Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel USA unter Trump: Warum ein Gymnasium am Schüleraustausch festhält

Blick nach Westen: Schüler des Schwerd-Gymnasium zeigen mit ihrer Lehrerin Ingrid Pohl (vordere Reihe rechts) Flagge für den Sch
Blick nach Westen: Schüler des Schwerd-Gymnasium zeigen mit ihrer Lehrerin Ingrid Pohl (vordere Reihe rechts) Flagge für den Schüleraustausch mit den USA – auch wenn dort derzeit Präsident Donald Trump regiert, was manche von einer Reise über den großen Teich abschreckt.

Die nahende Fußball-WM zeigt: Viele Menschen meiden Reisen in die USA unter Präsident Donald Trump. Das Schwerd-Gymnasium aber hält am Schüleraustausch fest – mehr denn je.

Annelien Staal ist bereits einigermaßen aufgeregt. Die 15-Jährige gehört zu dem Dutzend Schülern des Friedrich-Magnus-Schwerd-Gymnasiums (FMSG), die Mitte September in die USA reisen. Für drei Wochen geht es dann an die Saline High School im Bundesstaat Michigan im Dunstkreis von Detroit und keine 100 Kilometer von der kanadischen Grenze entfernt. Die Schwerd-Schüler besuchen dort den Unterricht, wohnen bei Gastfamilien – und wagen damit einen Schritt, vor dem derzeit offenbar viele zurückschrecken.

Die Anzahl der Menschen aus Europa und gerade aus Deutschland, die das Land der unbegrenzten Möglichkeiten besuchen, ist in den zurückliegenden Monaten spürbar gesunken. Experten aus der Reisebranche sprechen gar von einem „Trump Slump“ – einem Einbruch bei der Nachfrage, der im direkten Zusammenhang stehen soll mit den verschärften Einreisebedingungen und dem veränderten innenpolitischen Klima unter der zweiten Präsidentschaft Donald Trumps.

Ob die nahende Fußball-WM den Trend umzukehren vermag, ist noch nicht ausgemacht. So manche deutsche Schulen haben ihren Austausch mit US-Partnerinstitutionen jedenfalls auf Eis gelegt, weil man den eigenen Schülern den befürchteten Stress bei der Einreise ersparen wollte.

Keine erschwerte Einreise

Ingrid Pohl kann diese Zurückhaltung nicht nachvollziehen. „Die Einreisebestimmungen sind dieselben wie vorher. Sie werden nur konsequenter umgesetzt“, sagt die Englischlehrerin. Pohl organisiert nach eigenen Angaben seit mehr als 30 Jahren Austauschprogramme mit den USA, seit 2013 tut sie das am FMSG. Ihr Fazit zur aktuellen Situation: „Wir kommen schneller durch als je zuvor.“ Zwar gebe es unter den Schülern durchaus die Sorge davor, Aktivitäten in den sozialen Medien offenlegen zu müssen. Doch diese sei unbegründet, betont Pohl: „Niemand durchsucht das Handy.“ Betroffen seien nur Reisende, welche die Behörden ohnehin auf dem Schirm hätten, meint die Pädagogin.

Die Organisation des Schüleraustauschs sei nicht umfangreicher geworden, tritt die Englischlehrerin Befürchtungen von Schikanen durch die Einreisebehörden entgegen. Dass vor Kurzem mit Brian Heath sogar der US-Generalkonsul aus Frankfurt am „Schwerd“ war, um mit Schülern über sein Heimatland zu sprechen, unterstreiche das bestehende Interesse der USA an einem regen Austausch.

Wie sieht Realität vor Ort aus?

Überhaupt stimme das Bild, das in Deutschland häufig von den Zuständen in den Vereinigten Staaten gezeichnet werde, nicht mit der Wirklichkeit jenseits des großen Teichs überein, ist Pohl überzeugt. Und genau darum gelte für den seit 2023 bestehenden Schüleraustausch mit der Saline High School das Motto: „Jetzt erst recht.“ Die Schüler sollten sich selbst ein Urteil bilden und sich dazu vor Ort informieren. Womöglich müsse man anschließend eigene Vorstellungen geraderücken.

Ihre Schüler jedenfalls sind begierig zu wissen, wie das Leben in Amerika abseits der großen Metropolen abläuft. „Dort soll Schule mehr wie eine große Gemeinschaft sein“, berichtet Annelien Staal, was sie von älteren Schülern gehört hat, die bereits in Saline waren. Sie selbst finde es spannend zu erfahren, wie sich das gesellschaftliche Klima in den USA anfühle: Sei es locker und frei, oder seien autokratische Züge spürbar?

Alles riesig – alles klein

Francisco Unger López gehört zu denen, die bereits „drüben“ waren. „Ich war positiv überrascht“, schildert der 18-Jährige seine Erfahrung: „Die Menschen waren sehr offen und sind auf uns zugegangen.“ Zudem seien viele politisch nicht interessiert gewesen. Die USA seien vielfältig, der Alltag in dem riesigen Land sei oft anders, als man es sich hierzulande vorstelle.

„Die Amis fanden bei uns alles klein, die Häuser, die Supermärkte, die Autos. Für uns war umgekehrt dort alles groß“, berichtet Hannah Singpiel von ihrem US-Aufenthalt, den sie nicht missen möchte. Es seien Freundschaften entstanden und Eindrücke, die im Kopf blieben. „Meine Austauschschülerin war beispielsweise sehr beeindruckt von unseren kippbaren Fenstern in Deutschland.“ Zu Missverständnissen kam es mitunter an der Toilettentür. In den USA sei diese in der Regel offen, sofern das stille Örtchen frei sei, erläutert Pohl. Sei die Tür wie hierzulande aber zu, würden Amerikaner davor warten – unter Umständen sehr lange, nur um später festzustellen, dass das Bad die ganze Zeit über frei war. Ein kulturelles Missverständnis. Doch genau darum geht es ja beim Schüleraustausch: dass beide Seiten einander kennenlernen und Verständnis für die Eigenheiten des jeweils anderen entwickeln.

x