Speyer So können junge Leute für die Politik gewonnen werden
Marius Schüle von der Jungen Union (JU) erklärt: „Wir haben schon sehr früh, kurz nach meinem Eintritt, 2012, angefangen, Onlinesitzungen anzubieten. Während wir uns vor Ort getroffen haben, konnte – wer wollte – über Skype dazustoßen.“ Er erzählt, dass beispielsweise ein Mitglied, das sein Rechtsreferendariat in Berlin absolviert hat, so up-to-date bleiben und online teilnehmen konnte. „Seit mehreren Jahren haben wir nun auch eine gemeinsame Cloud, in die Dokumente hochgeladen werden, die jeder bearbeiten kann“, erzählt der 27-Jährige.
Auch bei der erst im August 2019 neu gegründeten Grünen Jugend (GJ) funktionieren laut den Vorsitzenden Versch und Flörchinger die gemischten Zusammenkünfte aus Teilnehmern vor Ort und digitalen Zuschaltungen bislang sehr gut. Zwar gehen die meisten Mitglieder noch zur Schule, doch einige der 38 Engagierten hätten nun auch schon mit dem Studium begonnen und könnten deshalb – auch abseits von Corona – nur noch digital dabei sein.
JU-Vorsitzender Schüle beobachtet außerdem einen Rückgang des Anteils junger Menschen, die sich aktiv in eine politische Organisation einbringen – trotz großen politischen Interesses der jungen Generation. Diskussionen auf Facebook und Instagram sind seiner Meinung nach teilweise sehr fundiert.
„Sehr politisiert“
Noah Claus, Vorsitzender der Jungsozialisten (Jusos) in Speyer, teilt diese Ansicht: „Die jetzige Jugend ist sehr politisiert. Das merkt man ja auch an Fridays for Future. Ich glaube, das Hauptproblem – und das betrifft alle Parteien außer vielleicht die Grünen –, liegt darin, dass sich die jungen Leute nicht mehr klar an eine Partei binden wollen.“ Er beobachte, dass ein sehr hoher Anteil Jugendlicher „nur mitlaufe“, anstatt mitzuorganisieren. Claus: „Das bedeutet, man versucht sich nur temporär für eine Sache einzusetzen, nach dem Motto: Das betrifft mich jetzt, da mache ich mit. Eine Partei möchte ja aber alles abdecken können, nicht nur einzelne Themen.“
Der auch als Vorsitzender des Ortsvereins West/Erlich engagierte 21-Jährige befürchtet einen langfristigen Rückgang aktiver Mitglieder. „Im SPD-Ortsverein haben wir ein Durchschnittsalter um oder über 60 Jahre. In den nächsten 30 Jahren wird sich die Mitgliedsstruktur dort ganz erheblich ändern, und ich habe etwas Angst, dass es nicht nur der SPD so gehen wird und generell wenig politischer Nachwuchs nachkommt.“
Zitiert
Die größte künftige Herausforderung
„Zum einen die Corona-Schulden, zum anderen die Probleme, die wir während der Pandemie hinten angestellt haben und auf die jetzt noch schneller reagiert werden muss.“ Pia Versch, Grüne Jugend.
„Das Jahrhundertthema ist und bleibt die Klimakrise. Die Corona-Krise ist im Vergleich dazu eigentlich ein Witz. Dass jetzt nichts passiert, ist fatal.“ Felix Flörchinger, Grüne Jugend.
„Die zwei größten zukünftigen Herausforderungen sind eine Umweltpolitik gemeinsam mit allen Bürgern und Unternehmen, die auf Wettbewerb, Anreize und Innovation beruht, sowie der Erhalt einer belebten und attraktiven Innenstadt – auch nach der Pandemie. Denn die Speyerer Einzelhändler und Gastronomen gehören genauso zu Speyer wie der Dom.“ Marius Weiler, Junge Liberale.
„Klimaschutz, ökologische soziale Marktwirtschaft, Digitalisierung und Innovation. Und wahrscheinlich Finanzen mit Schuldenberg. Auf der geopolitischen Ebene steige ich jetzt nicht ein.“ Noah Claus, Jungsozialisten.
„Klimaschutz geht über Innovation und dafür braucht es die große Lösung. Es muss erreicht werden, dass Bürger und Unternehmen bei allen Themen – Corona, Digitalisierung und Klimaschutz – an einem Strang ziehen.“ Marius Schüle, Junge Union.