Speyer
Spiritaner verlassen Domstadt
Nach knapp einem Jahrhundert ist vor wenigen Wochen die Geschichte der Spiritaner in Speyer zu Ende gegangen. Die Patres Erwin Wiesler und Alfons Wehrle haben die Domstadt verlassen. Sie waren die beiden letzten Brüder der Missionsgesellschaft vom Heiligen Geist in der Niederlassung an der Bernhardskirche. Damit ist auch der Gebäudetrakt der Friedenskirche leer geworden, in dem sie gelebt haben. „Es gibt noch keine konkreten Pläne für die weitere Nutzung, zurzeit werden verschiedene Optionen geprüft“, teilt das Bistum auf eine Anfrage zu den Räumen mit.
99 Jahre haben die Spiritaner in Speyer gewirkt. 1922 eröffnete der Orden auf dem Weidenberg ein Missionshaus, wo sich früher das Stift St. Guido befand. Der Neubau der St.-Guido-Kirche aus den 1930er-Jahren diente als ihr geistliches Zentrum. Rund 70 Spiritaner sind aus dem Speyerer Konvikt hervorgegangen, darunter 50 Brüder und Patres, drei ständige Diakone sowie 16 Diözesanpriester, zu denen Erwin Diemer zählt, ehemaliger Generalvikar der Diözese Speyer. Unter den knapp 70 Speyerer Spiritanern befinden sich vier Einheimische.
Seelsorger im Salierstift
Die Patres Wiesler (88) und Wehrle (82) verweisen auf zwei wichtige Mitbrüder: zum einen auf Joseph Weber, der 25 Jahre lang Oberer des Konvikts St. Guido war und hauptverantwortlicher Seelsorger der Expositur St. Guido. Zum zweiten nennen sie Bruder Secundus Pesch. Als Fahrer von drei Speyerer Bischöfen war er bei wichtigen Ereignissen dabei, die er dokumentierte. Sein Nachlass befindet sich im Diözesanarchiv.
Infolge von Nachwuchsmangel wurde das Internat 1978 geschlossen, Anfang der 1990er-Jahre gab der Orden auch Missionshaus und Kirche auf. Der damalige Bischof Anton Schlembach bot den verbliebenen Spiritanern das benachbarte ehemalige Pfarrhaus von St. Bernhard als Wohnstätte an. Wiesler zog mit drei Mitbrüdern dort ein. Im Auftrag des Bischofs übernahmen die Spiritaner fortan den Beichtdienst in St. Bernhard, den es bis dahin in St. Guido gab.
Neben dem Beichtdienst betreuen beide Patres Speyerer Ordensschwestern seelsorgerisch. Wiesler und Mitbrüder waren auch für die Seelsorge im St.-Vincentius-Krankenhaus zuständig.
Dankbar für gute Zeit
Bis zum Ausbruch der Corona-Pandemie standen die Speyerer Patres auch als Seelsorger in den Seniorenzentren Salierstift in Speyer und St. Bonifatius im Limburgerhof bereit. Bis zur Neustrukturierung der Pfarreien vor sechs Jahren sprangen sie in Speyer ein, wenn Aushilfen bei Gottesdiensten, Beichten oder bei anderen Aufgaben gebraucht wurden. Nicht zuletzt hielten die Spiritaner jeden Mittwoch die Friedensmesse in St. Bernhard. Sie hatten diese Tradition mit ihrem Einzug ins ehemalige Pfarrhaus vor 30 Jahren wieder aufleben lassen. „Die Friedensmesse soll weitergeführt werden, wenn wir weg sind“, so Pater Wehrle.
„In Speyer haben wir viel Wohlwollen in der Bevölkerung gefunden“, lautet das Fazit Wieslers, der wie Wehrle aus dem Schwarzwald stammt. Erwin Wiesler wirkte insgesamt 30 Jahre hier. Alfons Wehrle verbrachte zwei Phasen in Speyer: die erste begann Ende der 1970er-Jahre, die zweite 2014. Dazwischen war er in Brasilien und in afrikanischen Ländern tätig. Ihren Lebensabend werden die beiden Patres im Mutterhaus in Knechtsteden verbringen. „Ich werde vielleicht ein bisschen an der Klosterpforte arbeiten“, so Wehrle beim Abschied in Speyer. Wiesler will im Rahmen seiner Möglichkeiten seelsorgerisch tätig bleiben.