Speyer Vom Rhein an die Elbe

Sandra Maria Germann ist Choreografin, Theater- und Tanzpädagogin, Schauspielerin und Sängerin. 2006 hat sie zum ersten Mal im Speyerer Kinder- und Jugendtheater auf der Bühne gestanden, sich hinter den Kulissen in einen Schauspieler-Kollegen verliebt und mit ihm eine Familie gegründet. Wir haben nachgefragt, wie es ihr zehn Jahre später geht. Beruflich und privat.
Erreicht haben wir sie in ihrer Zweitwohnung in Hamburg. Denn Sandra Germann spielt seit Oktober den „Fleck“ in Andrew Lloyd Webbers Musical „Liebe stirbt nie – Phantom II“. Dafür hat sie vorübergehend ihren Lebensmittelpunkt in Karlsruhe aufgegeben und „schweren Herzens“ ihren neunjährigen Sohn Elias Giuliano in der Obhut seines Vaters gelassen. „Wir haben uns leider getrennt“, berichtet die Künstlerin vom Ende ihrer großen Liebe. Schauspieler und Regisseur Thomas Ruff hat sie vor zehn Jahren in Speyer bei den Proben zur Weihnachtsproduktion des Kinder- und Jugendtheaters „Der gestiefelte Kater“ zum ersten Mal getroffen und sich unsterblich in den Kollegen verliebt. „Deshalb haben wir Giuliano im Speyerer Dom taufen lassen“, berichtet Germann von der Zeremonie, bei der sie zum ersten und einzigen Mal in der Kathedrale gesungen habe. „Der gestiefelte Kater“ ist nicht ihr einziges Engagement in der Domstadt geblieben: 2007 habe sie im Musical „Die Schneekönigin“ mitgewirkt, 2008 in „Anton – das Musical“. Dafür habe sie auch die Choreografie geschrieben, weist Germann auf ihre vielfältigen Begabungen hin. 1987 hat sie die Musical Company „Dance Charisma“ gegründet, Ende 2009 eine weitere Tanzschule in Karlsruhe. Jederzeit würde sie auch wieder in Speyer arbeiten, betont Germann – „in dieser tollen Stadt voller schöner Erinnerungen“. Derzeit fehlt ihr allerdings die Zeit für Gastspiele. „Fleck“ ist für die 1,32 Meter große Künstlerin aus dem pfälzischen Clausen eine Traumrolle, mit der sie die ganz große Bühne erobert. „,Fleck’ ist ein Freak, mal düster, mal sehr quirlig mit akrobatischen Elementen. Dafür bin ich perfekt ausgebildet, das macht viel Spaß und liegt mir sehr.“ Bis zum 25. September ist Germann in der Hauptrolle im Hamburger Operettenhaus zu sehen. Bis dahin wird auch Giuliano noch einige Male in der Garderobe zuschauen, wie Maskenbildner seine Mutter Abend für Abend von Mama in „Fleck“ verwandeln. Künstlerisch sei auch er nicht unbegabt, versichert Germann. „Giuliano ist ein begnadeter Pianist.“ Sein Berufswunsch weiche allerdings derzeit noch von den Träumen seiner Eltern ab: „Computerspiele-Programmierer“. Giulianos Vater habe sich mittlerweile auf Clownerie spezialisiert, weist Germann auf Ruffs Einsatz in mehreren Karlsruher Kliniken hin. „Nach Hamburg nehme ich zwei Monate Auszeit“, kündigt sie an. Bis Dezember will sie wieder „ganz Mama“ sein, sich um ihre Tanzschulen kümmern und ihre Wohnung in Karlsruhe genießen. „Obwohl die in Hamburg auch schön ist“, betont sie. Direkt an der Elbe gelegen sei sie ein idealer Ort zum Entspannen – „aber eben ohne mein Kind“, benennt sie den entscheidenden Unterschied. Viel Zeit bleibt Sandra Germann nicht fürs Privatleben. „Im Dezember beginnen die Proben auf dem Clubschiff Aida“, weist sie auf ihr Folgeengagement als Theatermanagerin hin. Im Januar geht es demnach für vier Monate auf große Fahrt zu Häfen in Gran Canaria, Lanzarote, Lissabon, Madeira und Southampton. „Ich hoffe, dass Giuliano in den Osterferien ein Stück mitreisen kann“, plant Germann bereits die Mutter-Sohn-Zusammenführung auf hoher See. Und danach? „Wir werden sehen“, sagt Sandra Germann voller Vertrauen in die Zukunft.