Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel Tod nördlich der Azoren: Speyerer stirbt vor 45 Jahren bei Schiffskatastrophe

Bremerhaven mit Blick auf das Containerterminal: Hier stach die „München“ in See.
Bremerhaven mit Blick auf das Containerterminal: Hier stach die »München« in See.

Statistisch gesehen, geht alle sieben Tage auf den Weltmeeren ein großes Schiff verloren. Monsterwellen bis 30 Meter Höhe sind die Ursache. Erst seit 1995 ist es wissenschaftlich gesichert, dass es sie gibt. Vermutlich eine davon traf am 11. Dezember 1978 nördlich der Azoren das Hapag-Lloyd-Frachtschiff „München“. Eines der Todesopfer: ein Speyerer.

Es war ein Todeskampf über Tage. Der Frachter versank mit 25 Männern und drei Frauen. Von dem Speyerer an Bord und seinen Schicksalsgefährten hat sich nie etwas gefunden. Eine der bis heute größten internationalen Rettungs- und Suchaktionen mit 110 Schiffen und 13 Flugzeugen, darunter zwei der Bundesmarine, konnte außer ein paar Schiffsresten und zwei Rettungsringen nichts bergen. Der Speyerer war als Erster Nautik-Offizier dabei und zum Zeitpunkt seines Todes 39 Jahre. Der Sohn einer früheren Speyerer Journalistin war in Bremerhaven verheiratet und zweifacher Vater. Er befand sich mit der „München“ auf der Route von Bremerhaven nach Savannah im US-Staat Georgia.

Das am 12. Mai 1972 von der Cockerill-Werft in Hoboken bei Antwerpen vom Stapel gelaufene Leichter-Trägerschiff „München“ (37 143 Bruttoregistertonnen, 261,10 Meter lang, 32,40 Meter breit, 26.100 PS, Höchstgeschwindigkeit 18 Knoten) war mit 83 Containern beladen. Die im Fachjargon „Leichter“ genannten Behälter waren in Bremen und Rotterdam an Bord gehievt worden. Sie könnten, so wurde vermutet, als Folge einer 30 Meter hohen Woge – einer sogenannten Monsterwelle – verrutscht sein und das Kentern verursacht haben.

Schreckensszenario wird nachbereitet

Das Schreckensszenario in der von einem Orkan aufgewühlten See ist Gegenstand von Büchern. Deren Autoren schildern die Zeit zwischen dem ersten Mayday-Notruf des Funkers auf der „München“ um 3.10 Uhr am 12. Dezember und dem letzten Notsignal am 13. Dezember zwischen 17 und 19.14 Uhr. Küstenfunkstationen in Bordeaux-Arcachon sowie im südspanischen Rota hatten keinen Sprechkontakt herstellen können.

Die dringende Bitte des „München“-Funkers um umgehende Hilfe löste die Suchaktion aus. Noch eine Woche später, am 20. Dezember, entschied das Bundeskabinett, die Suche fortzusetzen. Zwei Tage später wurde sie eingestellt. Die Spekulationen über die Katastrophenursache überschlugen sich in einer Zeit, in der Monsterwellen noch nicht erforscht waren. Während des damaligen Kalten Kriegs wurde auch nicht ausgeschlossen, dass die „München“ mit einem U-Boot der Sowjetmarine zusammengestoßen sein könnte. Woraus sich erklären würde, wieso der relativ nahe fahrende russische Fischtrawler „Artimidia“ – später als Spionageschiff enttarnt – abdrehte.

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