Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel Vorsitzender des Künstlerbundes Speyer: „Habe erkennen müssen, was machbar ist und was nicht“

Reinhard Ader
Reinhard Ader Foto: Privat

Herr Ader, waren Sie diese Woche schon im Ehrenamt tätig?
Zurzeit laufen die Vorbereitungen für unsere Ausstellung von Tanja Vetter am 15. November. Hierfür aktualisiere ich unsere Homepage und bereite eine Laudatio vor. Außerdem habe ich gestern einen Brief aus Chartres erhalten wegen eines Stipendiaten, den ich übersetzen und beantworten muss. Dabei hilft mir der Google-Übersetzer sehr.

Wie sind Sie zum Ehrenamt gekommen?
Nachdem 2017 der bis dahin tätige Vorsitzende für dieses Amt sich nicht mehr aufstellen lassen wollte, habe ich angeboten, den Künstlerbund weiterzuführen, was bei der Wahl durch die Mitglieder bestätigt wurde.

Was fällt für das Amt an – welche Aufgaben, welcher Zeitaufwand?
Je nach Arbeit kann es sein, dass ich acht Stunden am Tag oder bis in die Nacht für den Künstlerbund tätig bin. Zum Beispiel zur Vorbereitung einer Ausstellung mit Ausarbeitung der jeweiligen Laudatio, Arbeit an der Homepage, Bündelung von Anmeldungen der Mitglieder für eine Ausstellung, Pflege der Adresskartei – das Ehrenamt reicht bis zum Schneiden der Weinreben im Hof des Künstlerhauses. Zum Glück bin ich zum einen Pensionär – bis 2012 war ich auch Kunsterzieher am Kurfürst-Ruprecht-Gymnasium in Neustadt – sodass ich jetzt die notwendige Zeit aufbringen kann. Zudem habe ich ein gutes Vorstandsteam, das mich unterstützt: Thomas Mann, Zweiter Vorsitzender, hauptsächlich für die Grafik zuständig, Georg Karbach, unser Kassenwart und Spezialist für Getränkeeinkauf, Margarete Stern, Schriftführerin und zuständig für die Pflege der Facebook- und Googleseite, und Gisela Desuki, Beisitzerin. Zudem haben wir jedes Jahr einen Stipendiaten aus dem Ausland zu Gast bei uns, der vom Vorstand als auch den Mitgliedern des Künstlerbundes betreut wird.

Haben Sie ein besonderes Talent dafür, das gewisse Etwas?
In diesen zwei Jahren als Vorsitzender habe ich sehr viel gelernt. Ich habe erkennen müssen, was machbar ist und was nicht. Aber meine Haupteigenschaft ist, dass ich zäh an etwas dran bleiben kann, überhaupt wenn ich denke, dass sich der Erfolg lohnt. In diesem Fall mit dem Künstlerbund und seiner jetzt 35-jährigen Tradition, die aktuelle Kunst unserer Region mitzugestalten. Im Übrigen ist es ein Grundsatz, den ich versuche zu beherzigen: Die Suppe wird nicht so heiß gegessen, wie sie gekocht wird.

Wann geht Ihnen das Herz auf?
Wenn wir eine Ausstellung haben, viele Gäste sich in unserem Künstlerhaus eingefunden haben, wie bei der Kult(o)urnacht, und die Mitglieder aktiv mitgestalten. Dann habe ich den Eindruck, dass sich all die Mühe lohnt und es gibt mir Mut, weiterzumachen.

Und wann platzt Ihnen der Kragen?
Wenn ich Mitgliedern „hinterherrennen“ muss, um unter anderem Infos oder Mitgliedsbeiträge einzufordern. Das macht unnötig viel Mehrarbeit. Und: Wenn dumm über andere gebabbelt wird.

Sie tun etwas für andere – wie kann man Ihnen helfen?
Die meiste Hilfe erhalte ich durch die übrigen Vorstandsmitglieder, aber auch durch die Stadt Speyer, die uns unterstützt. Ebenso habe ich einige Sponsoren für uns gewinnen können, die einen nicht unerheblichen finanziellen Beitrag leisten. Was ich mir erhoffe, ist mehr Aktivität und Mitarbeit durch die Mitglieder.

Und bleibt neben dem Ehrenamt auch genügend Zeit für Ihr Privatleben?
Nach meiner Retrospektive in der Städtischen Galerie vom 8. November bis 8. Dezember, der Ausstellung von Tanja Vetter im Künstlerbund, der Suche nach dem Stipendiaten für 2020 aus Chartres, der Jahresmitgliederversammlung Ende November, der Vorbereitung der Kult(o)urnacht für 2020 mit Künstlern aus Neustadt – ist erst einmal Pause. Meine Lebensgefährtin und ich haben zwei Hunde, einen großen Garten mit Feigenbaum, um den wir uns kümmern und Marmelade herstellen, und ich lese gerne. Zurzeit „Unterleuten“ von Juli Zeh. Und als Künstler ist und bleibt die Kunst das Leben, eigentlich 24 Stunden am Tag und nachts.

Zur Person

Reinhard Ader (70) führt seit 1998 ein Atelier in Speyer. Er ist seit 1988 Mitglied im Künstlerbund Speyer, seit 1986 beim Berufsverband Bildender Künstler Rheinland-Pfalz (BBK). Seit 2017 Vorsitzender des Künstlerbundes Speyer.

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