Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel Wandergesellin Regina Schreyer macht bei „Brotpuristen“ Halt

Speyerer Backstube: Bei den „Brotpuristen“ in der Auestraße hat Regina Schreyer aus Oberfranken in den vergangenen Tagen mitgear
Speyerer Backstube: Bei den »Brotpuristen« in der Auestraße hat Regina Schreyer aus Oberfranken in den vergangenen Tagen mitgearbeitet.

Aus Oberfranken in Bayern hat es Regina Schreyer nach Speyer verschlagen. Seit mehr als einem Jahr ist die 21-jährige Bäckerin auf Wanderschaft und hat jüngst bei den „Brotpuristen“ angeheuert. Dabei hält sich die junge Frau streng an die von der Tradition vorgegebenen Regeln.

Mit einer abgeschlossenen Bäckerausbildung in der Tasche startete Regina Schreyer im November vergangenen Jahres in ihre Wanderjahre. „Bisher war ich im deutschsprachigen Raum unterwegs, habe ein bisschen an den Nachbarländern gekratzt: Dänemark, Polen zum Beispiel, aber so richtig im Ausland gewesen bin ich noch nicht“, sagt sie bei einem Besuch der RHEINPFALZ an ihrem neusten Stopp auf der Walz: den „Brotpuristen“ in der Speyerer Auestraße.

Arbeit zu finden sei für Wandergesellen nicht schwer, berichtet die 21-Jährige. Oft klappe das auch ohne Smartphone oder Laptop: „Man hört sich vorher bei den Leuten um, beziehungsweise die Leute erzählen meist schon automatisch, wo man hingehen kann“, sagt Schreyer. In den Bäckereien werde sie dann beim Meister vorstellig und frage nach Arbeit.

Kein Smartphone

Um auf Wanderschaft gehen zu können, muss Schreyer bestimmte Bedingungen erfüllen. So verzichtet sie zum Beispiel darauf, elektronische Geräte zu nutzen. Traditionell geben die Gesellenvereinigungen auch vor, dass die Wanderer unter 30 Jahre alt, unverheiratet und kinderlos sein sollen. Sie dürfen außerdem keine Vorstrafen oder Schulden haben. „Du musst halt ohne Verpflichtungen in der Heimat sein“, erklärt die Bayerin den Hintergrund. „Unabhängigkeit von der Heimat ist ein wichtiger Punkt.“

Auch deshalb gelte unter den Gesellen die Regel, der Heimat nicht mehr näher als 50 Kilometer zu kommen, während sie unterwegs sind. „Du darfst nicht durchfahren, während du trampst, und auch nicht durchlaufen“, sagt Schreyer. „Du darfst auch nicht an Weihnachten oder an Geburtstagen nach Hause kommen.“ Die Wanderjahre sind nichts für jedermann, ist sich Schreyer sicher. „Das ist nichts für Leute mit Heimweh“, sagt sie. „Das verliert sich aber, man erlebt jeden Tag Neues.“

Goldener Anstecker

Drei Jahre lang will Schreyer insgesamt auf Wanderschaft sein. Etwas mehr als ein Jahr hat sie bereits hinter sich gebracht. Sie ist Mitglied in der Gesellenvereinigung „Vereinigte Löwenbrüder und Schwestern Europas“, die es laut Schreyer erst seit fünf Jahren gibt und die auch Schacht genannt wird. „Es gibt Schachten für die verschiedenen Handwerke“, erklärt Schreyer und deutet auf den goldenen Anstecker auf ihrem Revers, der zwei Löwen und eine Ähre mit einer Weltkugel zeigt. Am bekanntesten sei die Wanderschaft zwar bei Zimmerleuten, aber auch in anderen Handwerksberufen sei sie verbreitet.

Versteift auf eine Tätigkeit sind die Wandergesellen nicht. „Im April war ich auf einer ehrenamtlichen Baustelle“, erzählt Schreyer. Wandergesellen unterstützen mit ihrer Arbeit durchaus auch soziale Projekte. „Da habe ich mal in ein anderes Handwerk reingeschaut beziehungsweise in mehrere. Es gab aber auch einen Holzofen, da konnte ich auch ein wenig spielen“, sagt Schreyer.

Besuch auf Inseln

Auf ihrer Reise treffen Wandergesellen immer wieder Gleichgesinnte, berichtet die junge Frau. Oft gehe man dann gemeinsam ein Stück des Weges. So war Schreyer etwa mit zwei anderen Reisekameraden in Dänemark und hat sich mit ihnen nordfriesische Inseln wie Sylt, Amrum und Föhr angeschaut.

Pünktlich zum Heiligen Abend ging die Station in Speyer für Schreyer zu Ende. Nach getaner Arbeit gab es noch ein gemeinsames Essen mit der Belegschaft. Weihnachten hat die Bayerin dann mit anderen Wandergesellen an der niederländischen Grenze gefeiert. In den kommenden Tagen geht es in die nächste Bäckerei.

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