf Linksaußen Nico Bader waren erfolgreich. „Es wurde zum ersten Mal richtig laut in der Kabine“, verriet Weinert.
Momentum dreht sich erst ganz spät
Nach 40 Minuten schien das Wirkung zu zeigen. 17:13 führte Offenbach. Joshua Eberhard, Adam Soos und Niklas Bayer brachten die Gastgeber auf 16:18 heran. Sollte das Spiel gedreht werden können? Bader hatte etwas dagegen, traf per Siebenmeter und Gegenstoß. Dazwischen hatte Sebastian Mohra für Offenbach getroffen, das nach diesem 3:0-Lauf erneut mit fünf Tore führte.
Das Momentum drehte dann in der 48. Minute zugunsten der SG. Tom Grieser brachte den vierten Strafwurf für die Zweibrücker mit etwas Glück – Pfaffmann war dran – zum 18:23 im gegnerischen Tor unter. Tom Ihl, der immer besser in Form kommt, verkürzte auf 19:23. „Wir brauchen mehr Tempo“, gab zu diesem Zeitpunkt Weinert Nils Wöschler mit aufs Feld.
Selbstbewusster Wöschler entscheidet das Spiel
Für Wöschler war es bis dahin gar nicht gelaufen: vier Versuche, kein Tor. Weinerts Plan ging auf. Der eingewechselte Wöschler traf zum 20:23 und 21:23. Letzteres ins leere Tor, weil Job nun auf den siebten Feldspieler setzte, der im Januar ein Erfolgsrezept gewesen war. Diesmal nicht. Wöschler zum 22:24, Ihl zum 23:24. In der Halle wurde es immer lauter. Grieser traf per Strafwurf sicher zum 25:26 und erneut vom Kreis zum 26:26.
Gut 50 Minuten lang waren die Gäste vorne. Noch knapp eine Minute war: Der frühere Offenbacher Torwart Norman Dentzer löste in den Schlussminuten Damian Zajac im SG-Tor ab, parierte den letzten TVO-Wurf, Auszeit SG. 15 Sekunden blieben, noch zehn, dann zog Wöschler, der Weinert eine sehr gute Kabinenansprache bescheinigte, vom linken Rückraum in die Mitte und traf. „Wenn man zuvor getroffen hat, hat man das Selbstvertrauen“, unterstrich der SG-Regisseur.
So spielten sie
SG SV 64/VT Zweibrücken: Dentzer, Zajac - Ihl (6), Soos (8), Nils Wöschler (4) - Hammann (1), Kroner - Grieser (3/2) – Bayer (2), Eberhard (2), Graff, Gräber (1), Baumgart, Till Wöschler.