Speyer
Vor 175 Jahren: Ein Bahnhof für die Domstadt
Ein Jahr, nachdem pfälzische Geschäftsleute, darunter auch der Speyerer Verleger Georg Friedrich Kolb, 1837 den Bau einer Bahn vom Saar-Kohlenrevier zum Hafen der Rheinschanze gegenüber Mannheim angeregt hatten, kam aus München das Okay. König Ludwig I. erlaubte am 30. März 1838 die Gründung der „Bayerische Eisenbahngesellschaft der Pfalz, Rheinschanze – Bexbacher Bahn“. Deren Schiene sollte von der später Ludwigshafen genannten Rheinschanze über Speyer, Neustadt, Kaiserslautern bis an die Grenze im preußischen Bexbach/Saar führen. Aber die 1844 in Pfälzische Ludwigsbahn umbenannte Firma verzichtete auf Drängen ihrer Aktionäre zu Gunsten Schifferstadts auf den Umweg über Speyer.
Das ließen sich die Stadtväter nicht gefallen. Sie baten den König in München „allerunterthänigst“, dagegen einzuschreiten. Majestät aber rührte sich nicht, Bittschriften blieben ohne Antwort. Speyerer Bürger, vorwiegend Geschäftsleute, handelten und erklärten sich bereit, zum Mehraufwand für der Schienenführung über Speyer 500.000 Gulden beizutragen. Der Bahnhof solle „in möglichster Nähe der Stadt errichtet werden, und zwar an irgendeinem Punkt zwischen dem Wormser Thore bis zum Landauer Thore“. Aber die Speyerer Stadtverwaltung meldete nach München, „das künftige Wohle der ganzen Stadt beruht darauf, dass der Bahnhof nirgends anders als am Rheine erbauet werde“. Der Grund dafür war weniger die Personenbeförderung, als die Hoffnung auf einen Umschlagplatz für die Güter der Rheinschifffahrt.
Fast 20 Jahre Endstation
Erst 1843 traf aus München die Genehmigung für eine „Stichbahn ab Schifferstadt“ ein. Vier Jahre später wurde der neue Bahnhof eingeweiht. Er war zunächst der Endpunkt der Stichbahn, ehe die „Schifferstadter Linie“ 1864 bis Germersheim weitergeführt wurde. Kolb hatte eine Weiterführung bis Straßburg angeregt.
Der Speyerer Bahnhof wurde vergrößert, als am 10. Dezember 1873 zusätzlich eine Strecke der „Heidelberg-Speyerer Eisenbahn“ über die Schiffbrücke freigegeben wurde: Offenbar um dem erhöhten Personenverkehr Rechnung zu tragen, wurde ein zweites Empfangsgebäude errichtet. Dem Buch „Historische Bahnhofsbauten III“ entnommen ist dazu folgende Passage: „Ein eigenartig anmutender Bau, dessen eklektizistische Formen sich kaum definieren lassen. Mit seinen zwei Türmen sollte das Gebäude sicherlich Speyers historischem Milieu Rechnung tragen.“
Fliegerangriff bereitet Ende
Das Prachtstück stand bis zum 16. März 1945, dann wurde es bei einem Fliegerangriff zu 80 Prozent zerstört. Eine Renovierung war nicht möglich. 1951 wurde ein Neubau begonnen und 1953 eingeweiht. Einen weiteren Bahnhof in Speyer gab es für das von 1905 bis 1956 verkehrende „Pfefferminzbähnel“ ein Stück westlich im Bereich der Josef-Schmitt-Straße.