Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel VG Römerberg-Dudenhofen: Feuerwehr-Chef spricht über Klimawandel, Anspruchshaltung an die Wehr und künftige Projekte

Mit dem neuen Kommandowagen der Wehrleitung der Verbandsgemeinde Römerberg-Dudenhofen: (von links) Wehrleiter Stefan Zöller und
Mit dem neuen Kommandowagen der Wehrleitung der Verbandsgemeinde Römerberg-Dudenhofen: (von links) Wehrleiter Stefan Zöller und seine Stellvertreter Werner Huber und Holger Schweigert. Foto: Lenz

Brände, Verkehrsunfälle, Unwetter und andere Notfälle – die Feuerwehr ist immer da. Stefan Zöller, Wehrleiter der Verbandsgemeinde Römerberg-Dudenhofen, spricht im Interview mit Nadine Klose über das vergangene Einsatzjahr, den Klimawandel, die Anspruchshaltung an die Feuerwehr und künftige Projekte.

Herr Zöller, wie war das vergangene Jahr aus Feuerwehrsicht?
Wir hatten bei den Einsätzen annähernd die gleiche Anzahl wie 2018. Es war verhältnismäßig ruhig. Im Dezember hatten wir fast keine Einsätze. Über das Jahr gab es zwei größere Einsätze, in Hanhofen einen Wohnungsbrand und in Römerberg einen Heizöl-Unfall. Ein Starkregenereignis hat uns im Sommer an einem Wochenende gefordert. Aber trotzdem hatten wir in der Verbandsgemeinde Glück, weil andere Gemeinden viel stärker betroffen waren. Bei den Hilfeleistungen ist die Tendenz gleich. Die klassische Aufgabe der Feuerwehr, die Brandbekämpfung, wird immer mehr verdrängt von den Hilfeleistungen, zum Beispiel wenn ein Keller unter Wasser steht oder wir zu einem Umwelteinsatz gerufen werden.

Sind die Feuerwehren in der Verbandsgemeinde für Starkregenereignisse gut aufgestellt?
Da sind wir sicherlich beim Thema Klimawandel. Die Heftigkeit der Ereignisse nimmt zu, die Anzahl noch nicht einmal. Wenn Starkregenereignisse kommen, ist das entsprechende Material vorhanden. Wir sind gut gerüstet. Wenn es an Werktagen tagsüber passiert, dauert es, bis ein Großteil der 106 Feuerangehörigen eintrifft. Das ist aber bei allen Einsätzen so. Es gibt auch technisch Punkte, die durch die Gemeinde geprüft oder umgesetzt werden können, um entsprechende Themen zu entschärfen. Man muss auch an die Bürger appellieren, ihr Eigentum selbst zu schützen und sich Gedanken zu machen, wenn jedes Mal der Keller unter Wasser steht. Zum Beispiel über eine Drainage, in der das Wasser abfließen kann, oder ob ein zusätzlicher Sickerschacht notwendig ist.

Müssen Bürger Feuerwehreinsätze nach Unwettern bezahlen?
Nein, bei Unwettern nicht. Wenn aber die Waschmaschine einen technischen Defekt hat, zum Beispiel ein geplatzter Wasserschlauch, und wir zwei Zentimeter Wasser aufwischen sollen, handelt es sich in diesem Fall nicht um eine klassische Gefahrenabwehr und ist somit keine Aufgabe der Feuerwehr. Die Leitstelle erklärt aber auch schon, wo die Grenze ist. Da können wir auch nicht viel weiterhelfen. Der Putzeimer ist die einzige Option. Es gibt aber auch Leute, die fragen, wie lange wir brauchen, um den Keller zu trocknen, weil sie keine Zeit hätten und weg müssten. Das habe ich schon erlebt, aber nicht letztes Jahr.

Sie haben die Personalsituation bereits angesprochen. Gibt es genug Feuerwehrleute in der Verbandsgemeinde?
Ich beschwere mich nicht. Es gab keine Abgänge. Wir haben zwischen 105 und 110 Feuerwehrleute. Die Zahl ist konstant. Wir haben vergangenes Jahr auch ein paar Kollegen aus der Jugendfeuerwehr in die aktive Wehr übernommen. Davon leben wir. Vereinzelt zieht auch mal jemand her, der dann zur Feuerwehr kommt. Der Personalstand ist gut. Klar ist es tageszeitenbedingt, aber das ist ein übliches Thema, dass zu einer gewissen Tageszeit nicht viele Feuerwehrleute ausrücken können, weil sie arbeiten müssen. Montags um 10 kommen wir nicht mit 110 Leuten. Gemeindeintern wird immer versucht, bei Neueinstellungen für die Feuerwehr zu werben. Es gab auch ein, zwei Einstellungen, und seit 1. Januar haben wir mit Andreas Sprenger auch einen hauptamtlichen Gerätewart.

