Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel Zeppelinschule als harte Schule für die Architekten

1912 gebaut: Zeppelinschule zwischen Neuffer- und Zeppelinstraße. Hier der Blick vom Pausenhof.
1912 gebaut: Zeppelinschule zwischen Neuffer- und Zeppelinstraße. Hier der Blick vom Pausenhof.

Aktuelle Themen wie Baukostensteigerung und Handwerkermangel besorgen das städtische Gebäudemanagement. 13,4 Millionen Euro stehen in seinem Budget 2022, und die sollen auch ausgegeben werden. Die Stadt will sich verstärkt um ihre Gebäude kümmern, so Oberbürgermeisterin Stefanie Seiler (SPD) – gerade um schwierige wie die Zeppelinschule.

Allein in diesem Jahr sollen 400.000 Euro in der Zeppelinschule verbaut werden. Brandschutzmaßnahmen und ein neuer Aufzug sind geplant. Ilona Bast, Leiterin des Gebäudemanagements, kann noch keine genauen Termine nennen. Spätestens im kommenden Jahr sollte das Projekt aber fertig sein. Der als Neuerung geplante Aufzug hatte dabei einen Vorgänger, wie die Stadt erst kürzlich erfahren hat: „Der Schacht war all die Jahre zu“, so OB Seiler, die hier selbst die Schulbank gedrückt hatte. Jetzt ist er geöffnet worden und ein zerfallenes Gerät mit dem Baujahr 1914 zum Vorschein gekommen.

Der Schacht könne statisch noch genutzt werden – das war eine positive Überraschung für die Baufachleute. Ansonsten sind sie Kummer gewohnt. Der Sanierungsbedarf an städtischen Gebäuden ist groß, das Budget begrenzt und die praktische Umsetzung oft nicht einfach, wie im Fall der denkmalgeschützten Innenstadt-Schule von 1912. Die Toiletten – zunächst im Erdgeschoss und im ersten Stock – wurden kürzlich saniert, nachdem es Elternbeschwerden über Geruchsbelästigungen gegeben hatte.

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Besorgte Eltern

Mit besorgten Eltern hatte sich Abteilungsleiterin Bast auch auseinandersetzen müssen, als bei der Dachsanierung vor zwei Jahren alte Dämmwolle abtransportiert wurde. „Die Bauarbeiter hatten dafür besonders stabile Säcke mit Asbest-Aufdruck verwendet und durchs Schulhaus gefahren. In denen war aber in diesem Fall kein Asbest drin“, klärt sie ein Missverständnis auf.

Manchmal kollidierten auch die Ansprüche von Brand- und Denkmalschutz, so Seiler, Bast und Schulleiter Wolfgang Braunstein. Es sei aber gelungen, Optik und Sicherheit zu verbinden. Neun Anlagen mit Brandschutz-Türen werden demnächst unter anderem in Bögen in den Fluren des Jugendstil-Gebäudes eingebaut. „In den 15 Jahren, in denen ich hier bin, hatten wir fast immer Bauarbeiten“, sagt Braunstein. Das Kollegium gehe besonnen damit um, der Austausch mit der Stadt sei gut: „Das ist entscheidend.“

„Anspruchsvoll“ – dieses Wort fällt immer wieder beim Rundgang durch das historische Schulgebäude, in dem 40 Erwachsene rund 400 Kinder betreuen. Das habe etwa für die millionenschweren Dacharbeiten gegolten, die sich wegen der Suche nach einer Firma länger hingezogen hätten als geplant. Es habe nun wieder für seine Berechtigung für den Bau einer Treppe vom Speicher hinab ins erste Obergeschoss, die nötig wird, um für die Schüler im zweiten Stock einen zweiten Fluchtweg zu schaffen. Böden, Decken und Beleuchtung sind frisch erneuert.

„Ein paar Altlasten“

„Wir haben ein paar Altlasten“, sagt Braunstein über das Gebäude, ist sich aber mit Bast einig, dass es zuletzt aufgewertet wurde und für sein Alter noch gut dasteht. Allenfalls das Gymnasium am Kaiserdom sei als Schulgebäude baulich noch so herausfordernd. „Die Themen von hier haben wir spiegelbildlich an vielen Schulen“, erläutert OB Seiler. Ihr Eindruck: Unter der dreistelligen Anzahl an städtischen Gebäuden seien viele mit Sanierungsstau. Es stünden Generalsanierungen an.

„Es wird immer mehr“, so die Stadtchefin. Investitionen in Schulen seien ohne Förderung kaum zu stemmen. Deshalb würde sie sich statt zeitlich eng gefasster Investitionsprogramme fortlaufende Förderung für Maßnahmen im Bildungsbereich wünschen. Die Stadt könne auch personell nicht alles auf einmal schaffen, so Bast: „Wir müssen priorisieren.“ Sie sehe sich in dieser Frage öffentlichem Druck ausgesetzt und habe jetzt bei der nächsten Toiletten-Erneuerung priorisiert: zunächst die Siedlungsschule, dann der dritte Stock der Zeppelinschule.

Daten & Fakten: Das wird in städtische Gebäude gesteckt

Für den Bauunterhalt von Gebäuden im Besitz der Stadt sind in den vergangenen fünf Jahren nach Verwaltungsangaben jeweils zwischen 4,6 und 5,8 Millionen Euro ausgegeben worden. Darin seien auch Kleinigkeiten wie gewechselte Glühbirnen enthalten. Durchschnittlich 3000 Rechnungen müssten pro Jahr überwiesen werden. Einen Teil der Projekte plane das städtische Gebäudemanagement selbst, andere würden an externe Partner vergeben. Drei der größten Projekte 2022 fielen in die letztgenannte Kategorie: die Generalsanierung der Wohn- und Geschäftshäuser Wormser Straße 8 (1,8 Millionen Euro) und Kutschergasse 3 (390.000 Euro) sowie der Neubau der Feuerwache Nord (2,6 Millionen).

Einige weitere Beispiele aus der Investitionsliste: Boden, Decke und Fenster Sporthalle Siedlungsschule 180.000 Euro, Aufzug und Boden der Gymnastikhalle Purrmann-Gymnasium 200.000, Fachraum-/Dachsanierung Gymnasium am Kaiserdom 1,2 Millionen, Dachsanierung IGS 600.000 Euro, WC-Sanierung Festplatz 150.000 Euro, neue WC-Anlage Löffelgasse 100.000, Umbau von zwei Läden zum Familienzentrum Süd 200.000, Erweiterung Purrmann-Haus 150.000 Euro.

Kürzlich erneuert: WC-Anlage. Rektor Wolfgang Braunstein zeigt sie Ilona Bast (links) und Stefanie Seiler.
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Mehr als 100 Jahre alter Aufzug: Architektin Bast kündigt Ersatz an.
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Dachboden: Kürzlich gedämmt und mit Lüftungsanlage versehen worden.
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