Speyer
Trauerfeiern in Corona-Zeiten: Oft Abschied unter freiem Himmel
Frische Luft und mehr Platz ermöglichen den Leuten unter Einhaltung der Hygienemaßnahmen einen Abschied, bei dem alle Angehörigen dabei sein können. „Solange der Mindestabstand eingehalten wird und die Anwesenden den Mund-Nasen-Schutz tragen, dürfen mehr als 20 Personen vor Ort sein“, sagt Lisa Eschenbach, Sprecherin der Stadtverwaltung Speyer, auf RHEINPFALZ-Anfrage.
Deshalb erwägen einige Bestattungsinstitute, die Feiern komplett ins Freie zu verlegen. „Wir leiten die Angehörigen in diesem emotionalen Ausnahmezustand liebevoll darauf hin, die gesamte Feier hinaus an das Grab zu verlegen“, sagt Carmen Kocher, Leiterin der Trauergespräche des Bestattungsinstitutes Zerf (Dudenhofen). Demnach ist der Ablauf der Trauerfeier derselbe wie in der Trauerhalle, nur eben unter freiem Himmel. Dekoration und Musik sind miteingeschlossen, Letzteres wird über eine Lautsprecheranlage gespielt, die Predigt des Pfarrers über ein Mikrofon verstärkt. Für ältere Angehörige werden Stühle zur Verfügung gestellt.
Feiern im Freien beliebt
Das Zwitschern der Vögel, die Natur im Ganzen und die Musik wirkten zudem beruhigend, meint Kocher. In der dunklen, nüchternen Trauerhalle, in der wenige Menschen immer verloren wirken. Trauerfeiern im Freien mögen die Angehörigen. Zudem könnten mehr Personen teilnehmen.
Christine Rolke, Betreuerin des Speyerer Bestattungsinstituts Göck, jedoch wirft ein, es bestehe das Risiko, dass die Feiern zu groß werden. „Wenn plötzlich mehr als 50 Leute auf dem Friedhof stehen, ist die Stadtverwaltung ganz klar dagegen.“ Deswegen überträgt das Team des Institutes die Predigt in der Trauerhalle über Lautsprecher nach draußen zu den Angehörigen, die keinen Platz in der Halle bekamen. Diese Gäste schließen sich danach dem Trauerzug zum Grab an. Nach Rolke sei dies trotzdem nicht dasselbe, auch nicht für die Angehörigen im Raum.
In Ausnahmefällen dürfen die Stühle, die normalerweise einen Mindestabstand von jeweils zwei Metern zueinander haben sollten, für Mitglieder eines Haushalts zusammengeschoben werden, wie es beispielsweise in Schifferstadt der Fall sei, erzählt sie der RHEINPFALZ. Im Sitzen dürfen auch die Masken abgenommen werden, das Singen sei jedoch aufgrund der dadurch ausgestoßenen Aerosole verboten.
Unterschiede in Handhabung
„Jede Gemeinde handhabt Trauerfeiern etwas anders.“, sagt sie. Dies beweise der Fall in Dudenhofen. Dort erlaubte die Friedhofsverwaltung, dass die Angehörigen vor dem offiziellen Beginn der Trauerfeier umschichtig in die Halle gehen durften, um Abschied zu nehmen. Die Verbandsgemeinde Römerberg-Dudenhofen konnte auf Anfrage keine Stellungnahme dazu abgeben.
„Besteht der Trauerzug von vornherein aus nur wenigen Personen, kann die Feier nach Absprache mit den jeweiligen Gemeinden trotzdem direkt am Grab stattfinden“, meint Rolke. „Schwierig wird dies jedoch im Herbst und Winter, wenn das Wetter wahrscheinlich keine Beisetzungen im Freien mehr zulässt.“
Die Verordnungen zur Eindämmung der Covid-19-Pandemie und die damit verbundene limitierte Anzahl an Personen, die an einer Trauerfeier teilnehmen darf, bleiben vorerst bestehen. Seit dem 19. Juni gab es keine neuen Lockerungen mehr in diesem Bereich. „Die Maßnahmen basieren auf den Vorgaben des Landes Rheinland-Pfalz“, informiert Eschenbach. „Lockerungen können erst eingeführt werden, wenn das Land sie selbst bestimmt.“