Zweibrücken
102-Jährige: Mit FFP2-Maske und LMAA-Brille zum Impfen
Elsa Wilhelm wohnt in Ernstweiler und ist 102 Jahre alt. Am Dienstag kam sie mit dem Mann ihrer Enkelin zum Impfzentrum am Busbahnhof und ließ sich gegen Covid 19 erstimmunisieren. Dabei nahm die Seniorin kein Blatt vor den Mund, wie es ihre Art ist. „Ich halte es mit Götz von Berlichingen“, sagte Wilhelm – die seit März aus Angst vor Corona nicht mehr außer Haus war – bereits am 13. August, einen Tag vor ihrem 102. Geburtstag.
Am Dienstag setzte sie noch einen drauf: „Ich habe die Brille an: die Leck-mich-am-Arsch-Brille.“ Angst vor der Impfung hatte sie nicht. „Ich lasse mich jedes Jahr gegen Grippe impfen und folge seit 35 Jahren den Empfehlungen meines Hausarztes. Damit bin ich immer gut gefahren. Da werde ich Angst vor so einem kleinen Piks haben?“
Immer einen Spruch auf den Lippen
Mit 102 Jahren ist Elsa Wilhelm laut Bürgermeister Christian Gauf die älteste impffähige Person in Zweibrücken, die selbst ins Impfzentrum am Busbahnhof kam. Gefahren hat sie „ihr Bester“: Martin Hunsicker-Wilhelm ist der Mann ihrer Enkelin. Und sogleich machte sie Scherze über ihren Namen: „Ich bin de Wilhelm, awwer de wievielde weeß ich nedd.“ Immer gut gelaunt, immer einen Spruch auf den Lippen und immer geradeaus – das ist Elsa Wilhelm, die aus der Zweibrücker Karlstraße stammt und mittlerweile in der Homburger Straße in Ernstweiler wohnt. Auch Rettungssanitäter Marcus Spies, der sie impfte und zuvor im Wartebereich abholte, wickelte sie mit ihrer lockeren Art sofort um den Finger.
Für den Mann ihrer Enkelin ist sie ein Phänomen. „Auch bei Familienfeiern haut Elsa einen nach dem anderen raus. Und die kennt fast jeden Zweibrücker, zumindest die älteren. Ich habe sie mal gefragt, wieso sie immer so gut drauf ist. Zur Antwort habe ich bekommen: ,Ich habe den Ersten Weltkrieg überlebt, im Zweiten Weltkrieg wurde ich fast erschossen. Was soll mir denn noch passieren?“, erzählte Martin Hunsicker-Wilhelm während des kurzen Aufklärungsgesprächs durch eine Ärztin. Dann ging es in die Einzelkabine, wo Spies Elsa Wilhelm die erste Impfdosis in den linken Oberarm spritzte.
„Hat gar nicht wehgetan“, rief die 102-Jährige direkt danach. Für sie war es gar keine Frage, dass sie sich impfen lässt. „Ich will noch ein bisschen leben“, sagte sie vergnügt und trotz FFP2-Maske mit den Augen verschmitzt lächelnd. Dabei war der Ausflug in die Innenstadt schon ein kleines Abenteuer. Seit fast einem Jahr traut sie sich aus Angst vor einer Ansteckung mit Covid 19 nicht mehr vor die Tür, besucht auch die liebgewonnenen Kaffeekränzchen in der Hallplatzgalerie nicht mehr. Ab und zu bekommt sie Zuhause Besuch von den nahen Verwandten, darunter ihre Urenkel, ihr ganzer Stolz. Sie sind schon erwachsen und warteten geduldig vor dem Gebäude auf ihre Uroma, bis die Impfung erledigt war.
Sie wohnt noch alleine
Elsa Wilhelm hat 30 Jahre lang in der Schuhfabrik Dorndorf als Mädchen für alles ihr Geld verdient und in der knappen Freizeit gerne Handarbeiten erledigt. Sie wohnt auch mit 102 noch alleine. „De Schnawwel geht noch, awwer die Been sinn langsam worr“, haut sie zum Abschied einen ihrer typischen Sprüche raus.