Speyer
Speyer: Hommage an die Beatles mit Klaus Fresenius und Freunden
Psychedelisch, nostalgisch, großartig: Die „Tribute All Star“-Besetzung zur Huldigung der Beatles-Alben „White Album“ und „Abbey Road“ hat am Freitag in der Speyerer Heiliggeistkirche ein Konzert der Extraklasse gegeben. Klassiker der „fabelhaften Vier“ aus Liverpool wurden dabei neu interpretiert.
Vor 51 Jahren erschien das erste Beatles-Album unter dem eigenen Label „Apple Records“, das des blütenweisen Covers wegen sogenannten „White Albums“, vor 50 Jahren mit „Abbey Road“ das letzte Album, das die Beatles gemeinsam aufgenommen haben. Sarah Lipfert und Klaus Fresenius (Gesang), Christian Ehringer (Trompete und Flügelhorn), Christopher Wüst (Gitarre und Gesang), Tim Reiser (Bass), Moritz Erbach (Keyboards) und Stefan „Hering“ Cerin (Schlagzeug und Electronics) verneigten sich vor den „fab four“ (fabelhafte Vier) aus Liverpool. Für George Harrison hatten sie vor der Bühne einen indischen Schrein aufgebaut, Beatles-Porträts an die Leinwand hinter ihnen geklebt.
Transport ins 21. Jahrhundert
Zahlreiche Besucher der ausverkauften Kirche und die Musiker außer Fresenius hatten die Welt zur Hochzeit der Beatles noch nicht erblickt. Den „Tribute All Stars“ gelang es, die Begeisterung für die Musik der fab four ins 21. Jahrhundert zu transportieren. Ausgangspunkt für das Konzert war der 50. beziehungsweise 51. Alben-Geburtstag. „Birthday“ stand denn auch am Anfang des knapp dreistündigen Programms.
Fresenius hatte sich zum Anlass in Blumenhemd und Lederhose gekleidet, die Band-Kollegen in Anzüge.
Harrisons „Savoy Truffle“, John Lennons „Happiness Is A Warm Gun“ oder Paul McCartneys „Back In The USSR“ wurden mit den von Cerin als „Top-Beatle-Band“ bezeichneten Speyerern zu neuen Liedern mit absolutem Hit-Potenzial.
Geordnetes Chaos auf der Bühne
Auf der Bühne herrschte geordnetes Chaos. Dazwischen sangen Lipfert und Wüst Lennons „Julia“ zum Niederknien schön, spielte Erbach wunderbar Klavier zu McCartneys „Blackbird“. Gänsehaut erzeugte Ehringer mit überwältigenden Trompeten-Soli, Lust auf mehr Bassist Reiser, Erinnerungen an Jimi Hendrix rief Ehringer im Einklang mit seiner E-Gitarre herauf. Lipferts Blues-Stimme erwies sich als „Ass im Ärmel“ der Tribute All Stars, Fresenius als leidenschaftlicher Interpret einer Musik, die Generationen ergreift. Sein „While My Guitar Gently Weeps“ traf die Zuhörer mitten ins Herz.
Die Tribute All Stars konnten Ballade und Party, ausgeflippte Bearbeitungen und unglaubliche Experimente. Die Beatles-Fotos fielen von der Wand, Wüsts Gitarre war absturzgefährdet.
Alles Vollblut-Musiker
Jeder der „fab seven“ ist Vollblut-Musiker, alle ergänzten sich blind. Cerin, uneingeschränkt als bester Schlagzeuger der Stadt anerkannt, präsentierte sich zudem als kongenialer Moderator. Wort- und pointenreich führte er durch das Programm.
Zu Beginn huldigte er der gedruckten Ausgabe der Speyerer Rundschau der RHEINPFALZ. „An dem Tag, als die Konzert-Vorschau in der Zeitung gestanden hat, waren wir ausverkauft“, berichtete er. Wochenlange Ankündigungen in sozialen Netzwerken hätten das nicht geschafft. „Das ist der Beweis: Printmedien sind top“, sagte er und erntete viel Beifall.
Die Pfälzer Grundpfeiler „Ernährung, Sexualität, Bildung“ zog „Hering“ als roten Faden durch das Tribute-Konzert. Bezeichnend für das zweite der drei Pfälzer Standbeine war die brillante Speyerer Version des McCartney-Songs „Why Don't We Do It In The Road“.
Das „Come Together“ der Band brachte den Saal zum Kochen. „Here Comes The Sun“, gesungen von Lipfert und Wüst, war zum Weinen schön. Das Abschluss-Lied im Programm blieb nicht das letzte. Wüst präsentierte mit „Her Majesty“ das kürzeste der Beatles-Geschichte. Mit Ringo Starrs „Good Night“ ging ein kleines Konzertwunder zu Ende.
Ein Jahr müssen die Fans auf den nächsten Jubiläums-Auftritt warten: Der Beatles-Hit „Let It Be“ wird 2020 50 Jahre alt. Lasst es geschehen, fab seven.