Speyer
So ist es um die Brücke in der Oberen Langgasse bestellt
Wohin des Weges?
Fußgänger, Radler, Autofahrer – die Brücke über die Bahngleise in der Oberen Langgasse ist für alle wichtig. Sie ist ein Weg in die Innenstadt, zur Stadthalle oder zu den Schulen im Westen. Sie liegt zwischen den beiden Seniorenheimen Salier-Stift und Storchenpark, ist in Sichtweite des Bahnhofs auch für Bahnkunden eine Alternative und daher gut genutzt. Ab Dienstag wird sie Pause vom Durchgangsverkehr haben, denn die Straße wird auf Höhe von VR Bank und „Seppelskasten“ wegen Bauarbeiten gesperrt. Anliegerverkehr bleibt möglich, aber an die 8000 Fahrzeuge, die 2018 in diesem Gebiet pro Tag gezählt worden waren, wird sie in dieser Zeit bei Weitem nicht herankommen.
Wie kam’s dazu?
Die Obere Langgasse erschließt einen Bereich, der angrenzend an die Innenstadt für Speyers Wachstum vor mehr als 100 Jahren steht. Die Brücke liegt am Hang, der im Volksmund „Brauereibuckel“ genannt wird, weil angrenzend von den 1870er-Jahren bis 1970 die Schwartz-Storchen-Brauerei eine Produktionsstätte in beträchtlicher Größe betrieb. Die heutige Brücke stammt von 1939, wie Florian Benner, zuständiger Mitarbeiter im Tiefbau-Bereich der Stadtverwaltung, berichtet. Er ist 2004 in deren Dienste eingetreten und seither fast kontinuierlich mit dieser Brücke befasst gewesen, wie er sagt: An ihr habe es im Lauf der Zeit nur kleinere Instandsetzungen gegeben, ihr Zustand sei nicht mehr gut. Zweimal wurde zwischen Plänen für eine erneute Instandsetzung und einen Neubau hin- und hergewechselt – und jetzt wird ein Neubau vorbereitet, der mit einer Straßensperrung verbunden sein wird.
Welche Werte sind wichtig?
Ohne die Rampen ist die Brücke laut Stadt 28,70 Meter lang. Bis zu 30 Tonnen schwere Fahrzeuge dürfen drüberrollen. Ihr baulicher Zustand wird von der Stadt mit der Tiefstnote 4,0 bewertet. Wenn eines Tages die Nachfolgerin eingesetzt wird, wird sie laut Benner einige Meter kürzer sein als heute. Aktuell besteht sie aus drei Feldern, unter denen zwei Stützen stehen. Diese sind laut Benner bei neuen Brücken aus Sicherheitsgründen unzulässig, da sie 1998 bei dem ICE-Unglück in Eschede mit 101 Toten eine verhängnisvolle Rolle spielten. Die Nachfolgerin wird auf einem verbreiterten Rand aufsetzen und nur aus einem Feld entstehen, so Benner. „Für den Nutzer macht das keinen Unterschied, das sieht man nur von unten.“
Wie lange hält sie noch?
Früheren Angaben zufolge hätte sie schon erneuert sein können, jetzt hofft Benner auf einen Neubau 2024 oder 2025. Dieser würde gut ein Jahr dauern und knapp 4 Millionen Euro kosten. Die Planungen laufen, aber es gab Verzögerungen. Zunächst war ein Ersatzneubau geplant worden, aber dann änderten sich laut Stadt die Förderrichtlinien, und die Finanzierung war eine Zeit lang unklar. Daher sei eine Instandhaltung vorgeschlagen und schon komplett geplant worden, die laut Benner wohl gut eine Million Euro gekostet hätte. Hier habe das Land aber die Wirtschaftlichkeit infrage gestellt, weil die Lebensdauer einer sanierten Stahlbetonbrücke begrenzt gewesen wäre. Benner nennt hier den Vergleichsfall der Salierbrücke, deren Sanierung aber dringender gewesen sei als beim Bauwerk in der Oberen Langgasse. „Es ist einfach das Alter“, begründet Benner den Erneuerungsbedarf. Die Stadt sei in ihren Planungen wieder zum Neubau übergegangen, da nun die Finanzierungsgrundlage stehe. Dafür müsse jetzt auf neue gesetzliche Regelungen zum Umgang mit Eisenbahnkreuzungen gewartet werden. Die Stadt kooperiere beim Bau nämlich mit der Bahn, die einen Kostenanteil tragen werde.