Speyer
Speyerer Stadtleben: Neue Situationen, böse Überraschungen
Bei Bö Fashion: Bäume abrasiert
Die Einrichtung von Bö Fashion war eine der größten Investitionen im Gewerbegebiet Auestraße der vergangenen Jahre. Geschäftsinhaber Peter Bödeker hat auf ein ansprechendes Inneres wie Äußeres seines Modegeschäfts geachtet, wozu auch das Parkplatz-Grün mit Säulenzypressen gehört. Umso entsetzter war er, als er am Pfingstwochenende ein Dutzend der noch jungen Bäume niedergelegt sehen musste. Abgeschnitten, abgebrochen, abgetreten – auf jeden Fall kaputt. Der Schaden gehe in den hohen vierstelligen Bereich, sagt der Unternehmer. Er setze eine Belohnung von 1000 Euro auf die Ergreifung der Täter aus. Den Tatzeitraum grenzt er auf Sonntag, 0.40 bis 1.15 Uhr ein. Die Polizei habe zertrümmerte polnische Bierflaschen, die am Tatort gefunden wurden, als mögliche Beweismittel mitgenommen. Die Ermittler bitten um Hinweise unter Telefon 06232 137-101 oder E-Mail pispeyer@polizei.rlp.de. Sie sind wie Bödeker froh, dass sie am Montagmittag ein weiteres angezeigtes Delikt, den Diebstahl von 27 Lichterketten, die auf je einem Baum angebracht waren, aus der Beuteliste streichen konnten. Sein Gärtner habe sie vorab eingelagert gehabt, was er nicht gewusst habe, so Bödeker: „Gott sei Dank sind sie da.“
Paulstraße: Zu kurz für Blitzer
Eine richtige Baustelle, nämlich die in der Hilgardstraße und vor allem die damit verbundene Umleitung sorgt in diesen Tagen für erhöhtes Verkehrsaufkommen unter anderem in der Paul- und Ludwigstraße. Dorthin werden Fahrzeuge von der Landauer Straße aus umgeleitet. Das spüren, hören und sehen die Anlieger und sind darob nicht gerade amused. „Die drehen da auf bei uns auf der Paulstraße, obwohl sie an der Ludwigstraße schon wieder bremsen müssen“, schimpfte ein Anwohner am Redaktionstelefon. Zudem seien Autos am Straßenrand geparkt. Da werde es schnell eng und gefährlich. Die Polizei müsste kontrollieren, am besten blitzen, erwartet er. Allerdings: „Blitzen geht da gar nicht. Der betroffene Abschnitt ist zu kurz dafür. Beschwerden sind aus dem Bereich bei uns noch gar keine eingegangen“, so eine Sprecherin der Inspektion auf Anfrage. Ihre Kollegen auf Streife hätten die Stelle jedoch im Blick. Die Baustelle Hilgardstraße dauert noch bis September, teilte Stadtwerke-Sprecherin Angela Sachweh auf Anfrage mit.
Flatterband: Schön ist anders
Speyer und seine Baustellen: eine nicht unproblematische Beziehung. Richtig schwierig sogar, erwähnt seien nur die Stichworte Salierbrücke und Industriestraße. Aber darum soll es hier gar nicht gehen. Es geht um die zunehmenden Lockerungen des Corona-Lockdowns. Vor allem die Betroffenen in Handel und Gastronomie müssen sich und Kunden schützen, Abstände definieren, dabei Grenzen ziehen und ihr Revier markieren. Sie tun es gerne mit Klebeband auf dem Boden, Seilen, Bindfäden, Trennwänden und – so erscheint es dem Betrachter – am liebsten mit rot-weißem Trassierband. Kilometerlange Rollen werden dazu abgewickelt, um Bäume, Pfosten und Zäune gewickelt, um ihre Signalwirkung zu entfalten und Genuss-Zonen abzugrenzen. Die ganze Stadt wirkt wie eine Baustelle. Zweckmäßig mag es sein. Aber schön ist meistens anders. Speyerer haben mit Baustellen ihre Erfahrungen.
Abstandhalter: Tee für den Pappkameraden
Dauergäste ins Haus geholt hat sich das Hotel am Wartturm. „Unsere Pappkameraden“, nennen sie die Inhaber Michaela und Christian Heck. Mit Beginn der Corona-Lockerungen im Mai sind sie eingezogen. Sie sitzen jetzt im Frühstücksrestaurant und in der Lobby auf den Plätzen, die wegen der Abstandsregeln für echte Gäste notgedrungen nicht zu nutzen sind. Männlein und Weiblein sind darunter, asiatisch Aussehende, Dunkelhäutige, Blonde, sogar Rothaarige. „Wir wollten keine Schilder oder Absperrungen, wir wollten es etwas netter machen“, sagt Michaela Heck zu der Idee, die ihr Mann sich von einem Messebauer hat umsetzen lassen. Den Pappkameraden werde auch serviert, berichtet sie. Morgens stehe ein Müsli vor denen oder eine Tasse Kaffee. „Gerade heute Morgen wollte ein richtiger Gast schon zum Tee seines Nachbarn greifen“, erzählte Michaela Heck am Dienstag. „Ja, die wirken schon ein bisschen echt“, sagte sie und lachte. Die leibhaftigen Gäste, die in dem Beherbergungsbetrieb in der Landwehrstraße nach und nach wieder „eintröpfelten“, nähmen die Pappkameraden mit Humor.