Speyer „Zusammenarbeit muss man wollen“

Oh, noch nicht mal so kurz. Ich glaube, wir waren um 23.30 Uhr im Bett. War’s gut, dass Sie am Montag frei hatten? Unbedingt. Da ist viel abgefallen, ich konnte das mal sacken lassen. Im Nachhinein war die Anstrengung doch spürbar. Körperlich oder mental? Mental. Körperlich hat mir das nicht so viel ausgemacht. Haben Sie den Erfolg schon realisiert? Ja, natürlich. Es war ja auch nichts, was man nicht hätte erwarten können. Mit zwei Tagen Abstand – was, denken Sie, war am Ende ausschlaggebend für Ihren Wahlsieg? Das Ergebnis in Neuhofen, ganz klar. Es hätte auch gereicht, wenn Neuhofen nicht dabei gewesen wäre, aber es war zuerst nicht richtig zu erkennen, in welche Richtung sich die Wähler dort bewegen. Aber offenbar gibt es viele Verbindungen zwischen Waldseern und Neuhofenern. Und dann habe ich immer wieder gehört, dass die Stimmung dort für mich ganz gut war. Da habe ich dann schon auf ein ordentliches Ergebnis gehofft. Ich denke, am Ende war die RHEINPFALZ-Podiumsdiskussion mit entscheidend. Da bin ich wohl gut rübergekommen. Es ist ja Politikerschicksal, dass man nicht überall und von jedem geliebt wird. Was machen Sie jetzt, um die Altriper von sich zu überzeugen? Geben Sie auf dem Fischerfest einen aus? Hm, ich weiß ja noch gar nicht, wo die 16 Prozent, die mich gewählt haben, versteckt sind. (lacht) Spaß beiseite. Ich werde natürlich unter die Leute gehen – auch in Altrip. Es war ja klar, dass die Altriper „ihren“ Bürgermeister wählen. Das haben die Waldseer und Otterstadter ja auch so gemacht. Mit dem ersten Arbeitstag diese Woche gehen die Vorbereitungen auf die neue Verbandsgemeinde los. Was steht zuerst auf der Agenda? Wir müssen die konstituierende Sitzung vorbereiten. Die Gespräche über die Bildung einer Koalition laufen wohl schon, wie ich gehört habe. Ich denke, die Sitzung werden wir im Neuen Hof in Neuhofen abhalten. Die Kulturhalle in Waldsee steht wegen Bauarbeiten ja leider nicht zur Verfügung. Ich denke mal, der Ratssaal in Waldsee ist zu klein, obwohl er diese Woche neu möbliert wird. Wir waren auf 36 Ratsmitglieder ja gar nicht ausgelegt. Aber für die konstituierende Sitzung bietet der Neue Hof einen würdigen Rahmen. Die Sitzung ist ja etwas Besonderes. Da werden ein paar Worte mehr verloren. Das ist der Beginn von neuen Strukturen. Das kann man dann nicht mit einem Satz abtun. In den kommenden Wochen werden wohl vor allem Personalsachen anliegen. Sie haben einen Gesprächsmarathon vor sich? Ja, das wird in den nächsten Wochen so sein. Es wird auch direkte Gespräche mit den Bürgermeisterkollegen in den Orten geben. Da wird es um die Bürgerbüros gehen. Und die Bürgermeister sollen sich ein, zwei Leute direkt zuordnen können. Ansonsten wird das Personal ab 1. Juli in die neue Verbandsgemeinde übergeführt. Und wie sieht es mit der räumlichen Situation aus? Die ist noch nicht ganz geklärt. Das Waldseer Rathaus wird ja erweitert. Wir bekommen 90 Quadratmeter dazu. Dann hat die Kabs noch ihre Büros geräumt. Dadurch haben wir zusätzliche 200 Quadratmeter. Wie sieht der Zeitplan aus? Mein Wunsch ist, dass die Verwaltung zum 1. Januar 2015 hier komplett ist. Im Moment haben wir den Bauantrag gestellt und den Nachweis erbracht, dass die Aufstockung auch nötig ist. Auch ein Aufzug wird dann installiert. Wenn wir nur mit Altrip fusioniert hätten, hätte es gereicht. Und was ist dann wo? Die komplette Verwaltung wird in Waldsee sein. Außer der Kasse und den Verbandsgemeindewerken. Diese beiden Bereiche werden in Altrip im Rathaus untergebracht. Heißt: Dort werden Einnahmen und Ausgaben verwaltet, Rechnungen abgelegt. Und die Verbandsgemeindewerke werden für das Abwasser und die Fähre zuständig sein. Aber die Bürger werden kaum was davon mitbekommen. Also muss niemand für zehn Euro Bußgeld nach Altrip? Genau. Aber die Mahnung käme aus Altrip? Stimmt. Aber bei uns wird pünktlich bezahlt. Das war auch keine Absicht. Und auf dem Briefkopf steht dann ohnehin Verbandsgemeindeverwaltung. Ab 1. Juli ist die neue Verbandsgemeinde die größte Verwaltungseinheit im Rhein-Pfalz-Kreis. Verspüren Sie da mehr Druck oder eine größere Erwartungshaltung? Druck nicht. Aber es ist klar, dass wir bei dem, was wir machen, von außen beäugt werden. Und wir sind ja auch nicht so viel größer als die Verbandsgemeinde Römerberg-Dudenhofen. Wie machen Sie aus den vier Ortsgemeinden Waldsee, Otterstadt, Altrip und Neuhofen eine Einheit? Haben Sie ein Geheimrezept in der Schublade? Nein. Da wird viel auf die Arbeit in den Räten ankommen. Dort muss man die Zusammenarbeit wollen. Wenn die Leute merken, dass dort nur gestritten wird, könnte es schwer werden, ein Zusammengehörigkeitsgefühl entstehen zu lassen. Und dann sind die Ortsgemeinderäte ja auch sehr eigenständig, wenn es um politische Entscheidungen geht. Da unterstütze ich gerne, aber bevormunden werde und will ich nicht. Ich kenne die Strukturen in einer Verbandsgemeinde und beachte sie. Klar, man wird sich nicht permanent in den Armen liegen. Aber der Bürger geht weiter ganz normal in die Bürgerbüros und erledigt dort seine Angelegenheiten. Weswegen muss man denn dann nach Waldsee zur Verbandsgemeindeverwaltung kommen? Zum Beispiel, wenn es um die Vorbesprechung eines Bauantrags geht. Und alles, was mit Liegenschaftsangelegenheiten zu tun hat. Das Ordnungsamt ist hier zentral untergebracht, aber auch da kann man viel in den Bürgerbüros erledigen. Wir haben schon einen Katalog, was alles dort erledigt werden kann. Sie sind schon seit 30 Jahren Verbandsbürgermeister. Wie haben Sie sich in den vergangenen drei Jahrzehnten verändert? Ich bin 30 Jahre älter geworden. (lacht) Im Ernst, ich denke, dass ich mich gar nicht viel verändert habe. Man muss seine Aussagen im Griff haben. Ich habe noch den gleichen Freundeskreis wie vor 30 Jahren. Ich bin nicht abgehoben und werde auch nicht in den nächsten Jahren abheben.