Speyer Studenten sollen Konzept entwickeln

„Auf der Au“: Die Grundstückseigentümer wünschen sich auch Angebote für Kurzzeitcamping.
»Auf der Au«: Die Grundstückseigentümer wünschen sich auch Angebote für Kurzzeitcamping.

«WALDSEE.»Wie es mit dem Campinggebiet „Auf der Au“ weitergeht, hängt vor allem daran, wie sich die rund 160 Grundstückseigentümer positionieren. Für zwölf von ihnen spricht Philibert Zimmermann, der in der Vergangenheit bereits Ideen geäußert hat, wie der Platz erhalten werden könnte. Mittlerweile gibt es Kontakt zur Technischen Universität Kaiserslautern: Studenten sollen ein Konzept erstellen. Steuergeld soll für die Umsetzung nicht fließen.

Bei der Gruppe um Philibert Zimmermann handelt es sich um einen Teil jener Grundstückseigentümer, die die neuen Pachtverträge nicht unterschreiben wollen. Wie berichtet, laufen die alten Verträge Ende 2020 aus. Weil viele Plätze leer stehen und die Betreiber-GmbH „Naherholung in den Rheinauen“ mit Kreis und Ortsgemeinde Waldsee als Gesellschafter Verluste macht, sollen die Zahlungen drastisch reduziert werden: Statt früher 70 und heute 35 Cent soll es künftig nur noch drei Cent pro Jahr und Quadratmeter geben – für Grundstücke, die außerhalb des dann verkleinerten Geländes liegen sogar nur noch einen Cent. Doch die reduzierte Pacht ist nicht der einzige Grund, warum die Gruppe um Zimmermann die neuen Verträge ablehnt. Manche Klauseln passen ihr nicht. Und sie ist nicht vom Konzept der GmbH überzeugt, das neben einem Ausbau der Rettungswege einen Neubau der Sanitäranlagen vorsieht, es ansonsten aber beim Status quo belassen will. Rund drei Millionen Euro soll der Umbau kosten. Weitergehende Investitionen und höhere Pachtzahlungen hat die GmbH in der Vergangenheit bereits abgelehnt mit der Begründung, dass der Campingplatz nicht auf Kosten der Steuerzahler betrieben werden könne. Letzterem stimmt auch Philibert Zimmermann zu. Allerdings sind die Grundstückseigentümer – neben Zimmermann haben sich zum Gespräch mit der RHEINPFALZ Reiner Regenauer, Eleonore Hamleser und Willi Tremmel versammelt – der Meinung, dass sich das Campinggebiet „Auf der Au“ durchaus rentabel betreiben ließe, wenn die richtigen Maßnahmen ergriffen würden. „Camping boomt“ findet Regenauer. Und Zimmermann ergänzt: „Der Platz ist zentral gelegen, zwei Seen sind in der Nähe. Mit dem richtigen Marketing ist er zukunftsträchtig. Davon sind wir überzeugt.“ Dass die große Zeit des Dauercampings vorüber ist, das sehen die Grundstückseigentümer durchaus auch so. Deshalb können sie sich Angebote für Kurzzeitcamping wie zum Beispiel Stellplätze für Wohnmobile oder Mobile-Homes vorstellen. Auch Parkplätze seien nötig und eine bessere Erreichbarkeit mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Gleichzeitig sollen die Dauercamper bleiben können: „Es hat niemand daran gedacht, die Leute zu verscheuchen für einen Schickimicki-Campingplatz“, sagt Zimmermann. Konkrete Konzepte erhofft sich die Gruppe von Studenten des Fachbereichs Raum- und Umweltplanung der Technischen Universität Kaiserslautern. Dort soll es ein entsprechendes Projekt für fünf bis acht Bachelor-Studenten geben. Bis zum Frühjahr sollen die jungen Leute die Ideen ausarbeiten. Basieren sollen diese auf Vorstellungen von Eigentümern, Campern und der Ortsgemeinde Waldsee, der auch ein Teil der Fläche gehört. In der vergangenen Woche hat bereits ein Treffen dieser drei Parteien stattgefunden. Zimmermann ist bewusst, dass es mit einem Konzept nicht getan ist: „Klar ist, es muss bezahlt werden“, sagt er. Die Grundstückseigentümer setzen daher darauf, dass sich nach dem Auslaufen der Verträge mit der GmbH und der ordnungsgemäßen Rückgabe der Plätze eine neue Betreibergesellschaft findet, die in den Platz investiert. „Ein Großteil der Eigentümer wäre bereit, sich daran zu beteiligen“, ist Zimmermann sicher. Auch die Camper seien bereit sich einzubringen. Ebenso glaubt er, dass genug Geld für die nötigen Investitionen zusammenkommen würde. Ein interessierter privater Investor habe sich bereits gemeldet. „Wenn etwas als zukunftsträchtig angesehen wird, ist auch Geld da“, sagt der Waldseer. Auch sei denkbar, Teile des Geländes anderen interessierten Gruppen oder Vereinen zur Verfügung zu stellen. Die Idee eines Solarparks auf einem Teil der Fläche haben die Grundstückseigentümer ebenfalls noch nicht aufgegeben. Dass Landrat Clemens Körner (CDU) als Geschäftsführer der GmbH angekündigt hat, aus Angst vor chaotischen Zuständen direkte Übereinkünfte von Grundstückseigentümern und Campern verhindern zu wollen, schreckt Zimmermann nicht. „Der Landrat soll Auflagen machen, was er erwartet. Aber bitte nur solche, an die er sich auch selbst gehalten hat.“ Doch wie sollen die Interessen von mehr als 150 Grundstückseigentümern unter einen Hut gebracht werden? „Das ist nur über ein Umlegungsverfahren in den Griff zu bekommen“, ist auch Zimmermann klar, dass die äußerst komplizierten Eigentumsverhältnisse vereinfacht werden müssen. Ein Problem für Zimmermann derzeit: Aus Datenschutzgründen hat ihm der Kreis die Adressen der Eigentümer nicht mitgeteilt. Er kann also nicht mit allen in Kontakt treten. Dass die Zeit drängt, ist Zimmermann und seinen Mitstreitern klar. In der Vergangenheit sei versäumt worden zu investieren, sagen sie. „Im Jahr 2000 hätten wohl die allermeisten auf einen Teil der Pacht verzichtet, wenn in den Platz investiert worden wäre.“ Auch habe die GmbH in der Vergangenheit kein Marketing betrieben. Ihre Vorstellungen könnten nur Stück für Stück umgesetzt werden, glauben die Grundstückseigentümer. Die Camper hätten signalisiert, dass sie noch einige Jahre mit dem jetzigen Zustand leben könnten. „Wir müssen reden“, stellt Zimmermann klar, dass er nicht auf eine Konfrontation mit dem Landrat und der GmbH aus ist. Der Idee gegenüber, einen Moderator einzusetzen, ist der Waldseer aufgeschlossen: „Das fände ich gut.“ Wie es weitergeht, könnte sich Ende Januar zeigen. Dann möchte sich der Landrat mit Eigentümern und Campern zu einem Gespräch treffen. Die Rubrik Unter dem Titel „Dienstagsfrage“ beantworten wir Fragen, die im Alltag im Speyerer Umland auftauchen.

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