Speyer Wochenchronik:

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Geschichtsträchtig war diese Woche wieder, also das heißt, Geschichten und Geschichtchen hat sie zutage gebracht, man glaubt es fast nicht. Aber wie heißt es doch so treffend? Es hört nicht auf zu passieren. Da ist etwa die Geschichte von der Stauferstele, die in Speyer, Grablege des mittelalterlichen Herrschergeschlechts, aufgestellt werden soll. Schon etwas peinlich, wie sich da Stadt und Domkapitel durch gepflegtes Nicht-Entscheiden aus der Verantwortung stehlen, die Stauferfreunde aus Baden-Württemberg hängen lassen. Drei Jahre alt ist die Anfrage. Für Oktober ist nun eine Diskussion darüber in Aussicht gestellt, ob und vor allem wo das breite, trutzige Steinmonument einen Platz finden könnte. Wer die Entschlussfreude des Stadtparlaments kennt, dem schwant nichts Gutes. So kann man sein Erbe auch ordentlich mit den Füßen treten. Die Staufer sind zwar schon lange tot. Aus Sicht der 2000 Jahre alten Hauptstadt der Pfalz kommt es da auf ein paar Jahre mehr oder weniger nicht mehr an, denken sich wohl die Entscheider. Wehren werden sich die Herrscher von früher persönlich sicher nicht mehr gegen ihr Abschieben auf die Warteliste. Eine gute Geschichte ist auch dem Gymnasium am Kaiserdom (GaK), beziehungsweise seinem scheidenden Schulleiter Peter Zimmermann mit der Verabschiedungsfeier in der Stadthalle gelungen. Die Regie des „Feier-Abends“ für den verdienten Pädagogen sah vor, keine Grußwort-Redner ans Pult treten zu lassen, um Zeit und Geduld der Besucher nicht überzustrapazieren. Die zahlreich eingegangenen Glückwunsch- und Huldigungsschreiben waren fein säuberlich ausgedruckt und an Stellwänden im Foyer aufgehängt worden. So weit, so klug. Vor allem, weil an dem Abend 30 Grad herrschten und jeder schon bei der Ankunft stöhnte. Doch die Dimension der Gak’schen Klugheit wurde erst am Ende richtig deutlich. Weil nur der ans Pult durfte, der protokollarisch unbedingt musste, Theater gespielt und musiziert wurde, waren dennoch gut zwei Stunden um, als sich die Saaltür wieder öffnete. In der Kürze liegt die Würze. Oder: Ohne Schweiß kein Preis. Geschaffen für gute Geschichten ist die Sommerredaktion. In dieser Woche war es wieder so weit. Die Gattin von Landrat Clemens Körner, die Musikerin Silvia Körner, hat am Rande ihres Besuchs die Geschichte noch einmal bestätigt, wie froh sie sei, dass ihr Göttergatte noch eine Runde dranhängen will in seinem geliebten Amt. Selbstverständlich geht sie davon aus, dass er das Rennen auch macht, ganz gleich, wieviele Konkurrenten ihm auch den Stuhl im Kreishaus streitig machen wollen. Warum? Sie kann sich ihren Clemens – unlängst 57 geworden – in absehbarer Zeit eben wirklich noch nicht in der Rolle des Pensionärs vorstellen. Zumal sie befürchten muss, er könnte dann ganz in seinem größten Hobby aufgehen. Der Politiker kocht sehr gerne, sehr gut und am liebsten sehr aufwendig. Wenn er nicht gerade Akten verschlinge, vergrabe er sich am liebsten in Kochbücher. Etwa im anstehenden Urlaub im Ferienhaus in Spanien. Um dann zu überlegen, womit er heute wohl seine Liebste – und sich natürlich – verwöhnen könnte. Das schmeckt der Frau Landrat nicht immer. Auch wenn es noch so gut ist, was er auf den Tisch bringt. Oder die Story, die der