Was sind seine Aufgaben?
Er prüft Fahrzeuge, Geräte und die Schutzkleidung und hält sie instand. Wenn Geräte von Firmen geprüft werden müssen, ist er vor Ort. Für den Termin muss kein Feuerwehrmann mehr von seiner Arbeit freigestellt werden. Außerdem wird er bei den geplanten Neubauten der Feuerwehrgerätehäuser eine wichtige Rolle einnehmen. Ihm wird sicher nicht langweilig. Unterstützt wird er aber weiterhin von den ehrenamtlichen Gerätewarten, das Ganze funktioniert nur gemeinsam.

Gibt es etwas Neues zu den vorgesehenen neuen Feuerwehrgerätehäusern?
Aktuell finden zu den geplanten Objekten in Römerberg und Harthausen Gespräche und Abstimmungen zwischen der Bauabteilung der Verbandsgemeinde, dem Architekten und den Gemeinden statt. In Dudenhofen wird der erste Entwurf des Umbaus des Gerätehauses durch den Architekten erstellt.

Was steht in diesem Jahr bei den Feuerwehren an?
Wir haben ein paar offene Baustellen. Für die Digitalisierung der Sirenen können wir mit der Ausschreibung der Arbeiten beginnen. Das müssen wir auch, zumal das Land die Digitalisierung der Sirenenalarmierung entsprechend fördert. Die Warnung der Bevölkerung ist Aufgabe der Kommunen. Die Warn-App Katwarn ist von der Grundidee zwar sinnvoll, sollte aber nur in entsprechenden Einsätzen eingesetzt werden. Dabei sind wir alle noch am lernen. Denn wenn ein Alarm über die App ausgelöst wurde, sind wir auch gefordert, über Katwarn dann kontinuierlich zu informieren und zu erklären, was passiert ist.

Was wünschen Sie sich für dieses Jahr?
Dass wir alle immer gesund von den Einsätzen kommen. Dass die Zusammenarbeit der Verwaltung mit den Feuerwehren vertieft wird. Das ist wichtig. Und dass wir die laufenden Projekte vorantreiben. Das sind nicht wenige, die Sirenendigitalisierung, die Planungen für die Neubauten und für einen neuen Einsatzleitwagen für die Römerberger Wehr.

Zur Person: Stefan Zöller

Stefan Zöller ist seit 2001 Wehrleiter – erst der Verbandsgemeinde Dudenhofen und nach der Fusion der Verbandsgemeinde Römerberg-Dudenhofen. Der 52-jährige gebürtige Ludwigshafener arbeitet hauptberuflich in der IT-Abteilung der BASF. Zur Feuerwehr kam Zöller 1984 als Jugendlicher. Die Familie war zuvor nach Dudenhofen gezogen. Sein Vater habe ihn vor die Wahl gestellt: „Entweder du gehst mit zur Singstunde zum MGV Cäcilia oder du gehst mit dem Nachbar zur Feuerwehr“, erzählt Zöller. Die Wahl war schnell gefallen. Bei der Singstunde sei er aber auch zweimal gewesen, sagt Zöller und lacht.

Zur Sache I: Neues Fahrzeug für Wehrleitung

Der Feuerwehr-Chef der Verbandsgemeinde Römerberg-Dudenhofen Stefan Zöller und seine Stellvertreter Werner Huber und Holger Schweigert haben einen neuen Kommandowagen. Das Fahrzeug wird für die Anfahrt zu Einsatzstellen genutzt. Die Kosten für den BMW X3, der feuerwehrtechnisch aufgerüstet werden musste, beliefen sich nach Zöllers Angaben auf 54.400 Euro. Das Land steuert 12.000 Euro bei. Technische Anforderungen an das Fahrzeug waren zum Beispiel ein Allrad-Antrieb wegen möglicher Anfahrtswege in unwegsamem Gelände und eine entsprechende Motorisierung. Als Fahrzeugvariante wurde ein SUV gewählt, weil dieser geeignet für den Ausbau zu einem Kommandowagen sei.

Zur Sache II: Die Wehren in der Verbandsgemeinde

In der Verbandsgemeinde Römerberg-Dudenhofen gibt es drei Wehreinheiten – Römerberg, Harthausen sowie Dudenhofen/Hanhofen. Insgesamt haben die drei Wehren laut Wehrleiter Stefan Zöller 106 Mitglieder, davon sind elf Frauen. Die meisten Mitglieder (75) sind zwischen 16 und 35 Jahre alt. Die beiden Jugendfeuerwehren (Römerberg sowie Dudenhofen/Harthausen/Hanhofen) haben 40 Mitglieder, zehn mehr als ein Jahr zuvor. Davon sind 14 Mädchen.

Im vergangenen Jahr musste die Feuerwehr zu 305 Einsätzen in der Verbandsgemeinde ausrücken. Davon waren laut Zöller 72 Brände, 219 technische Hilfeleistungen sowie 14 sonstige Einsätze oder Fehlalarme. Zu den technischen Hilfeleistungen zählen Verkehrsunfälle, Türöffnungen, Tierrettungen sowie Einsätze bei Unwettern oder Überschwemmungen.

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