Zweibrücken
Ärger auf dem Weihnachtsmarkt: AfD-Sympathisanten im Verdacht
Der Förderverein der evangelischen Jugend Zweibrücken-Bliesgau und die „Omas gegen Rechts“ haben auf dem Zweibrücker Weihnachtsmarkt gemeinsam einen Stand betrieben. An beiden Wochenenden haben sie dort Glühwein, Kinderpunsch und Gebäck verkauft. Bereits in der Vergangenheit waren beide Initiativen auf dem Zweibrücker Weihnachtsmarkt mit eigenem Stand vertreten. Aber dieses Jahr werde den Beteiligten in Erinnerung bleiben.
Laut den „Omas gegen Rechts“ wurde der Stand von Sympathisanten der rechtsextremen AfD beschädigt, die Standdekoration wurde mit AfD-Aufklebern verunstaltet und Jugendliche der evangelischen Jugend wurden mit AfD-Merchandise beworfen. „Uns wurden Drohgebärden und an das White-Power-Handsymbol erinnernde Gesten gezeigt“, schildert ein Mitarbeiter des Dekanats Zweibrücken, der während der Vorfälle am Nikolaustag zusammen mit Jugendlichen am Stand Dienst tat, und seinen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte. Dabei handelt es sich um ein Handzeichen , bei dem die Buchstaben W und P geformt werden. „Noch nie mussten wir als Hauptamtliche uns Gedanken machen, wie unsere Ehrenamtlichen nach einer Veranstaltung nach Hause kommen – dieses Jahr leider schon“, fasst er zusammen. Er beschreibt ein „ungutes Gefühl, junge, engagierte Menschen, die für Vielfalt einstehen, alleine nachts in Zweibrücken nach Hause laufen zu lassen“, so das Mitglied des Fördervereins der evangelischen Jugend Zweibrücken-Bliesgau. Zum Glück sei nichts passiert. Die umliegenden Standbetreiber hätten Solidarität bewiesen und signalisiert: „Wir geben aufeinander Acht.“
Baumschmuck abgerissen
Dies sei jedoch nicht die einzige ungewollte Berührung mit Rechtsextremen gewesen. Bereits vor dem Weihnachtsmarkt rund um die Alexanderskirche mussten die „Omas gegen Rechts“ feststellen, dass der von ihnen geschmückte Weihnachtsbaum in der Fußgängerzone Ziel vermeintlich politischer Gegner war. Die Sterne am Baum der Gruppe vor der NKD-Filiale sei schon in der ersten Woche mit einem AfD-Symbol und Remigration-Aufklebern versehen und in der zweiten Woche vollständig geplündert worden: „Unser ganzer Schmuck wurde abgerissen“, sagt Monika Geier von den „Omas gegen Rechts“.
Bei den Vorfällen am Weihnachtsmarktstand waren Mitglieder der evangelischen Jugend alleine im Stand, die „Omas gegen rechts“ hatten gerade keinen Dienst. „Das muss in der dritten Schicht passiert sein, als viel los war, so zwischen 19 und 21 Uhr“, sagt der Mitarbeiter des Dekanats. Er habe drei Männer dabei gesehen, wie sie mehrere Kekse mit AfD-Logo auf der Verpackung in den Stand geworfen und die Handzeichen gemacht hätten. Sie seien in zivil gekleidet gewesen und hätten keine Parteilogos oder andere erkennbare Zeichen rechter Gesinnung getragen.
Standbetreiber verzichten auf Anzeigen
Am Samstagabend, 13. Dezember, sind in der Nacht zum Sonntag am geschlossenen Stand zudem Logos beschädigt und Regenbogenfahnen abgerissen worden, wie die „Omas gegen rechts“ mitteilen. Die Gruppe habe Sterne mit dem Logo und guten Wünschen, Christbaumkugeln mit kurzen Friedensbotschaften und Regenbogenflaggen am Stand und am Baum in der Fußgängerzone aufgehängt, erklärt Geier.
Anzeige bei der Polizei hätten die beiden Standbetreiber nicht erstattet. „An dem Abend ging es ja nicht, wir hatten ja Dienst am Stand“, sagt der Dekanatsmitarbeiter. Allerdings habe er vor dem Weihnachtsmarkt die Polizei informiert über sein Bauchgefühl, dass er sich durchaus vorstellen könne, dass man aus der rechten Ecke ungebetenen Besuch bekommen könne. Die Polizei habe ihn auf ihre starke Präsenz auf dem Weihnachtsmarkt hingewiesen und auf die Notfallnummer 110, unter der die Polizei im Falle eines Vorfalls jederzeit erreichbar sei.
Jugendliche unter Schock
„Selbstverständlich zeigen uns solche Vorfälle, wie auch der große Zuspruch von anderer Seite und die überwältigend vielen Neueintritte bei den ,Omas gegen rechts’, dass wir dringend gebraucht werden. Wir werden unsere Arbeit intensiv fortsetzen und natürlich auch jederzeit gerne der Polizei dabei helfen, solche Täter zu identifizieren und der Justiz zu übergeben“, sagt Monika Geier. Allerdings hätten auch sie keine Anzeige erstattet. Dabei seien ihre Logos am Stand mit AfD-Aufklebern überklebt worden, vor den Augen des Standpersonals. Ihr Sohn sei an dem Abend dabeigewesen im Stand und die Jugendlichen hätten unter Schock gestanden und seien froh gewesen, als die mutmaßlichen AfD-Sympathisanten wieder weg gewesen seien. Keiner sei alleine nach Hause gegangen an dem Abend und bei den betroffenen Jugendlichen wirkten die Erlebnisse bis heute nach, und sie verspürten eine dumpfe Angst, besonders, wenn sie im Dunkeln nach Hause liefen.
Aber auch der erwachsene Dekanatsmitarbeiter sagt: „Ich musste noch nie Angst haben. Ich will niemanden provozieren oder Schuld zuweisen. Wir wollen friedlich und gemeinsam stabil bleiben und ein generationenübergreifendes Miteinander ohne Hass leben.“
AfD-Büro Ziel von Vandalismus
Ralf Tiedke, neuer Vorsitzender der Zweibrücker AfD, distanziert sich von den Vorkommnissen. „Von diesen Vorkommnissen auf dem Weihnachtsmarkt am Stand von ,Omas gegen Rechts’ – wenn diese so stattgefunden haben – distanzieren wir uns aufs Schärfste. Diese Menschen stehen auf gar keinen Fall zu den Werten der AfD! Demokratisch, konservativ und patriotisch! Außerdem möchten wir gerne wissen, wo man diese AfD-Kekse bekommt, wir hätten da gerne ein paar“, schreibt Tiedtke auf RHEINPFALZ-Anfrage.
Er berichtet, dass das AfD-Büro in der Innenstadt ebenfalls Ziel von Vandalismus gewesen sei. „Ich denke, ein ruhiger Dialog mit Andersdenkenden ist mehr wert als jeglicher Vandalismus. Im Grundgesetz steht immer noch etwas über Meinungsfreiheit. In meiner Jugend war es noch so, dass jeder seine Meinung haben durfte, und er wurde dafür nicht verurteilt“, schließt Tiedtke.