Speyer Spaß am Menschlichen

Auf die Plätze, fertig, los: die scheidende Grundschulleiterin Sabine Gilles beim Sportunterricht.
Auf die Plätze, fertig, los: die scheidende Grundschulleiterin Sabine Gilles beim Sportunterricht.

«Dudenhofen.»Nach dem Abitur in Bensheim studierte die im niedersächsischen Stade geborene Gilles Sport und Geografie für Lehramt am Gymnasium. Nach zwölf Jahren als Angestellte und mit null Aussichten auf eine Planstelle, ging sie einen unkonventionellen Weg. „Ich war die erste Gymnasiallehrerin in Rheinland-Pfalz, die sich auf die Grundschule hat umschulen lassen“, denkt Gilles im Gespräch mit der RHEINPFALZ zurück. Nach dem Abschluss an der Uni Landau klappte es direkt mit der Planstelle. Drei Jahre unterrichtete Gilles an der Speyerer Woogbachschule als Lehrkraft, fünf Jahre war sie stellvertretende Rektorin dort, dann begann ihre Zeit in Dudenhofen. Abgesehen vom Beamtenstatus, der damit verbunden war, gefiel Gilles die Grundschule auch aus einem anderen Grund besser als die weiterführende Schule. „Mit der Arbeit am Menschen bin ich hier besser aufgehoben“, sagt sie. Das galt nicht nur für die Kinder. „Als ich die Schule übernommen habe, war sie noch ein Anhängsel der Regionalschule und so haben sich die Lehrer gefühlt“, berichtet Gilles. Eine offene, selbstbewusste Grundschule mit einer präsenten Außenwirkung war ihr Ziel. Gilles ist zufrieden, dass das funktioniert hat. Gefordert war die aufgeschlossene Frau nicht nur in der zwischenmenschlichen Arbeit. „Als ich eingestiegen bin, fing direkt das Großprojekt Ganztagsschule an“, erklärt Gilles, der die Entwicklung ihrer Schule in allen Belangen ein Herzensanliegen war. Die Errichtung der Kita Naseweis auf dem Schulgelände war die nächste große Aktion. Insgesamt sieben Jahre begleiteten Bauarbeiten Gilles Tagwerk. Parallel dazu formte sie die Schule inhaltlich. „Eines unserer ganz großen Themen war die Leseförderung“, sagt Gilles. Aber auch um den leichteren Übergang zwischen Kita und Grundschule kümmerte sie sich mit der Belegschaft. Auf die hält Gilles große Stücke. Kann sie auch, denn dank engagierter Lehrkräfte erfolgten die Exzellenz-Auszeichnungen als Sinus-Schule, Mint-Schule und – als erste Grundschule Deutschlands – als Mint-Schule digital. Die Schwerpunkte lagen stets auf den Naturwissenschaften und der Technik. „Im Klassenzimmer der Zukunft ist auch das größte Lego-Studio zu finden“, nennt Gilles ein weiteres Merkmal der Grundschule. Gemeinschaftserlebnisse wie Musiktheater oder Kunstausstellungen gefielen ihr stets am besten. „Jeder sollte auf seine Kosten kommen, nicht immer die gleichen mit viel Arbeit belastet werden“, macht Gilles deutlich. Genauso wichtig für die scheidende Rektorin: die Elternarbeit. Der Lehrberuf hat sich verändert, bestätigt Gilles: „Die Aufgaben sind mehr und vielschichtiger geworden.“ Einiges gibt es noch zu tun an der Schule, sagt Gilles. Und sie weiß genau, wo sie weitermachen würde. „Aber ich bin zufrieden mit dem, was ich erreicht habe und kann eine geordnete Grundschule übergeben“, sagt sie. Ihren Kollegen wünscht sie, mit gleicher Energie an angefangenen Projekten weiterzuarbeiten. „Im nächsten Jahr werden wir vierzügig“, nennt sie ein Beispiel. Von den Eltern wünscht sich Gilles, dass sie gut über ihre Kinder wachen: „Denn das sind die besten.“ Im eigenen „neuen“ Leben freut sie sich auf Zeit zum Lesen, Reisen und mehr Sport. Die Zeiten, in denen der Wecker um 5.20 Uhr morgens klingelte, werden mit dem letzten Schultag vor den Sommerferien vorbei sein.

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