Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel Tierarzt führt ohne Angst in den OP

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Rund 800.000 Euro hat das „Kleintierzentrum Speyer“ in einen Neubau investiert. Das habe mit den Herausforderungen der Branche zu tun, sagt Mitinhaber Sven Kremp: „Wir haben uns vergrößert, um ein tiermedizinisches Angebot auf hohem Niveau zu bieten.“

Speyer. „Groß und luftig“, ist der erste Eindruck beim Betreten des Kleintierzentrums in der Tullastraße. Ein Hund liegt geduldig auf dem Boden des Wartezimmers, in einer anderen Ecke spielen Besitzer und Tier miteinander. Die Tierärzte Julia und Sven Kremp und Thimo Schaaf setzen auf Angstfreiheit bei der Versorgung kranker Tiere. Gemeinsam betreiben sie die moderne Tierklinik für Kleintiere. Im vergangenen Jahr haben sie angebaut. „Wir haben uns verdoppelt“, so Julia Kremp (48). Auf zwei Stockwerken stehen jetzt 1.000 Quadratmeter zur Verfügung.

Bei der deutlichen Vergrößerung sollten die Arbeitsabläufe stimmig bleiben – das war die große Herausforderung, gibt der 54-jährige Sven Kremp an. Inzwischen sei das Team eingespielt. Das sei wichtig, denn rund 100 Patienten durchlaufen am Tag die Praxis. Behandelt werden Tiere vom Hamster bis zur Dogge, auch Vögel und Amphibien. Die meisten Patienten seien aber Hunde und Katzen, sagt der Veterinär.

Neuer Mitinhaber an Bord

Seit diesem Jahr ist Thimo Schaaf Mitinhaber. „Es hat gepasst“, so der 31-Jährige, der hauptsächlich auf Herzerkrankungen bei Tieren spezialisiert ist. Die Kollegen kennt er bereits aus Praktika in der Studienzeit. Im März 2015 ist er ins Team eingestiegen. Die Anfänge der modernen Tierarztpraxis liegen aber weit früher. Nach dem Studium hat es Julia Kremp wieder in ihre Heimatstadt Speyer zurückgezogen. Dabei hatte sie ihren Mann, ebenfalls Tierarzt, „mit im Gepäck“. Start war dann im Jahr 2000 „wesentlich kleiner“ im Neudeck. Immer mehr Patienten und Mitarbeiter kamen dazu. 2007 sind die Tierärzte an den aktuellen Standort im Mischgebiet in der Tullastraße in einen Neubau umgezogen.

Das „Herzstück“ im Anbau ist der neue OP-Bereich mit zwei Sälen und der Vorbereitung, wo gerade ein Hund aus der Narkose erwacht. „Wir haben Humanstandard“, sagt Sven Kremp über „seinen“ Bereich. Viele der Operationen seien in minimalinvasiver Chirurgie möglich. Auch im Bereich Röntgen oder Ultraschall stünden modernste Geräte zur Verfügung. „Unsere Ausstattung ist teilweise über dem Standard anderer Tierkliniken“, so Chirurg Kremp. In einem der OPs könne unter Überdruck operiert werden, was auch Gelenkoperationen ermögliche. Auch die Gebäudetechnik ist zukunftsweisend. „Wir arbeiten klimaneutral“, so Kremp. Solar auf dem Dach, moderne Verschatttungen und Speicherbatterien im Technikraum machten dies möglich.

Angstfreiheit als großes Thema

Neben aller moderner Technik ist den Tiermedizinern das Thema Angstfreiheit wichtig. Die Speyerer gehören nach eigenen Angaben zu den wenigen Tierärzte in Deutschland, die eine „angstfreie Praxis“ nach amerikanischen Grundsätzen umsetzen. Strukturen wurden dafür verändert, Besitzer ebenfalls geschult. „Wie erkenne ich bereits kleine Anzeichen von Angst – das ist der Schlüssel“, erklärt Thimo Schaaf. Körpersprache, Gerüche und Geräusche spielten dabei eine Rolle. Entspannte Tiere machten die Diagnostik viel einfacher.

Das Konzept gehe auf, betonen die Inhaber. Ihr Zentrum habe einen Einzugsbereich von 70 Kilometern. Für die schonende endoskopische Kastration eines Hundes fahren die Besitzer auch einmal eine weitere Strecke, so Kremp. Ab August zählt das Praxisteam 20 Köpfe, dann wird die dritte Auszubildende erwartet. Acht Tierärzte arbeiten in verschiedenen Arbeitszeitmodellen.

Im Netz

www.kleintierzentrum-speyer.de

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