Speyer Sprung über Grenzen

„Wir hatten das Gefühl, es ist 1989 und wir sind dabei.“ Damit beschrieb Lea Lieberich das „Berlin-Feeling“ von elf Mädchen der Varieté-Gruppe des Zirkus Bellissima. Mit weiteren 120 Jugendlichen aus ganz Deutschland waren sie vom Bundesverband „Zirkus macht stark“ für die Mitwirkung an den Feierlichkeiten zu „25 Jahre Mauerfall“ am vergangenen Sonntag ausgewählt worden.
Unter dem Motto „Zirkus überwindet Grenzen“ habe das Bundesbildungsministerium eine viertägige Workshop-Aktion mit anschließender Präsentation an dem 1,3 Kilometer langen Original-Mauerstück „East Side Gallery“ ausgerufen, berichtet Lea Lieberich von der Bewerbung der Bellissima-Leistungsgruppe. Der von Mitglied Amelie Schehl gedrehte Film über Trainingsarbeit und Auftritte der Mädchen unter dem Bellissima-Zirkuszelt habe die Jury beeindruckt, weist die 18-Jährige auf das Angebot der Ausrichter „für die beste eingereichte Bewerbung“ hin, anstatt der ursprünglich angedachten acht Teilnehmerinnen elf mit in die Hauptstadt bringen zu dürfen. „Wir waren die einzigen Teilnehmer aus Rheinland-Pfalz“, berichtet Lieberich. Gewohnt hätten sie mitten auf der Spree in einem „Hostel“-Boot, einer Art Jugendherberge. Sie schwärmt von dem direkten Blick der 15- bis 18-Jährigen auf die „East Side Gallery“, das längste noch erhaltene Mauerstück. Jugendliche zwischen 14 und 18 Jahren aus zehn Bundesländern hätten an den Workshops teilgenommen, erzählt Lieberich von der großen Auswahl, die ein Berliner Zirkus zur Auseinandersetzung mit Grenzüberwindungen zur Verfügung gestellt habe. „Wir konnten uns zwischen Jonglage, Hochseil, Trampolin, Pyramiden-Akrobatik und Tanz entscheiden“, berichtet sie. Die Varieté-Gruppe aus Speyer hat das Trampolin gewählt. Es sei am Anfang nicht einfach gewesen, das 3,60 Meter hohe und 1,20 Meter breite Mauerstück kunstvoll zu bewältigen, berichtet Lieberich. Schon die Generalprobe am Sonntagmittag hätten Hunderte begeisterte Zuschauer verfolgt. Am Samstag habe es eine Führung am ehemaligen Grenzübergang „Checkpoint-Charlie“ gegeben, weist Lieberich auf ein großes Rahmenprogramm, viel gemeinsame Zeit und freie Tagesgestaltung hin. „Abends hat eine Sinti- und Roma-Band vor unserem Fenster gespielt.“ „Hammer“: So beschreibt Lieberich ihre Hauptstadt-Emotionen am Jahrestag des Mauerfalls auf und neben der Berliner Mauer. „Das kann man nicht noch einmal erleben.“ (kya)