Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel Sorgen um die Sonnenbrücke

Bilderbuchmotiv: Sonnenbrücke vor dem Dom. Rechts die zu niedrige Mauer mit Nikolausstatue.
Bilderbuchmotiv: Sonnenbrücke vor dem Dom. Rechts die zu niedrige Mauer mit Nikolausstatue.

Die Umgestaltung der Sonnenbrücke zwischen Dom und Hasenpfuhl ist beschlossen. Die Brüstungen müssen aus Sicherheitsgründen erhöht werden, sagt die Stadt. Begeistert über den Eingriff ins Denkmal ist keiner. Mit Wolf Spitzer startet ein Speyerer Bildhauer einen Appell, der besondere Verdienste um die Brücke hat.

Rund 30 Zentimeter fehlen, um die erstmals im 13. Jahrhundert schriftlich erwähnte Brücke verkehrssicher zu machen, sagt Florian Benner, Tiefbauingenieur bei der Stadtverwaltung. Die heutigen DIN-Regeln seien eindeutig. Benner hat zusammen mit den Denkmalschutzbehörden um die beste Lösung gerungen, wie er sagt. Ergebnis: Die Brüstungen sollen jetzt aufgemauert und am Ende wieder mit den runden Schlusssteinen bedeckt werden.

Eher unglücklich macht das Wolf Spitzer. Der bekannte Bildhauer aus Speyer kennt die Brücke schon lange und hat sie 1993 mit einer von ihm geschaffenen Nikolausstatue aufgewertet. Das Bronzekunstwerk erinnert daran, dass die Brücke einst Nikolausbrücke hieß und das angrenzende Quartier das Nikolausviertel war. Er beklagt einen „substanziellen Eingriff in ein historisches Ensemble“ und hätte sich eine „schonendere Lösung“ gewünscht.

Historische Ziegelsteine

Er betont aber auch: „Wenn historische Ziegelsteine zum Aufmauern verwendet werden, ist es die annehmbarste Lösung.“ Spitzer hatte zwischenzeitlich die Alternatividee vorgebracht, einen von einem „gediegenen Kunsthandwerker“ gefertigten Geländeraufsatz aus Metall auf die Steine zu setzen und so nicht oder nur wenig in die Bausubstanz einzugreifen. Er habe sich aber von der Verwaltung eines Besseren belehren lassen, so der 81-Jährige: Geländerholme hätten wieder eine Gefahrenquelle etwa für Kleinkinder sein können. „Wir müssen alle Vernunft walten lassen“, sagt Spitzer.

Den Bildhauer treibt natürlich auch die Sorge um die Wirkung seiner Nikolausstatue um, die einst in den Proportionen genau in das Gesamtbild mit der Brücke, dem Dom und der historischen Bebauung eingepasst worden sei. Er habe aber die Zusage der Stadt, dass er in der Frage von deren künftiger Präsentation einbezogen werden solle. Die Stadt wie auch Spitzer könnten sich vorstellen, dass diese erhöht wird, damit sie künftig denselben Abstand von der Brüstung hat wie bisher. Der Künstler gesteht, dass es vorab nicht einfach ist, sich vorzustellen, wie die veränderten Proportionen wirken. Ihm sei daran gelegen, mit dem Rathaus „Hand in Hand“ zu arbeiten.

Größere Instandsetzung

Das sagt auch Florian Benner als Verantwortlicher im Rathaus zu. Er betont auf Anfrage, man habe ganz unterschiedliche Varianten geprüft. Gerade vorige Woche sei es darum noch einmal gegangen. Das Ergebnis bleibe: „Wir kommen nicht drum herum. Die Erhöhung mit Steinen ist auch optisch die verträglichste Lösung.“ Es gebe keine andere gute Variante, die Entscheidung stehe. Er berichtet, dass beim anstehenden Umbau auch Schäden an den Gewölben beseitigt werden müssten. Arbeiten an der Brücke Mitte der 1980er-Jahre seien nicht optimal erfolgt. „Es wird nun doch eine größere Instandsetzung.“ Die Planung läuft, Baubeginn könnte 2022 sein.

„Ich verspreche ein waches Auge“, sagt Wolf Spitzer. Er meint damit die Sonnenbrücken-Sanierung, will den Blick aber auf den gesamten Hasenpfuhl weiten. Dort gebe es nämlich noch die Brücken am Mittelsteg und am Salzturm, die dem historischen Bild schon lange Hohn sprächen. Die Sonnenbrücke sei die letzte der drei Altstadtbrücken im ursprünglichen Charakter. Die Veränderungen an den anderen beiden Verbindungen in früherer Zeit – unter anderem um sie stabil genug für das Passieren von Panzern zu machen – seien teilweise geradezu „barbarisch“, so der Künstler. „Wären die drei Brücken in historischem Zustand erhalten geblieben, wäre dies ein städtebauliches Juwel sondersgleichen.“

RHEINPFALZ-Kommentar von Patrick Seiler

Achtsamkeit bei historischen Werten

Gut, dass sich Künstler Wolf Spitzer zur Sonnenbrücke zu Wort meldet.

Die Stadtverwaltung gibt sich entschlossen, den Absturzschutz an der Sonnenbrücke durch Aufmauern zu optimieren. Der bekannte Speyerer Künstler Wolf Spitzer ist darüber nicht glücklich, stimmt jedoch nach der Prüfung von Alternativen zu. Sein Wort hat in dieser Sache Gewicht, denn seine Nikolausstatue krönt die Brücke, die mit Perspektive zum Dom und zum Gasthaus „Zum Halbmond“ eine von Speyers meistfotografierten und denkmalwürdigsten Stellen ist.

Schade, dass die Speyerer früher nicht so achtsam waren, als die Mittelsteg- und Salzturm-Brücken umgebaut wurden. Spitzers Hinweis auf dort ausgelöschte Werte ist völlig berechtigt.

Optisch keine Erbauung: der Mittelsteg, ein Stück Speyerbach-aufwärts der Sonnenbrücke.
Optisch keine Erbauung: der Mittelsteg, ein Stück Speyerbach-aufwärts der Sonnenbrücke.
Wolf Spitzer
Wolf Spitzer
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