Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel Wieso im Speyerer Umland drei Kirchen nach Sankt Martin benannt sind

In der Kirche St. Martin in Waldsee: Mit einem Gemälde wird dem heiligen Martin (geboren um 316/317, gestorben 397) gedacht, der
In der Kirche St. Martin in Waldsee: Mit einem Gemälde wird dem heiligen Martin (geboren um 316/317, gestorben 397) gedacht, der seinen roten Mantel mit einem armen Mann teilt. Foto: krx

Am Montag, 11. November, wird traditionell dem heiligen Martin gedacht. Im Speyerer Umland sind gleich drei Kirchen nach ihm benannt.

In Hanhofen, Lingenfeld und in Waldsee wurde der heilige Martin – der dritte Bischof der französischen Stadt Tours – als Patron der katholischen Kirche gewählt. Nach Angaben des Speyerer Bistumsarchivs gehören die Martinskirchen neben den Stephans- und Michaelskirchen zu den ältesten Kirchen in der Pfalz. Dass es im Speyerer Umland gleich drei Kirchen mit diesem Namen gibt, dürfte laut Bistumsarchiv an deren Alter beziehungsweise dem hohen Alter der Orte liegen.

Hanhofen wird laut Bistumsarchiv im Jahr 1156 erstmals sicher erwähnt, als der Ortsname „Heinhoven“ auftaucht. Im Lorscher Buch (769 bis 783) wird jedoch bereits mehrfach der Name Hagenheim genannt, der sich mit Heim am Hagen – also am Buschwald – erklären lässt. Laut Bistumsarchiv ist ein Ort mit „Heim“ ein klarer Hinweis auf die Franken. Und deren Heiliger war der Martin.

Bei Waldsee verhält es sich nach Angaben des Bistumsarchivs ebenso: „Die mundartliche Form von Waldsee ,Walse’ verrät ebenso wie die frühe urkundliche und kirchengeschichtliche Erwähnung im 8. Jahrhundert, dass es sich auch bei dieser Gemeinde um einen ,Heim’-Ort handelt – ,Walahesheim’ (Heim des Walah).“

Im Fall von Lingenfeld lassen Aufzeichnungen im Bistumsarchiv vermuten, dass das Martinspatrozinium von Westheim übernommen worden sein könnte, weil Lingenfeld 1318 als Filiale von Westheim erwähnt wurde und erst 1483 eine selbstständige Pfarrei wurde. Pastoralreferent Thomas Bauer von der Großpfarrei, zu der auch die Lingenfelder Pfarrgemeinde St. Martinus gehört, spricht diesen Aspekt auf Anfrage ebenfalls an. Martinus ist die lateinische Form von Martin.

Nach Bauers Angaben wird der Name des Lingenfelder Kirchenpatrons erstmals in einer Urkunde vom 11. April 1483 erwähnt. Darin werde dargelegt, wie sehr der Lingenfelder Gemeinde St. Martin die Vermehrung und Verbesserung der gottesdienstlichen Versorgung am Herzen lag und wie viele Bittgänge und wie viel Aufwand es erforderte, bis der Bischof und Generalvikar die nötigen Zusagen für eine selbstständige Lingenfelder Pfarrei erteilten. Für die Kirchengemeinde sei Sankt Martin immer noch ein gutes Vorbild. „Er hat vorgelebt, dass Christsein vor allem auch tätige Nächstenliebe heißt“, sagt der Pastoralreferent.

23 Martinskirchen im Bistum

Im Bistumsarchiv gibt es nach Angaben eines Mitarbeiters kaum sichere Quellen, wie die Pfarreien damals gegründet wurden und wer die entscheidende Person bei der Namensgebung war. Sicher gesagt werden kann aber, dass es im Bistum Speyer derzeit 23 Martinskirchen gibt. Im Speyerer Umland komme der Name nicht häufiger vor als in anderen Teilen des heutigen Bistums Speyer, heißt es aus dem Bistumsarchiv.

Vor mehr als 200 Jahren sei das Bistum Speyer sowie fast die gesamte heutige Pfalz nördlich der Queich dem Bistum Mainz zugeordnet gewesen. Und dessen Patron ist der heilige Martin. „Somit wurde in den Jahren 1802 bis 1817 der heilige Martin auch in den meisten pfälzischen Gemeinden als Bistumspatron gefeiert“, heißt es vom Bistumsarchiv.

Zur Sache: Martinsumzüge im Speyerer Umland

In allen Ortsgemeinden im Speyerer Umland gibt es teilweise bereits heute oder in den kommenden Tagen Martinsumzüge. Eine Übersicht, wo es wann losgeht und was geboten wird:

Dudenhofen: Der Martinsumzug geht am Montag, 11. November, ab 18 Uhr vom Rathaus über die Amalienstraße und die beiden Brücken auf den Festplatz. Dort wird ein Martinsspiel aufgeführt.

Hanhofen: Zu Ehren des Heiligen Martin findet am Sonntag, 10. November, ab 17.30 Uhr ein Wortgottesdienst mit Martinsspiel in der Kirche statt. Danach ziehen die Kinder mit ihren Laternen zum Pfarrheim.

Harthausen: In Harthausen wird bereits am heutigen Freitag dem heiligen Martin gedacht. Um 17.30 Uhr gestalten die Kinder der Kindertagesstätte Dominikus einen Wortgottesdienst in der Pfarrkirche. Danach ist ein Martinsumzug.

Lingenfeld: Die Martinsfeier beginnt am Montag, 11. November, 17.30 Uhr, mit einem Gottesdienst in der katholischen Kirche, der von der Kita St. Elisabeth und den Martin Singers gestaltet wird. Der Umzug beginnt vor der Kirche und führt über die Haupt-, Kloster-, Stettenberg-, Hofgraben- und Schulstraße zum Parkplatz der Verbandsgemeinde. Dort erwartet die Teilnehmer das Martinsfeuer. Die Anwohner der Straßen, durch die der Zug führt, sollen ihre Autos an diesem Abend nicht auf der Straße parken.

Otterstadt: In Otterstadt beginnt der Martinsumzug am Montag, 11. November, um 18.30 Uhr an der Grundschule. Von dort ziehen die Teilnehmer durch Luitpold-, Quer- und Ringstraße zum Königsplatz. Dort ist das Martinsschauspiel. Die Anwohner der genannten Straßen werden gebeten, keine Autos dort zu parken.

In Berghausen wird am Samstag, 9. November, ab 17 Uhr Sankt Martin gefeiert. Der Umzug startet an der Grundschule und geht zum Platz neben der Kirche.

In Heiligenstein ist der Martinsumzug bereits am heutigen Freitag. Um 17 Uhr beginnt das Martinsspiel in der Pfarrkirche St. Sigismund. Anschließend geht der Umzug zur Kita.

In Mechtersheim wird der Martinstag am Montag, 11. November, um 18 Uhr auf dem Schulhof gefeiert. Anschließend führt der Umzug über die Schwegenheimer Straße zum Lindenplatz, auf dem die Feuerwehr das Martinsfeuer entzündet. Die Anwohner werden gebeten, ihre Fensterbänke mit Martinslichtern zu schmücken.

Schwegenheim: Das „Lichter- und Laternenfest“ ist am Montag, 11. November. Der Gottesdienst in der protestantischen Kirche beginnt um 17 Uhr, um 17.30 Uhr startet der Laternenumzug zum Kerweplatz, wo es ein Martinsspiel gibt.

Waldsee: Der Martinsumzug und das Spiel sind am Dienstag, 12. November, ab 18 Uhr im Schulhof der Hermann-Gmeiner-Schule.

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