Speyer Wieder zwei Kreischefs, die keine Pfälzer sind
Mit Ludwig Kollmann kam 1850 der vierte Landkommissär des heutigen Landkreises Germersheim ins Amt – erneut kein Pfälzer, denn der Sohn eines Dorfschullehrers wurde 1810 im niederbayerischen Geisenhausen (heute Kreis Landshut) geboren. Sein Nachfolger war Josef Megele, der aus Mainz stammte.
Nach dem Studium der Rechtswissenschaften in München durchlief Ludwig Kollmann einige Dienststellen und Ämter bei der Regierung von Oberbayern, bevor er sich 1841 um eine Stelle als „Regierungs-Sekretär 2. Klasse“ bei Behörden in Oberbayern bewarb. Trotz Befürwortung seitens seiner Vorgesetzten, die ihm „ausgezeichnete Kenntniße und Geschäfts-Gewandheit“ wie auch „musterhaften Fleiß“ bestätigten, dauerte es bis zum 31. Dezember 1843, bis ihn König Ludwig I. ins angestrebte Amt beförderte. Allerdings kam er zur Regierung der Pfalz in Speyer, wo eine Stelle frei war. Ab 1845 reichte Ludwig Kollmann einige Versetzungsanträge auf heimatnahe Stellen ein, die er stets mit den hohen Lebenshaltungskosten in Speyer und der großen Entfernung zu seiner Familie – er hatte nach dem Tod der Eltern fünf Geschwister zu versorgen – begründete. Doch Kollmann sollte in der Pfalz bleiben, zunächst als Regierungsassessor in Speyer und ab 1. November 1850 als Landkommissär in Germersheim, was eine beachtliche Gehaltserhöhung für ihn bedeutete. Auch die nun folgenden Versetzungsanträge blieben erfolglos. Nach zwei Jahren und vier Monaten in Germersheim ernannte man Kollmann, der damals 42 Jahre alt und noch unverheiratet war, zum Landkommissär in Kirchheimbolanden. 1862 wurden alle pfälzischen Landkommissariate in Bezirksämter umgewandelt und Kollmann führte nun die Amtsbezeichnung Bezirksamtmann. Seine Amtszeit in Kirchheimbolanden dauerte noch bis 1879, bevor man dem nun 68 Jahre alten Beamten nahelegte, die Versetzung in den Ruhestand zu beantragen. Was seine Persönlichkeit anging, so waren „Heftigkeit und Reizbarkeit“ nebst „vielfacher störender Eigenthümlichkeiten“ festgestellt worden. Im Oktober 1879 kehrte Kollmann nach München zurück. Dort verblieben ihm allerdings nur noch wenige Jahre, bevor er in der „Kreisirrenanstalt“ von Oberbayern verstarb. Nach einer mehrmonatigen Übergangszeit wurde das Amt des Landkommissärs in Germersheim erst im Juni 1853 mit Josef Megele neu besetzt. Megele war 1804 als Sohn eines Steuerkontrolleurs in Mainz geboren worden. Nach den Universitätsstudien legte er die Staatsprüfung ab und schlug in der Folgezeit den Dienst als Verwaltungsbeamter ein. Nach Stellen in Homburg, Landau, Bergzabern und Pirmasens kam Megele ins Landkommissariat Germersheim. Hier dachte er daran, sich erneut zu verheiraten, denn seine erste Ehefrau, war 1847 verstorben. Daher bat er beim Regierungspräsidium der Pfalz in Speyer um Erlaubnis; das war bei ranghohen Beamten wie ihm vorgeschrieben. Dass Megele seine 28 Jahre alte Haushälterin Magdalena Müller vor den Traualtar führen wollte, rief jedoch bei der vorgesetzten Behörde Argwohn hervor. Man bezweifelte nämlich, ob sie als bisherige Haushälterin den hohen Anforderungen entsprechen könne, die von der Gattin eines Landkommissärs erwartet wurden. Das Münchner Ministerium empfahl der Speyerer Behörde, über Magdalena Müller Erkundigungen einzuziehen, um beurteilen zu können, welchen Eindruck die Eheschließung wohl auf die Bevölkerung machen würde. Megele blieb jedoch beharrlich, und am 29. November 1855 traute Germersheims Bürgermeister Georg Schmitt Megele und Müller, nachdem die königliche Regierung in Speyer die Heirat erlaubt hatte. 1862 wurde Megele „Bezirksamtmann“. Doch konnte er sich an der neuen Amtsbezeichnung in Germersheim, das im Zeichen des fast abgeschlossenen Festungsbaus aufgeblüht war, nicht mehr lange erfreuen: Am 20. April 1867 verstarb er mit 63 Jahren. Seit Grab auf dem Germersheimer Friedhof blieb nicht erhalten. SERIENINFO Die RHEINPFALZ nimmt den 200. „Geburtstag“ des Kreises Germersheim zum Anlass, dessen Führungspersönlichkeiten in lockerer Folge vorzustellen.