Speyerer DGB-Chef und Mitarbeiter der Stadt, Axel Elfert in der Sommerredaktion noch auspackte, kurz bevor er wieder ins Rathaus „an die Werkbank“ musste, weil seine Mittagspause vorbei war: Als ein Kumpel und er, beide gerade 19 Jahre jung, es eines Samstagnachts nicht mehr bis nach Hause schafften, weil sie unterwegs entsetzlich müde wurden, betteten sie sich im Kelch des Domnapfs zur Ruhe. Sie schlummerten dort noch tief den Schlaf des Gerechten, als bereits die Glocken des Doms zur sonntäglichen Morgenmesse riefen. „Ältere, schwarz gekleidete Frauen“, so erinnert sich der damals unsanft Geweckte, hätten zeternd den Frevel beklagt und die Polizei gerufen. Die kam und nahm Elfert & Co mit zur Wache. Sein Vater musste den „ausgeschlafenen“ Sohn dort wieder abholen. Was der dazu sagte, verriet Elfert nicht im Detail. Aber er hat angekündigt, diese und andere Geschichten aufzuschreiben und damit eine andere Stadtgeschichte vorlegen zu wollen. Speyer aus dem Domnapf betrachtet sozusagen. Das könnte ein Erfolg werden. Vor allem, wenn drinsteht, was Papa Elfert sagte, als er Sohnemann bei der Polizei abholte. Zum Glück läuft sie noch im Technik-Museum, die große Sonderausstellung „Very British – Royals, Mini, Teatime und Co.“. Denn das ist ja auch so eine Speyerer Geschichte der Woche: Nach dem Brexit, den die auf ihre demokratische Tradition so stolzen Untertanen auf der Insel jetzt knapp, aber mehrheitlich fordern, droht in Speyer nun auch noch der „Spaldit“ – der Exit aus der seit 1956 bestehenden, ältesten Städtepartnerschaft Speyers, der mit Spalding. Unglaublich. Selbst bei der Fußball-EM raus gegen Island. Und nun auch noch das. Selbst wenn die 30 Gäste aus Spalding, für die am Donnerstag schon die Maximilianstraße rot-weiß geflaggt war, zum Brezelfest kommen, um Partnerschaftsjubiläum zu feiern. Ein Gegen-Brexit ist das noch nicht. So wenig England war schon lange nicht mehr in Europa, wie es sich seit Donnerstag vergangener Woche gerade abzeichnet. Großbritannien kommt jetzt endgültig ins Museum – als Lehrstück für Aufstieg und Fall einer Nation. Ade Commonwealth, servus Great Britain, tschüss England. Näheres zu bestaunen vorerst noch bis 18. September im Technik-Museum Speyer. Man sollte ernsthaft prüfen, aus der Sonder- eine Dauerausstellung zu machen. Ergänzt um das Kapitel Städtepartnerschaft. Schön. War es einmal. God save the Queen. Ein grünes Stöckchen der Sympathie: Mit einem voll im Saft stehenden Strauch Basilikum im Töpfchen statt mit Blumen hat die Fraktionssprecherin der Grünen im Stadtrat, Irmgard Münch-Weinmann, am Donnerstag ihren neuen (alten) Kollegen Owe-Karsten Lorenz wieder an ihrer Seite auf der Oppositionsbank begrüßt. Er ist für Anne Spiegel nachgerückt. Sie ist zur Ministerin im Mainzer Ampel-Kabinett aufgerückt. Eine nette Geste ist das von Irmel und nachhaltig auch. Vorbei sind die Zeiten, in denen Grüne mit Sonnenblumen mit hängenden Köpfen und Tannenbäumchen mit rostigen Nadeln (Protest!) in Parlamente zogen. Die frisch gezupften Basilikum-Blättchen kann sich Lorenz immerhin auf die Pizza streuen, während „Jogis Jungs“ in Bordeaux die Italiener klein machen. Guten Appetit und überhaupt ein leckeres Wochenende wünscht | Stefan Keller DOPPELTERZEILENUMBRUCH

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