Speyer Waldsee: Hoffnung für Campinggebiet schwindet
Dass es mit dem Campinggebiet „Auf der Au“ bei Waldsee auch über das Jahr 2020 hinaus weitergeht, wird immer unwahrscheinlicher. Ein letzter Versuch des Betreibers, Grundstückseigentümer zu einer Unterschrift unter neue Pachtverträge zu bewegen, scheiterte am Dienstag. Unterdessen wehren sich Camper gegen eine Schließung. Es bleibt die Hoffnung auf einen deutlich verkleinerten Campingplatz.
Rückblick: Der Generalpachtvertrag der rund 150 Grundstückseigentümer mit der GmbH „Naherholung in den Rheinauen“, deren Geschäftsführer Landrat Clemens Körner (CDU) ist, läuft Ende 2020 aus. Die GmbH, die mehrere Campinggebiete betreibt, selbst Pacht von den Campern erhält und ihrerseits Pacht an die Grundstücksbesitzer zahlt, hat den Eigentümern neue Verträge vorgelegt. Nach diesen bekämen die Grundstücksbesitzer nur noch einen Bruchteil der bisherigen Pacht. Außerdem sollte das Gebiet von einst 3500 auf rund 1000 Parzellen deutlich verkleinert, aber auch modernisiert werden. Der Grund ist, dass die Anzahl der Camper seit Jahren abnimmt und die GmbH Verluste macht. Das Gebiet, das nach dem Plan verbleiben würde, liegt rechts und links der Hauptwege III und IV im Südosten des Campingplatzes. Es gehört zu rund einem Drittel der Ortsgemeinde Waldsee, die restliche Fläche ist ein Flickenteppich verschiedener Eigentümer.
Versuch, kleinere Fläche zu retten, scheitert
Doch wenn nicht noch ein Wunder geschieht, wird aus diesen Plänen nichts: Wie Clemens Körner und der Handlungsbevollmächtigte für die GmbH beim Kreis, Thomas Eberhard, im Gespräch mit der RHEINPFALZ erklären, hätten bis Anfang dieser Woche von 72 nötigen Unterschriften von Eigentümern innerhalb der geplanten verbleibenden Campingfläche 24 noch nicht vorgelegen. Ein Versuch, wenigstens einen kleineren Teil der Fläche – bestehend aus dem Gelände im Besitz der Ortsgemeinde Waldsee südwestlich des Hauptwegs IV und dem Gebiet zwischen Hauptweg III und IV – zu retten, scheiterte laut Körner am Dienstag: Einer Einladung der GmbH seien nur drei von acht Eigentümern von Grundstücken in dem dafür nötigen Gebiet gefolgt. Nur einer habe noch unterschrieben. Da die Grundstücke, deren Eigentümer mit den neuen Verträgen einverstanden wären, wie auf einem Flickenteppich verteilt sind, lässt sich das Gelände laut Körner so nicht für einen Campingplatz nutzen. Bleibt noch das zusammenhängende Gebiet im Eigentum der Ortsgemeinde Waldsee im Südwesten übrig. Laut Körner steht der Waldseer Ortsbürgermeister Otto Reiland (CDU) der Idee, dass es dort mit Camping weiter gehen könnte, positiv gegenüber. Allerdings wären hier lediglich zwischen 300 und 400 Parzellen vorhanden. In welcher Form die GmbH dort weiter mit im Boot bliebe, ist noch völlig offen.
Plätze müssen bis Ende des Jahres geräumt sein
Eine endgültige Entscheidung, wie es mit dem bisherigen Campinggebiet „Auf der Au“ weitergeht, trifft der Aufsichtsrat der GmbH, dessen nächstes Treffen noch nicht terminiert ist. „Ich werde dem Aufsichtsrat sagen, dass wir noch mal verhandelt haben, ein Weiterbetrieb wegen der Sperrgrundstücke derer, die nicht unterschrieben haben, aber keinen Sinn macht“, kündigt Körner an. Sehe dies der Aufsichtsrat auch so, würden die Campingplätze zum 30. September 2020 gekündigt. Geräumt sein müssen sie bis Ende des gleichen Jahres. Der Rückbau, für den die GmbH verantwortlich ist, soll bis Mai 2021 erfolgen. „Wir wollen den Campern relativ schnell klar machen, dass sie keine große Zukunft mehr auf dem Campinggebiet haben“, sagt Körner. Auch wenn er die emotionale Bindung vieler Camper an den Platz verstehen könne, wehrt er sich gegen Vorwürfe, die GmbH oder ihre Vorgängerin in Vereinsgestalt habe das Campinggebiet absichtlich vernachlässigt und Geld aus dortigen Pachteinnahmen in andere Campingplätze wie das Reffenthal gesteckt (siehe „Zur Sache“). Ohne Gewinne aus den anderen Plätzen wären laut Körner die Verluste der GmbH noch größer. „Je mehr Leerstände es gibt, umso weniger Umsatzerlöse haben wir“, sagt er. Die Betriebskosten sinken nicht im gleichen Maß, da zum Beispiel leer stehende Parzellen freigeschnitten werden müssten. Körner verweist als Beispiel auf das Jahr 2016, in dem es für das Campinggebiet „Auf der Au“ einen Fehlbetrag von rund 225.000 Euro gab.
Separate Abkommen unbedingt verhindern
„Von uns ist in der Vergangenheit sicher auch nicht immer alles richtig gemacht worden“, sagt der Landrat. Möglicherweise sei auf gewisse Änderungen nicht schnell genug reagiert worden. Die Abwärtsentwicklung auf dem Campinggebiet habe vor rund 20 Jahren eingesetzt. Dass einzelne Grundstückseigentümer und Camper separate Abkommen treffen, will Körner unbedingt verhindern, da seiner Ansicht nach chaotische Zustände wie vor Gründung des Vereins „Naherholung in den Rheinauen“ drohen. Dass trotz der möglichen Schließung weiterhin freie Plätze an Dauercamper angeboten werden, bestätigen Körner und Eberhard. Allerdings lägen diese auf dem Gelände der Ortsgemeinde. Den Eigentümern, die nicht unterschrieben haben, mehr anzubieten als die in den neuen Verträgen vorgesehene Pachtzahlung von drei Cent pro Quadratmeter und Jahr – beziehungsweise einem Cent, wenn das Gelände außerhalb des verkleinerten Platzes liegt –, kommt für den Landrat nicht in Frage. „Wir haben von Anfang an gesagt, dass alle das Gleiche bekommen.“ Sollten bis zur Entscheidung des Aufsichtsrats wundersamerweise die übrigen Grundstückseigentümer doch noch die vorgelegten Verträge unterschreiben, wäre ein Weiterbetrieb des Campingplatzes immer noch möglich – theoretisch. „Wir schlagen die Tür nicht zu“, sagt Körner. Die Hoffnung darauf schwindet aber mit jedem Tag.